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Ein lauer Sommerabend, 12.500 Zuschauer im Trondheim-Stadion - und am Ende ein Spiel, das man in Norwegen wohl noch eine Weile diskutieren wird. Viking FK gewann beim heimstarken Trondheim SK mit 2:1, und das auf eine Art, die irgendwo zwischen Drama, Slapstick und eiskalter Effizienz pendelte. Bereits nach zehn Minuten schien alles auf ein Fest für die Gäste hinauszulaufen. Ilie Ghionea, der flinke Flügelstürmer mit dem Temperament eines Espresso-Doppels, zog nach einem Zuspiel von Andrej Anissin von links nach innen und schlenzte den Ball aus 18 Metern in den Winkel - das frühe 0:1. Der Torjubel war laut, aber in den Gesichtern der Trondheimer Verteidiger las man schon damals etwas, das an eine Mischung aus Fassungslosigkeit und mildem Schlafmangel erinnerte. "Wir haben uns wohl gedacht, das war’s schon", gab Trondheims Routinier Geir Gulbrandsen später grinsend zu. "Nur leider spielt so ein Spiel 90 Minuten. Manchmal auch ein paar mehr." Viking spielte in der ersten Halbzeit wie eine Mannschaft, die sich vorgenommen hatte, jeden Quadratmeter des Rasens zu beackern. 18 Torschüsse - fast schon ein Akt der Dauerbelagerung. Hermann Zimmermann prüfte Keeper Ari Uusimäki gleich mehrfach, während Erland Berg vorne lauerte, als hätte er eine Vorahnung. Trondheim dagegen mühte sich, fand aber selten den Weg durch die dichte Gästeabwehr. Nur Marius Giske, der Mann mit dem präzisen rechten Fuß, setzte mit zwei Distanzschüssen kleine Lebenszeichen. Nach der Pause wurde es kurz kurios. In der 48. Minute humpelte Rechtsverteidiger Stig Mykland vom Platz - eine Muskelverletzung, wie es schien. Für ihn kam Solveig Agdestein, der prompt von der eigenen Bank mit den Worten "Mach’s besser, aber bitte ohne Arztbesuch" begrüßt wurde. Viking blieb überlegen, auch wenn die Partie zunehmend ruppiger wurde. Drei Gelbe Karten für die Gäste (Marica, Pfeifer, Mykland - diesmal Solveig, nicht Stig) zeigten, dass man das Spiel nicht kampflos hergeben wollte. Trainer Markus Frey sah das gelassen: "Aggressivität ist kein Verbrechen, solange sie nicht mit Krücken endet." Trondheim schien schon geschlagen, doch dann kam die 85. Minute. Eine Flanke von Giske, ein gezielter Kopfstoß von Brede Jakobsen - und plötzlich stand es 1:1. Das Stadion tobte, Becher flogen, ein Fan kletterte fast auf den Zaun. "In dem Moment dachte ich, wir reißen das noch", sagte Jakobsen später, "aber Fußballgötter haben manchmal einen merkwürdigen Humor." Denn der hatte noch eine Pointe parat. In der 93. Minute, als die Nachspielzeit eigentlich schon abgelaufen schien, kombinierte Viking ein letztes Mal über Kalitzakis. Dessen Pass fand - natürlich - Erland Berg. Der nahm den Ball mit der Brust, drehte sich und schob ihn mit der Ruhe eines Mannes, der seine Bahncard vergessen hat, aber weiß, dass der Zug ohnehin Verspätung hat, ins Eck. 1:2. Stille im Stadion. Nur die jubelnden blau-weißen Gäste und ihr Trainer, der beide Fäuste in den Abendhimmel reckte. "Wir hatten das Spiel im Griff - und dann irgendwie nicht mehr", murmelte Trondheims Coach nach Abpfiff, während er die Statistikblätter fixierte: 44 Prozent Ballbesitz, 8 Torschüsse, eine Verletzung und ein Tor, das am Ende zu wenig war. Viking hatte mehr vom Spiel, mehr Mut, und offenbar auch mehr Geduld. Bei den Gästen dagegen herrschte ausgelassene Stimmung. "Ich habe schon schlimmere Nächte erlebt", witzelte Torhüter Salvador Berjon. "Heute musste ich kaum was halten - das war fast Urlaub." So bleibt für Trondheim die Erkenntnis, dass man zwar schön kombinieren, aber eben auch in der Nachspielzeit verlieren kann. Für Viking war es ein Sieg der Hartnäckigkeit - und vielleicht auch der jugendlichen Unbekümmertheit, mit der ein 17-jähriger Sigmund Larsson auf links rauf und runter marschierte, als sei er auf einem Schulausflug. Am Ende also 1:2 (0:1) - ein Spiel, das viel über Charakter, Geduld und das norwegische Verständnis von Dramatik verriet. Oder, wie es Brede Jakobsen nachdenklich formulierte: "Manchmal ist Fußball einfach ein gemeiner Witz mit schöner Kulisse." Und schöner war sie selten in Trondheim. 18.03.644003 18:48 |
Sprücheklopfer
Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief's ganz flüssig.
Paul Breitner