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Völlen verzweifelt, Bad Kleinen jubelt: Mayer trifft und stiehlt die Punkte

Ein lauer Aprilabend, Flutlicht, 40.676 Zuschauer und ein Spiel, das zeigte, dass Fußball manchmal ein grausamer Lehrer ist. Eintracht Völlen schoss, rannte, kämpfte - und verlor. Mit 0:1 gegen Bad Kleinen endete eine Partie, die eigentlich nur einen Sieger verdient hatte: die Torumrandung des Gästegehäuses.

Von Beginn an drückte Völlen aufs Gaspedal. Schon in der ersten Minute prüfte Michael MacLachlan den Gästetorwart Kurt Hagen - der 21-Jährige lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Trainer Dennis Hees schlug sich lachend die Hand vor die Stirn: "Ich dachte, der Ball sei schon drin. Aber Hagen hatte wohl was dagegen."

Die erste Halbzeit war ein Lehrbuchbeispiel für ein Spiel, das nur in eine Richtung läuft, ohne sich zu bewegen. Lewis Preston, der linke Wirbelwind der Eintracht, feuerte aus allen Lagen - in der 13., 24., 26., 31., 45., 56., 67., 70. und 84. Minute. Doch der Ball wollte einfach nicht ins Netz. "Ich hab irgendwann gedacht, da steht jemand Unsichtbares im Tor", grinste Preston später, während er sich das Trikot über den Kopf zog.

Bad Kleinen dagegen machte das, was kleine Teams aus kleinen Orten manchmal am besten können: Sie überlebten. Fünf Torschüsse insgesamt, aber jeder davon mit der Effizienz eines Uhrwerks. Trainer Cw WC - ja, das ist wirklich sein Name - sah’s gelassen: "Wir sind nicht hier, um schön zu spielen. Wir sind hier, um Punkte zu klauen."

Kurz vor der Pause durfte Völlen noch einmal hoffen. Javier Coelho, der rechte Stürmer, tänzelte drei Abwehrspieler aus, scheiterte aber wieder an Hagen. Der Keeper, kaum älter als ein Student im ersten Semester, hielt alles, was auf ihn zuflog - und manchmal auch das, was daneben ging.

Die zweite Halbzeit begann wie die erste: Völlen drückte, Bad Kleinen duckte sich. In der 61. Minute wieder Coelho, dann MacLachlan, dann Juanito Coelho - eine Coelho-Symphonie ohne Happy End. Und dann kam die 71. Minute.

Ein harmloser Angriff der Gäste, Detlev Renner schlenzt den Ball halbhoch in den Strafraum. Felix Mayer, 21, schnell wie der Wind und offenbar unbelastet von Ballast wie Nervosität, hält einfach den Fuß hin. Ping, Pfosten, Tor. 0:1. Ein kollektives Keuchen ging durchs Stadion, gefolgt von einem resignierten Seufzer.

"Ich hab den Pass gar nicht richtig gesehen, ehrlich", sagte Mayer später mit einem Grinsen, das zwischen Scham und Stolz schwankte. "Aber wenn der Ball will, dann will er."

Völlen warf danach alles nach vorn. Trainer Hees brachte Meireles für Coelho, später Granados und Beck. Doch statt frischem Schwung kam nur mehr Verzweiflung. In der 82. Minute sah Srdan Tadic Gelb, weil er nach einem verlorenen Zweikampf mit den Armen deutete, was er vom Schiedsrichter hielt. "Ich hab nur applaudiert", beteuerte er später mit einem Augenzwinkern.

Statistisch war’s ein Witz: 21 Torschüsse zu 5, 51 Prozent Ballbesitz, bessere Zweikampfquote - und null Punkte. Bad Kleinen dagegen verwandelte die einzige klare Chance in Gold. Trainer WC fasste es trocken zusammen: "Manchmal reicht ein Schuss. Heute war’s unserer."

Hees hingegen wirkte nach Abpfiff wie ein Mann, der gerade eine Gebrauchsanweisung verloren hat. "Wir haben alles richtig gemacht - außer das mit den Toren", meinte er und lachte bitter. "Vielleicht müssen wir das Training mal auf Dart umstellen. Da trifft man wenigstens was."

Während die Spieler von Bad Kleinen jubelnd vor ihrer kleinen Kurve tanzten, standen die Völlener Fans wie eingefroren. Bernardo Jemez hatte in der Nachspielzeit noch zwei Chancen, beide knapp vorbei. Der Ball rollte ins Aus, der Schlusspfiff kam - und irgendwo im Block 12 hörte man nur ein resigniertes "Natürlich."

So bleibt am Ende ein Spiel, das in den Statistiken wie ein Heimsieg aussieht, aber in der Tabelle wie eine Ohrfeige. Bad Kleinen nimmt drei Punkte mit, Völlen bleibt mit leeren Händen zurück - und der Fußball beweist einmal mehr, dass er kein Freund der Logik ist.

Vielleicht bringt die nächste Woche Erlösung. Oder wenigstens ein Tor. Bis dahin darf man in Völlen weiter üben, was Geduld heißt - und in Bad Kleinen weiter träumen, dass Effizienz tatsächlich eine Tugend ist.

08.12.643996 04:42
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Ja sicherlich waren die Irländer der erwartet starke Gegner.
Rudi Völler
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