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Völlens Flügelrausch: Eintracht bezwingt Ludwigshafen 3:2 in wildem Schlagabtausch

Es war einer dieser Abende, an denen selbst der Stadionsprecher kurz vor Schluss nicht mehr wusste, ob er jetzt die Nachspielzeit ankündigt oder schon eine neue Folge Drama: Bundesliga schreiben sollte. 46.776 Zuschauer im Völlener Stadion sahen am 25. Spieltag der 1. Liga Deutschland ein 3:2-Spektakel, das von Offensivmut, Fehlpässen und einer gelb-roten Kurzgeschichte handelte.

Eintracht Völlen, von Trainer Dennis Hees mit klarer Offensivansage ("Wir schießen lieber einmal zu viel als gar nicht") ins Rennen geschickt, legte los wie ein Flächenbrand. Schon in der 11. Minute zappelte der Ball im Netz: Rechtsverteidiger Ivan Bilic, sonst eher für rustikale Grätschen als für feine Künste bekannt, drosch den Ball nach Vorlage von Innenverteidiger Joao Meireles humorlos unter die Latte - 1:0. Bilic grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber manchmal ist der Himmel halt gnädig."

Doch Ludwigshafen, von Frank Seil taktisch klug auf Konter eingestellt, ließ sich nicht beeindrucken. Zehn Minuten später traf Oleg Smertin - ebenfalls Rechtsverteidiger - nach Vorarbeit von Constantin Nowak zum Ausgleich (21.). "Ich dachte, ich bin im falschen Film", brummte Völlen-Keeper Karsten Lange, "zwei Außenverteidiger-Tore in 20 Minuten - das gibt’s sonst nur bei FIFA auf ’leicht’."

Danach übernahm Ludwigshafen kurz die Regie. In der 39. Minute stocherte Cafer Kahraman den Ball nach feiner Flanke von Callum Bosworth über die Linie - 1:2. Auf der Völlener Bank flog kurzerhand eine Wasserflasche, Trainer Hees schimpfte in Richtung Himmel: "Wenn wir schon Flügelspiel üben, sollen die anderen nicht die Flügel benutzen!"

Aber die Eintracht antwortete prompt. Nur vier Minuten später zirkelte Joris Manser den Ball nach Pass von Zakhar Schitnik ins lange Eck - 2:2 (43.). Der Pausenpfiff kam, als sich beide Teams noch gegenseitig die Schuld an der wilden ersten Hälfte zuschoben.

Nach der Pause beruhigte sich das Spiel nur kurz. Beide Teams blieben offensiv - Völlen hatte am Ende 18 Torschüsse, Ludwigshafen 16. Die Hausherren hielten mit 54 Prozent Ballbesitz leicht die Oberhand. Es war ein Duell auf Augenhöhe, bei dem jeder zweite Angriff im Strafraum endete und jeder dritte Schiedsrichterpfiff von 40.000 Kehlen kommentiert wurde.

In der 62. Minute sah Völlens Abwehrchef Joao Meireles Gelb - und in der 77. Minute gleich noch einmal. Gelb-Rot, Abgang. "Ich hab nur laut geatmet", verteidigte er sich später mit einem Lächeln. Trainer Hees rollte mit den Augen: "Vielleicht sollte er das nächste Mal beim Yoga bleiben."

Doch dann kam die 72. Minute - und der Moment, der den Abend unsterblich machte: Zakhar Schitnik, der zentrale Taktgeber, zog nach Vorarbeit von Joris Manser aus 20 Metern ab, der Ball drehte sich wie ferngesteuert in den Winkel - 3:2. Stadion, Ausnahmezustand. Schitnik ließ sich fallen, die Ersatzbank stürmte den Rasen. "Ich wollte den Ball eigentlich querlegen", grinste der Torschütze, "aber dann hat er mich angebettelt, geschossen zu werden."

Ludwigshafen drückte danach mit allem, was nach vorne konnte. Hugo Ronaldo, der bullige Mittelstürmer, scheiterte gleich dreimal in der Schlussphase (85., 90., 93.) - einmal an Lange, einmal an der Latte, einmal an den eigenen Nerven. Trainer Seil wirkte nach Abpfiff erstaunlich gelassen: "Wir haben offensiv gespielt, Chancen gehabt, Emotionen gezeigt - das ist Fußball. Nur das Ergebnis nervt."

Derweil sprach Völlen-Kapitän Riccardo Marinelli vom "Sieg des Willens", während der Stadionsprecher noch minutenlang versuchte, den Namen Schitnik korrekt auszusprechen.

Statistisch betrachtet war’s ein offenes Ding: 18:16 Torschüsse, 54 zu 46 Prozent Ballbesitz, Zweikampfquote fast pari. Doch der Unterschied lag diesmal im Mut. Völlen spielte, als hätte es den Platz gepachtet, Ludwigshafen antwortete mit Herz - und beide lieferten den Fans ein Spiel, das am Montag in jeder Kneipe nacherzählt wird.

Zum Schluss hatte Dennis Hees noch einen Versöhnungsspruch parat: "Wir machen’s halt spannend, sonst kommt ja keiner mehr ins Stadion."

Und irgendwo im Hintergrund murmelte Ludwigshafens Oleg Smertin: "Vielleicht sollten wir unsere Außenverteidiger künftig vorne lassen - da trifft wenigstens jemand."

So endete ein Abend, der alle Erinnerungen an taktische Disziplin vergessen ließ - und stattdessen zeigte, warum Fußball manchmal einfach Theater mit besserer Beleuchtung ist.

25.03.644000 21:58
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