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VfL Mühlheim zerlegt Fallersleben - Scherer und Linke treffen doppelt

Ein lauer Aprilabend, Flutlicht an, 1.651 Zuschauer im Mühlheimer Stadion - und ein Heimteam, das offenbar beschlossen hatte, an diesem 29. Spieltag der Landesliga 20 eine kleine Lehrstunde im Angriffsspiel zu geben. Der VfL Mühlheim zerlegte den VfB Fallersleben mit 5:0 (3:0), und das Ergebnis war noch schmeichelhaft für die Gäste, die sich über 90 Minuten eher wie Statisten in einem Mühlheimer Trainingsspiel vorkommen mussten.

Von Beginn an war klar, wer hier das Zepter schwingen würde. Schon nach zwei Minuten prüfte Wolfgang Heine den Fallerslebener Keeper Felix Lindemann mit einem strammen Schuss - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir Bock haben", grinste Heine später. Und Bock hatten sie, allen voran Günter Scherer, der mit einem Dreierpack zum Albtraum der Gäste wurde.

Das 1:0 fiel in der 17. Minute, als Scherer einen feinen Pass von Hartmut Paul verwertete - eine Kombination, die sich an diesem Abend noch mehrfach wiederholen sollte. Nur wenige Minuten später sah Mühlheims Abwehrchef Julian Koller Gelb, aber das störte den Spielfluss nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Der VfL spielte weiter mit einer Selbstverständlichkeit, als hätten sie das Drehbuch für diesen Abend selbst geschrieben.

Scherer traf erneut in der 32. Minute - wieder nach Vorarbeit von Paul, wieder mit links, wieder unhaltbar. Und als kurz vor der Pause auch noch Routinier Robin Linke das 3:0 erzielte (natürlich auf Vorlage von Paul, der offenbar beschlossen hatte, den Spielmacher alter Schule zu geben), war die Partie entschieden. "Ich hab irgendwann gar nicht mehr gezählt", meinte Linke später trocken. "Aber Hauptsache, wir haben Spaß gehabt."

Fallersleben? Kämpfte tapfer, aber hilflos. Insgesamt brachte der VfB ganze einen (in Zahlen: 1) Schuss aufs Tor zustande - Tomas Kraus in der 53. Minute, ein Versuch, der eher als höfliche Erinnerung diente, dass auch sie mitspielten. Trainer der Gäste - man munkelt, er habe sich in der Halbzeit mehr Laufbereitschaft gewünscht - blieb nach Abpfiff wortkarg: "Das war... schwierig." Mehr fiel ihm nicht ein, und wer wollte es ihm verdenken?

Der zweite Durchgang begann, wie der erste geendet hatte: Mühlheim kombinierte, Fallersleben lief hinterher. In der 61. Minute wieder Scherer, diesmal nach Zuspiel des jungen Joshua Betz, der mit 20 Jahren frischen Wind über die linke Seite brachte. Zwei Minuten später war Linke wieder zur Stelle, nach einem klugen Pass - natürlich wieder von Scherer. 5:0, und auf der Tribüne begann man, die Abwehrreihe der Gäste zu bemitleiden.

Auch die Statistik spricht Bände: 21 Torschüsse für Mühlheim, einer für Fallersleben; 59 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber, die Tackling-Quote deutlich besser. Selbst in den Zweikämpfen wirkte Mühlheim wacher, griffiger, einfach galliger. Und wenn man bedenkt, dass die Mühlheimer taktisch nur "ausgewogen" eingestellt waren, kann man sich kaum ausmalen, was passiert wäre, hätten sie den Schalter auf "offensiv" umgelegt.

Es blieb aber alles im Rahmen: Drei Gelbe für die Gäste, drei für Mühlheim - darunter ein eher übermotivierter Einsatz von Youngster Betz in der 74. Minute, den Trainer Mühlheims später lachend kommentierte: "Der Junge wollte einfach nur zeigen, dass er auch verteidigen kann."

Am Ende feierte Mühlheim einen nie gefährdeten Kantersieg, der sie in der Tabelle weiter nach oben spült. "Das war heute fast zu einfach", meinte Dreifach-Torschütze Scherer, bevor er sich im Kabinengang noch ein isotonisches Getränk gönnte. "Aber man darf sowas auch mal genießen."

Und die Zuschauer? Die gingen zufrieden nach Hause, viele mit einem Grinsen im Gesicht. "Das war Fußball zum Anlehnen", sagte ein älterer Fan, "da hättest du dich fast auf den Ball setzen können."

Der VfL Mühlheim hat an diesem Abend gezeigt, was passiert, wenn spielerische Leichtigkeit auf taktische Disziplin trifft - und ein Gegner, der einfach nicht mithalten kann.

Fazit: Fünf Tore, kein Gegentor, ein Scherer in Galaform und ein Linke im Rausch - mehr kann man von einem Dienstagabendspiel kaum verlangen. Vielleicht nur eins: dass es so weitergeht. Denn wer so spielt, hat nicht nur Punkte, sondern auch Spaß am Fußball. Und das, man glaubt es kaum, ist ja immer noch der Sinn der Sache.

30.12.643996 11:05
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