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Waterford Reds feiern verrückte Aufholjagd - 4:2 gegen FC Aves

Was für ein Abend in Waterford! 43.287 Zuschauer im ausverkauften Reds Stadium, eine erste Halbzeit zum Vergessen, eine zweite zum Niederknien - und am Ende steht ein 4:2-Sieg, der in die Vereinsgeschichte eingehen dürfte. Trainer Costa Brava grinste nach dem Schlusspfiff nur und meinte: "Ich habe den Jungs in der Pause gesagt, sie sollen Fußball spielen, nicht Schach." Offenbar hat’s geholfen.

Dabei begann alles wie ein schlechter Witz. Bereits in der 6. Minute traf Vladimir Valachovic für die Gäste aus Aves, nach feinem Zuspiel von Jorge da Costa. Die Waterford-Abwehr wirkte in dieser Szene, als habe sie sich gerade noch auf den Stadionplan konzentriert. "Wir waren alle noch im Warmwerden", rechtfertigte sich Innenverteidiger Paulo Jorge, der kurz darauf Gelb sah, weil er einen weiteren Angriff nur per rustikalem Griff stoppen konnte.

Und FC Aves ließ nicht locker. In der 33. Minute erhöhte Jorge da Costa selbst auf 0:2 - wieder sah die Hintermannschaft der Reds nicht gut aus. Heimtrainer Costa Brava raufte sich an der Seitenlinie die Haare, die ohnehin nicht mehr viele sind. "Ich dachte kurz, ich müsste mich selbst einwechseln", witzelte er später.

Mit einem 0:2-Rückstand ging es in die Kabine, begleitet von einem Pfeifkonzert der Fans, die offenbar schon an den Zapfhahn dachten. Doch was in dieser Pause geschah, bleibt wohl das Geheimnis des Teams. Vielleicht war’s eine flammende Rede, vielleicht nur eine besonders gute Portion Orangenstücke - jedenfalls kam Waterford wie verwandelt zurück.

In der 53. Minute zündete Vaclav Krejci den Turbo. Nach Vorlage von Salvatore Cattaneo drückte er den Ball zum 1:2 über die Linie. Ein Tor, das wie ein Weckruf wirkte. Plötzlich rannten die Reds, pressten, kombinierten - und FC Aves bekam Panik.

14 Minuten später fiel der Ausgleich: Juan Pablo Albinana, der ohnehin ein rastloser Dauerläufer war, zog von rechts nach innen und schlenzte den Ball ins lange Eck. "Ich habe gar nicht gezielt", lachte der Spanier später, "ich wollte eigentlich flanken." Wenn das so ist, sollte er öfter flanken.

Und kaum hatte der Stadionsprecher das 2:2 verkündet, stand es schon 3:2. Wieder Krejci, diesmal nach Vorarbeit von Albinana. Der Tscheche riss die Arme hoch, die Fans drehten durch, und Trainer Brava tanzte kurz an der Seitenlinie - etwas unbeholfen, aber mit großem Herzen.

FC Aves, das bis dahin 45 Prozent Ballbesitz und nur fünf Torschüsse verbuchte, wirkte konsterniert. Trainer Leo Ribeiro schrie sich heiser, stellte auf noch offensiver um, aber es half nichts. Die Reds hatten Blut geleckt.

In der 78. Minute machte Jamie Winston den Deckel drauf: Nach einer butterweichen Hereingabe von Hartmut Siebert drosch er den Ball zum 4:2 ins Netz. Das Stadion bebte, und Kapitän Henderson holte sich prompt Gelb, weil er beim Jubel das Werbeband erklommen hatte.

"Das war ein Spiel in zwei Akten", fasste Ribeiro später zusammen. "Im ersten sahen wir aus wie Champions, im zweiten wie Statisten." Costa Brava konterte charmant: "Das ist Fußball. Manchmal gewinnst du die erste Hälfte, manchmal das Spiel."

Statistisch war der Sieg verdient: 17 Torschüsse für Waterford, nur 5 für Aves, dazu 54 Prozent Ballbesitz und eine Tacklingquote von über 55 Prozent. Der Lohn: drei Punkte zum Auftakt der Conference-League-Gruppenrunde - und das Gefühl, dass in dieser Saison vielleicht mehr drin ist, als nur schöne Geschichten.

Kapitän Vaclav Krejci, Doppeltorschütze und Publikumsliebling, bekam beim Interview kaum Luft vor Freude. "In der Pause haben wir uns angeschaut und gesagt: Wir sind doch keine Touristen!", lachte er. "Dann sind wir raus und haben endlich angefangen, zu kämpfen."

Am Ende blieb nur das Raunen des Publikums und ein Gefühl zwischen Euphorie und Unglauben. Vom 0:2 zum 4:2 - eine wilde Achterbahnfahrt, die den Waterford Reds den perfekten Start bescherte.

Oder, wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions formulierte: "Ich wollte nach der ersten Halbzeit schon gehen. Zum Glück ist der Bierstand so langsam."

27.12.644002 18:07
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