Dagbladet
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Viking FK dreht das Spiel: Bärum FB erlebt ein zweites?Halbzeit?Desaster

Es hätte ein schöner Abend für Bärum FB werden können. 14 306 Zuschauer erlebten im heimischen Stadion den perfekten Auftakt: eine mutige Heimmannschaft, ein frühes Pressing, dazu ein Tor, das die Tribünen in der 32. Minute beben ließ. Esteban Bischoff, der quirlige Rechtsaußen, nahm einen feinen Pass seines Sturmpartners Dylan Clancy auf, drehte sich um die eigene Achse und schob den Ball mit der Ruhe eines Eiskunstläufers ins lange Eck. 1:0 - und Trainer Savo Partizan riss beide Fäuste in den Abendhimmel.

"Wir hatten sie in der ersten Halbzeit komplett im Griff", sagte Partizan später - und fügte mit einem bitteren Lächeln hinzu: "Leider dauert ein Fußballspiel länger als 45 Minuten."

Denn was danach kam, erinnerte an ein skandinavisches Märchen mit düsterem Mittelteil. Viking FK, bis zur Pause fahrig und unpräzise, kehrte wie verwandelt aus der Kabine zurück. Trainer Markus Frey hatte offenbar den richtigen Ton getroffen. "Ich habe ihnen nur gesagt, dass sie aufhören sollen, wie Rentierzüchter zu verteidigen", grinste er nach dem Spiel.

Schon in der 54. Minute schlug Viking zu - Erland Berg, der bullige Mittelstürmer, traf nach einer Ecke von Innenverteidiger Jon Mykland zum Ausgleich. Nur eine Minute später kam der nächste Schlag: Rechtsverteidiger Christophe Will marschierte bis zur Strafraumkante, bekam den Ball von Jan Gulbrandsen zugespielt und drosch ihn kompromisslos in den Winkel. Der Schock für Bärum war kaum verklungen, da erhöhte Jorgen Mykland, der ältere Bruder von Jon, drei Minuten später auf 1:3. Wieder hatte Gulbrandsen die Vorlage gegeben - der Mann hatte plötzlich mehr Assists als ein durchschnittlicher Eishockey‑Quarterback.

"Wir wussten gar nicht, wo uns der Kopf stand", stöhnte Bärums Torhüter Dorinel Lacatus. "Es war, als hätten sie in der Pause doppelt Espresso mit Nitro getrunken."

Statistisch gesehen war die Partie erstaunlich ausgeglichen: 50 Prozent Ballbesitz für Bärum, 13 Torschüsse für Viking gegenüber 7 für die Gastgeber. Doch während Viking traf, schoss Bärum vor allem den Balljungen warm. Der letzte Versuch, das Ruder herumzureißen, kam in der 75. Minute, als Partizan gleich dreimal wechselte und den 19‑jährigen Csaba Miriuta brachte. Der Youngster hatte in der 84. Minute sogar eine gute Chance, scheiterte aber an Vikings Keeper Rune Iversen, der danach lässig meinte: "Ich hab’ noch nie so viel Zeit gehabt, meine Handschuhe zu putzen."

Als dann in der 87. Minute Vladan Manojlovic - ebenfalls nach Vorarbeit von Will - das 1:4 erzielte, war die Messe gelesen. Auf der Bärum‑Bank sank Partizan in seinen Sitz, während Frey auf der anderen Seite fröhlich mit seinem Co‑Trainer abklatschte. "Wir wollten zeigen, dass wir auch nach Rückstand Fußball spielen können", sagte Frey. "Und ja - die Jungs haben’s verstanden."

Bärum versuchte es zum Schluss mit einem Hauch Offensive, aber ohne Fortune. Die Zuschauer, die zur Pause noch vom Europacup geträumt hatten, verließen das Stadion mit einem resignierten Schulterzucken. Ein älterer Fan fasste es auf der Tribüne treffend zusammen: "Wir führen 1:0 und verlieren 1:4 - das ist Bärum pur."

In der Statistik bleibt immerhin der Trost, dass es kein Ballbesitz‑Debakel war. Doch die Tackling‑Quote von knapp 47 Prozent zeigt: zu viele verlorene Zweikämpfe, zu wenig Biss. Viking hingegen spielte clever, nutzte jede Unsicherheit gnadenlos aus und zeigte, warum Erfahrung manchmal mehr wert ist als jugendlicher Elan.

"Wir lernen daraus", versprach Partizan nach dem Abpfiff. "Aber das nächste Mal will ich bitte, dass meine Mannschaft auch nach der Pause noch mitspielt."

Ein Satz, der irgendwo zwischen Selbstkritik und Galgenhumor pendelt - und ziemlich genau beschreibt, was an diesem Abend in Bärum passiert ist: ein Spiel, das hoffnungsvoll begann und in eine Lehrstunde mündete.

Doch wer weiß: Vielleicht braucht es manchmal ein kleines Fiasko, um groß zu werden. Und wenn die jungen Bären von Bärum FB tatsächlich daraus lernen, könnte dieses 1:4 eines Tages als Wendepunkt in Erinnerung bleiben - sofern sie das Ergebnis bis dahin vergessen haben.

31.01.644003 10:50
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