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Ein lauer Sommerabend in Lodz, 20.000 Zuschauer im Stadion - und doch fror man zeitweise ein wenig. Nicht wegen der Temperaturen, sondern wegen der eiskalten Effizienz der Gäste aus Gdansk. BKS Gdansk gewann beim favorisierten Widsev Lodz mit 2:1 (2:0) und zeigte, dass Offensivfußball auch ohne Ballbesitzquote glänzen kann. Dabei hatte alles ganz harmlos angefangen. Schon in der ersten Minute prüfte Leon Carter den Gdansker Torhüter, Alexis Nübel, mit einem beherzten Schuss. "Ich wollte gleich zeigen, dass wir hier Chef im Ring sind", knurrte Carter später, wohlwissend, dass es bei dieser Ankündigung blieb. Widsev hatte über 52 Prozent Ballbesitz, mehr Torschüsse und trotzdem weniger Tore - die bittere Dreifaltigkeit des modernen Fußballs. Nach einer Viertelstunde nahm die Partie Fahrt auf. Marcel Bak, der bullige Rechtsaußen der Gäste, zog aus 18 Metern einfach mal ab - der Ball flog, als hätte er ein Navi im Winkel. 1:0 für Gdansk, 16. Minute. Torwart Michael Ross schaute dem Ball hinterher, als hätte er gerade eine seltene Himmelserscheinung beobachtet. "Ich dachte, der geht drüber", murmelte er später mit einem gequälten Grinsen. Widsev antwortete - mit Ballbesitz, Pässen und noch mehr Ballbesitz. Doch die Gäste aus Gdansk schienen das einstudiert zu haben: stehen, lauern, stechen. Und so kam es, wie es kommen musste. In der 36. Minute flankte Jacek Majewski von links butterweich in den Strafraum, wo ausgerechnet Linksverteidiger Lukas Hawrylewicz per Kopf zum 2:0 traf. Ja, Linksverteidiger! Selbst Trainer Mike Matt grinste nach dem Spiel: "Ich sag’s den Jungs immer - wer zuerst am Buffet ist, darf auch als Verteidiger mal treffen." Das Publikum in Lodz reagierte mit einem kollektiven Seufzen, das ungefähr so klang, als hätte jemand die Hoffnung mit einem nassen Handtuch erschlagen. Nach der Pause änderte sich das Bild kaum. Gdansk spielte kontrolliert, Lodz rannte an. Gabri Santoy, der flinke Linksaußen der Gastgeber, wirbelte, dribbelte, stolperte - und traf schließlich in der 61. Minute. Ein klassischer Santoy-Treffer: wuchtig, direkt, ohne Schnörkel. "Endlich fiel einer rein", sagte er später und fügte grinsend hinzu: "Leider nicht zwei." Was folgte, war ein Sturmlauf, der in den Geschichtsbüchern als "die Belagerung von Gdansk" stehen könnte - wenn er denn erfolgreich gewesen wäre. Santoy und Carter prüften Nübel mehrfach, Emil Musiala zog aus der zweiten Reihe ab, und selbst Linksverteidiger Mariusz Kajrys tauchte plötzlich im Strafraum auf, bevor er sich kurz darauf eine Gelbe Karte abholte. "Ich wollte nur den Ball", beteuerte er, während der Schiedsrichter bereits den Karton zückte. BKS Gdansk hingegen blieb brandgefährlich bei Kontern. Sebastian Mencel und Wladimir Burkhardt zwangen Ross zu Glanzparaden, und in der 91. Minute setzte Bak noch einen drauf - diesmal aber knapp vorbei. "Wir wollten eigentlich mehr pressen, aber irgendwie war das ’Nein’ im Taktikzettel zu verlockend", witzelte Gdansks Trainer Mike Matt nach dem Spiel in Anspielung auf die taktische Vorgabe "kein Pressing". Seine Mannschaft hatte mit 13 Torschüssen leicht die Nase vorn, obwohl Lodz mehr vom Spiel hatte. "Manchmal ist weniger Ball mehr Ballgefühl", grinste er. Widsev-Trainer, dessen Name in den Unterlagen unerwähnt blieb, stand nach dem Abpfiff sichtlich ratlos am Spielfeldrand. "Wir haben eigentlich alles richtig gemacht, außer vielleicht Tore schießen", sagte er trocken, bevor er in der Kabine verschwand. Die Fans von Lodz applaudierten trotzdem - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Respekt für den späten Kampfgeist. Und irgendwo auf der Tribüne rief ein älterer Herr: "Nächste Woche treffen sie dreimal!" - worauf sein Nachbar nur trocken entgegnete: "Ja, ins Außennetz." So bleibt unterm Strich ein Spiel, das zeigt, wie schön grausam Fußball sein kann. Gdansk war cleverer, wacher und einfach effizienter. Lodz hingegen spielte gefällig - und verlor. Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass Ballbesitz allein noch keine Punkte bringt. Oder, wie es Gabri Santoy später formulierte: "Manchmal ist der Ball einfach ein Verräter." Und das Publikum ging nach Hause - manche mit hängenden Köpfen, andere mit der Erkenntnis, dass man auch an einem lauen Sommerabend in Lodz ziemlich kalte Duschen erleben kann. 05.03.644003 08:31 |
Sprücheklopfer
Was? Wie? Ich? Moment mal. Ich ruf mal eben meinen Anwalt an und frag, ob ich das sagen darf.
Mario Basler auf die Frage eines Journalisten, ob er den Schiedsrichter einen 'Sack' genannt hat