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Es war ein kühler Samstagabend im Februar, doch die 25.837 Zuschauer in der Hänsch-Arena brauchten keine Glühweinwärmer, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Der SV Meppen empfing am 34. Spieltag der 2. Liga Deutschland den SV Warnemünde - und wer dachte, ein Tabellenmittelfeldduell würde ohne Drama auskommen, wurde eines Besseren belehrt. Am Ende siegten die Gäste aus dem Norden mit 2:1, und das in einer Partie, die so viele Wendungen hatte wie ein Tatort-Drehbuch. Von Beginn an machte Warnemünde klar, dass sie nicht nur zum Sightseeing in die Emslandschaft gereist waren. Trainer Horst Horstmann hatte seine Jungs auf "offensiv" eingestellt - und das sah man. Schon in der 10. Minute prüfte der junge Manfred Seifert Meppens Keeper Jürgen Pfeiffer mit einem satten Schuss, kurz darauf versuchte es Mark Noack aus der Distanz. "Wir wollten früh zeigen, dass wir hier nicht auf Unentschieden spielen", grinste Horstmann später. Meppen, von Coach Daniel Borgmann mit einer ausgewogenen Taktik ins Spiel geschickt, hielt dagegen - vor allem dank der unermüdlichen Laufarbeit des 17-jährigen Luis Bergmann, der sich im Zentrum anbot wie ein erfahrener Spielmacher. In der 16. Minute prüfte er Warnemündes Torwart Finn Bertram erstmals ernsthaft. Doch die Chancenverwertung der Hausherren blieb so ausbaufähig wie der Stadionparkplatz. Kurz vor der Pause dann der Dämpfer für die Gastgeber: In der 43. Minute traf Julian Ze Castro nach feinem Zuspiel des routinierten Abwehrmanns Raphael Wilke zum 0:1. "Ich hab’ gesehen, dass Jürgen (Pfeiffer) einen Schritt nach links macht - da musste ich’s einfach versuchen", erklärte der 22-Jährige später mit einem Lächeln, das wohl auch auf Instagram viele Likes bekommen dürfte. Mit dieser knappen Führung ging es in die Kabinen, wo Borgmann offenbar die Lautstärke-Regler etwas höher drehte. Denn nach der Pause kam Meppen mit Wut im Bauch zurück. Der Trainer setzte früh auf frische Beine: In der 57. Minute brachte er gleich drei Neue - unter anderem Yanik Beier, der sich als echter Joker erweisen sollte. Und tatsächlich, in der 72. Minute fiel der Ausgleich: Beier schob nach Vorarbeit des 18-jährigen Innenverteidigers Nils Schilling zum 1:1 ein. Das Stadion explodierte, und Borgmann riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Da dachte ich, jetzt kippt’s zu unseren Gunsten", seufzte er später. Aber Fußball wäre nicht Fußball, wenn er nicht binnen 60 Sekunden alles wieder auf den Kopf stellen könnte. Nur eine Minute nach dem Jubel schlug Warnemünde zurück - ausgerechnet durch Verteidiger Benjamin Gabriel, der nach einer Ecke von Jannick Ledig den Ball humorlos unter die Latte drosch. 1:2 - und plötzlich war es wieder mucksmäuschenstill im Emsland. "Ich hab’ einfach die Augen zugemacht und draufgehalten", gestand Gabriel lachend nach dem Spiel. "Manchmal hilft’s, wenn man nicht zu viel nachdenkt." Sein Trainer nickte zufrieden: "Das war der Moment, in dem man merkt, dass junge Spieler keine Angst haben." Meppen warf danach alles nach vorne, aber Warnemünde verteidigte clever - und gelegentlich mit der Gelben Karte, wie Raphael Wilke in der 67. Minute schmerzlich erfuhr. Die Hausherren kamen noch zu einigen Abschlüssen, doch weder Bergmann (71.) noch der eingewechselte Beier (72.) konnten den Ball noch einmal über die Linie drücken. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 52,7 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüsse für Warnemünde, 47,3 Prozent und 8 Abschlüsse für Meppen. "Wir müssen lernen, aus unseren Chancen mehr zu machen", sagte Borgmann mit verschränkten Armen. "Aber hey - wenigstens haben wir das Publikum wachgehalten." Horstmann dagegen war mit seiner Truppe vollauf zufrieden: "Wir wollten mutig sein, das sind wir geblieben. Und wenn du in Meppen gewinnst, dann darfst du im Bus ruhig mal das Mikro nehmen." Im Stadion verabschiedeten sich die Fans mit Applaus - für beide Teams. Und während die Flutlichtmasten über dem Emsland langsam erloschen, hörte man einen kleinen Jungen auf der Tribüne sagen: "Papa, der mit dem langen Namen hat das erste Tor gemacht, oder?" - "Ja, Ze Castro", antwortete der Vater. "Den Namen merk dir mal. Der kann was." Ein bisschen Pathos darf sein, denn an diesem Abend zeigte der SV Warnemünde, dass auch ein Außenseiter ein Spiel nicht nur gewinnen, sondern erobern kann - mit Mut, Tempo und einer gehörigen Portion norddeutschem Selbstbewusstsein. Und Meppen? Die werden sich fragen, wie man so viel investiert und doch mit leeren Händen dasteht. Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass es in dieser Liga keine langweiligen Spiele gibt. Schon gar nicht, wenn Warnemünde zu Gast ist. 25.04.643990 06:12 |
Sprücheklopfer
Ich hatte schon vorher das Gefühl, dass die Mannschaft noch nicht reif für die Bundesliga ist. Aber dass einige Spieler so weich in der Birne sind, hätte ich nicht gedacht.
Felix Magath nach einer 1:2-Niederlage der Frankfurter Eintracht beim Oberligisten KSV Klein-Karben