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Wangen wirbelt Jena durcheinander - Youngster Contreras sorgt für Jubelstürme

Der FC 1903 Wangen hat am Freitagabend vor 35.066 Zuschauern einen dieser Abende erlebt, von denen Trainer Ready Play später vermutlich sagen wird: "Da passte einfach fast alles - außer der Kaffee in der Halbzeit, der war kalt." Mit 3:1 (1:0) schickten die Allgäuer den Gast aus Jena wieder auf die lange Heimreise und kletterten damit in der 2. Liga Deutschland weiter nach oben.

Schon nach 60 Sekunden bebte das Stadion, als Pedro Goncalves seine persönliche Definition eines Blitzstarts präsentierte. Der 19-jährige Linksaußen nahm einen Pass von Amaury Gomes mit der Sohle mit, drehte sich wie auf einem Bierdeckel und drosch den Ball aus spitzem Winkel in die kurze Ecke - 1:0. "Ich dachte erst, der Schiri pfeift das ab, so schnell ging das", grinste Kapitän Pekka Kuqi später.

Jena wirkte in dieser Anfangsphase wie ein Team, das noch gedanklich im Mannschaftsbus saß. Erst nach einer Viertelstunde kamen sie besser ins Spiel, Hermann Zimmermann prüfte Wangens Torwart Kamil Radomski erstmals ernsthaft. Doch der Keeper, der kurz vor der Pause noch Gelb für Zeitspiel kassierte - pardon, das war eigentlich Innenverteidiger Niklas Korn, der sich zu sehr in ein Laufduell verbissen hatte -, hielt seinen Kasten bis zum Seitenwechsel sauber.

Die Halbzeitpause brachte bei Wangen gleich drei Wechsel - offenbar hatte Trainer Ready Play genug gesehen, oder wie er später süffisant bemerkte: "Manchmal muss man die Jugend einfach laufen lassen - und die Alten duschen schicken." So kam unter anderem der 20-jährige Bogdan Mischakow in die Innenverteidigung und sollte sich später noch als Vorlagengeber hervortun.

Jena begann die zweite Halbzeit mit mehr Mut, mehr Risiko - und wurde belohnt. In der 59. Minute kombinierten sich Jan Alex und Hermann Zimmermann sehenswert durch die Wangener Abwehr, letzterer schob kühl zum 1:1 ein. Trainer Martin Wegner sprang an der Seitenlinie so hoch, dass seine Kappe fast auf dem Spielfeld landete. "Endlich hat einer mal das Tor getroffen, nicht nur den Fangzaun", rief er lachend in Richtung seiner Bank.

Doch die Freude der Thüringer währte kurz. Nur zwölf Minuten später legte Wangen wieder vor. Nach einer Ecke landete der Ball bei Bogdan Mischakow, dessen Kopfball-Vorlage der 18-jährige Noe Contreras wuchtig ins Netz donnerte - 2:1. Der Teenager rannte jubelnd in Richtung Kurve, wo ihm die Fans schon ein improvisiertes Banner entgegenhielten: "Noe, unser Neuer!"

Ab da war Jenaf wieder im Panikmodus. Sie warfen alles nach vorn, wechselten dreifach (darunter den 18-jährigen Xabier Henriquez), spielten phasenweise mit vier Stürmern - und liefen prompt in einen Konter. In der 88. Minute war es wieder Contreras, der nach einem weiten Ball von Linksverteidiger Adryan Zonta auf und davon war, Keeper Jesus Smith austanzte und zum 3:1 einschob. Wenn es noch Zweifel am Sieger gegeben hatte, waren sie jetzt Geschichte.

"Noe ist ein Rohdiamant", schwärmte Trainer Ready Play nach dem Abpfiff. "Ich hoffe nur, dass uns der nicht nächste Woche schon weggekauft wird." Contreras selbst versuchte, die Euphorie kleinzureden: "Ich wollte eigentlich flanken, aber dann dachte ich, ach komm, probier’s einfach."

Statistisch gesehen war Wangen auch klar überlegen: 19 Torschüsse gegenüber 9 von Jena, 54 Prozent Ballbesitz und eine ordentliche Zweikampfquote. Die Hausherren spielten mit sichtbarer Spielfreude, kombinierten schnörkellos und ließen sich auch von der kurzen Schwächephase nach dem Ausgleich nicht beirren.

Jena dagegen zeigte, dass Leidenschaft allein keine Punkte bringt. "Wir wollten offensiv sein, aber am Ende waren wir vor allem offen - hinten nämlich", resümierte Wegner mit bitterem Lächeln. Immerhin: Der junge Zimmermann war mit seinem Treffer und mehreren gefährlichen Aktionen ein Lichtblick.

Als Schiedsrichterin Katrin Behrens nach 96 Minuten abpfiff, lag ein Hauch von Aufbruchsstimmung über dem Stadion. Die Fans sangen, die Spieler klatschten sich ab, und irgendwo auf der Tribüne soll ein älterer Herr gesagt haben: "So spielt kein Absteiger."

Ob er recht behält, wird die Saison zeigen. Aber eines steht fest: Wenn Wangen weiter so jugendlich ungestüm auftritt, wird man in dieser Liga noch öfter über sie schreiben müssen - und zwar nicht im Tabellenkeller.

Und Trainer Ready Play? Der grinste zum Abschied und meinte: "Ich hab meinen Jungs gesagt, dass sie heute Geschichte schreiben können. Gut, es ist vielleicht nur ein Kapitel, aber hey - jedes Buch fängt mit einer Seite an."

27.12.643993 19:25
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