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Völlen schlägt Gela 2:1 - Ein Abend zwischen Genie, Gelb und Gereiztheit

Es war ein lauer Aprilabend, aber auf dem Rasen von Eintracht Völlen kochte die Luft. 43.500 Zuschauer sahen im Champions-League-Play-off-Hinspiel ein Duell, das alles bot: Tempo, Tore, Karten - und das eine oder andere Schauspiel, das nicht für den Kunstpreis, aber vielleicht für die Zeitlupe taugt. Am Ende gewann Völlen mit 2:1 gegen Gela - ein Ergebnis, das so knapp wie verdient war.

Trainer Dennis Hees hatte seine Eintracht gewohnt taktisch "balanciert" eingestellt, was in der Praxis hieß: kontrolliertes Risiko mit der Lizenz zum Kontern. Gela-Coach Michael Müller ließ offensiv antreten, als wäre es ein Freundschaftsspiel auf dem Bolzplatz - nur dass hier eben Champions-League-Flutlicht leuchtete.

Die Partie begann furios: Schon nach einer Minute prüfte Rafael Meireles die Reflexe von Gelas Keeper Pattrick Gabriel. "Ich wollte nur testen, ob er wach ist", grinste der Portugiese später. Der Torwart war es - vorerst. Gela antwortete mit einem Sturmlauf von Pablo Tarrega, der zwischen der 6. und 8. Minute gleich dreimal aufs Tor drosch, als gäbe es einen Preis für Zielstrebigkeit. Doch Völlens Schlussmann Karsten Lange war hellwach, fischte alles weg, was kam.

Die ersten zwanzig Minuten glichen einem Tennismatch: Angriff, Gegenangriff, Applaus. Völlen hatte mehr Ballbesitz (am Ende 57,6 Prozent), Gela mehr Schüsse (13 zu 11). Doch Effizienz war an diesem Abend kein italienisches Wort, sondern eine deutsche Tugend.

In der 42. Minute kam der Moment, an dem das Stadion explodierte: Lennard Stoll, der Völlener Regisseur mit der Frisur eines Philosophieprofessors, schickte Meireles steil. Der lief, schaute, schlenzte - und traf. 1:0. "Der Pass war so gut, ich musste ihn einfach reinmachen", sagte Meireles nach dem Spiel mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Selbstlob pendelte.

Nach der Pause drückte Gela. Und wie. Tarrega, dieser bullige Mittelstürmer mit der Eleganz eines Presslufthammers, schob in der 67. Minute den Ball nach feiner Vorarbeit von David Martin ins Netz - 1:1. Müller riss die Fäuste hoch, Hees trat wütend gegen eine leere Trinkflasche. "Wir haben kurz vergessen, dass man auch nach der Halbzeit noch Fußball spielen muss", brummte der Völlen-Coach später.

Doch die Eintracht antwortete wie ein Boxer, der nach einem Treffer nur kurz wankt. In der 80. Minute war es wieder Meireles, diesmal als Vorbereiter. Seine Flanke fand Lewis Preston, der das Leder humorlos unter die Latte nagelte - 2:1. "Ich wollte eigentlich flanken", flunkerte Preston danach, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne."

Danach wurde es wild. Gelas Rechtsverteidiger Silvestre Veloso verwandelte sich in der 82. Minute in eine Ein-Mann-Abrissbirne und sah folgerichtig Rot, nachdem er Völlens Juanito Coelho an der Außenlinie eher umgepflügt als gefoult hatte. "Ich bin ausgerutscht", verteidigte sich Veloso - über den Platz grinste Coelho: "Ja klar, auf trockenem Rasen."

Die Schlussphase war dann mehr Drama als Taktik. Hees brachte frische Beine - Guillermo Mingo, Jorge Bertran, Zakhar Schitnik - während Müller wild gestikulierte, als könne er seine Unterzahl mit Körpersprache ausgleichen. Eintracht presste nun hoch, zum Erstaunen vieler: "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur verwalten können", erklärte Hees.

In der 91. Minute sah Ernesto Miguel noch Gelb für ein taktisches Foul - Völlens dritter Eintrag im Notizbuch des Schiedsrichters. Die Nachspielzeit verging mit langen Pässen, kurzen Nerven und lauten Pfiffen. Dann ertönte der Schlusspfiff, und das Stadion atmete aus.

Statistisch war’s ein Spiel auf Augenhöhe, emotional ein kleiner Triumphzug. Völlen hatte das Quäntchen mehr Kontrolle, Gela das Quäntchen mehr Chaos. "Wir haben nichts verloren, außer ein bisschen Würde", meinte Müller trocken. Sein Gegenüber Hees konterte: "In Gela wird’s heiß, aber wir nehmen zwei Tore mit - und jede Menge Selbstvertrauen."

Man darf also gespannt sein auf das Rückspiel. Wenn Völlen wieder so spielt, könnte das Abenteuer Europa weitergehen. Wenn nicht - dann bleibt immerhin die Erinnerung an einen Abend, an dem 43.500 Menschen sahen, dass Fußball manchmal genau das ist, was man liebt: unberechenbar, bissig und ein bisschen verrückt.

Und irgendwo in der Kabine summte Rafael Meireles beim Auslaufen: "Ich wollte nur testen, ob er wach ist." Dieses Mal war es wohl ganz Gela, das im Schlaf erwischt wurde.

14.08.643996 05:05
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Ottmar Hitzfeld ist noch nie auf die Tribüne verbannt worden, ich auch nicht. Aber bei mir wird es sicher nicht mehr lange dauern.
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