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Weimar kämpft, Hordel trifft: Ein Abend der beinahe verpassten Chancen

Ein Montagabendspiel in Weimar, Flutlicht, 21.691 Zuschauer, und ein SC Weimar, der sich tapfer gegen das Schicksal stemmte - am Ende jedoch wieder einmal feststellen musste, dass Fußball kein Wunschkonzert ist. TuS Hordel entführte beim 1:2 (0:1) alle drei Punkte aus Thüringen, mit der kalten Effizienz einer Mannschaft, die genau weiß, wie man ein Spiel gewinnt, ohne es unbedingt dominieren zu müssen.

Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Gastgeber. Schon nach drei Minuten prüfte Yannik Reimann den Hordeler Keeper Jacob Montgomery mit einem satten Schuss aus spitzem Winkel. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", lachte Reimann später - wohl wissend, dass dieser Gedanke in Weimar seit Wochen regelmäßig zu früh kommt. Das frühe Weimarer Pressing verpuffte, und Hordel schien geradezu darauf gewartet zu haben.

In der 16. Minute dann der erste Stich: Vincent Albinana flankte butterweich von links, und Tim Pfeiffer, der Hordeler Mittelstürmer, köpfte so trocken ein, dass Weimars Torhüter Daniel Mohr nur hinterherschauen konnte. 0:1 - ausgerechnet in einer Phase, in der Weimar mehr Ballbesitz (am Ende 50,4 Prozent) und Spielkontrolle hatte. "Das war wie ein Schlag mit einem nassen Handtuch", meinte SC-Trainer Pino Zimmermann, halb lachend, halb verzweifelt.

Weimar antwortete - mit Schüssen, Chancen, und einer Gelben Karte für Björn Schöne (13.), der offenbar beschlossen hatte, wenigstens mal den Rasen umzugraben, wenn schon kein Tor fällt. Niclas Foerster zog aus 20 Metern ab (8.), Hermann Lutz prüfte den Keeper (32.) - doch der Ball wollte nicht.

Nach der Pause wurde es dann turbulent. Marcus Brand, der jüngste im Weimarer Mittelfeld, startete in der 58. Minute einen Lauf, wie man ihn sonst nur aus Videospielen kennt: Ballgewinn im Mittelfeld, Doppelpass mit Andre Endres, ein Haken - und der Schuss schlug links unten ein. 1:1! Das Stadion bebte, die Bratwurstdämpfe schwangen in Euphorie.

Doch kaum hatten sich die Fans wieder gesetzt, antwortete Hordel eiskalt. Nur zwei Minuten später traf Marvin Fink nach Vorarbeit von Curt Schöne zum 1:2. Zwei Schüsse, zwei Tore - Effizienz in Reinform. "Ich hab’ den Ball einfach voll getroffen", grinste Fink nach dem Spiel, "den Rest hat der liebe Fußballgott erledigt."

Weimar rannte an, wechselte dreifach: Michael Pan kam (60.) für Foerster, Luca Schneider ersetzte Lutz (63.), und Walter Schreiner durfte ran (67.). Doch so sehr sich die Gastgeber mühten, das Glück blieb auf der Autobahn Richtung Hordel stecken. Oliver Winkler scheiterte gleich dreimal (47., 52., 64.) an Montgomery, und Andre Endres drosch in der 88. Minute noch einmal verzweifelt über das Tor - sinnbildlich für einen Abend, an dem Einsatz nicht mit Punkten belohnt wurde.

Hordel dagegen spielte das Ergebnis abgezockt herunter, wenngleich nicht ohne Drama: Innenverteidiger Luke Kinsella musste in der 78. Minute verletzt raus, wurde durch Charlie Bradshaw ersetzt. "Ich hab’ ihn lieber rausgenommen, bevor er endgültig auseinanderfällt", sagte Gästecoach Ute Finkeldy trocken. Ihre Mannschaft blieb ihrer Linie treu - offensiv eingestellt, aber clever konternd, mit langen Bällen und dem nötigen Quäntchen Glück.

Am Ende standen die Zahlen auf Weimars Seite: 11:9 Torschüsse, 50 Prozent Ballbesitz, leicht bessere Zweikampfquote. Nur eben nicht auf der Anzeigetafel. "Wir spielen schönen Fußball, aber der Gegner spielt gewinnenden Fußball", fasste Zimmermann das Dilemma seines Teams zusammen.

Das Publikum verabschiedete die Mannschaft trotzdem mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Stolz. Und irgendwo in der Mixed Zone murmelte ein Fan in sein Bier: "Wenn’s dafür Punkte gäbe, wären wir längst Tabellenführer im Pech."

Ein Satz, der in Weimar wohl noch öfter fallen wird. Hordel hingegen reist mit einem Grinsen nach Hause: Drei Punkte, zwei Tore, null Schönheitspreis - aber das interessiert bekanntlich nur die, die verlieren.

12.06.643993 14:44
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Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.
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