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Selbst der Frühling hatte sich an diesem Freitagabend in Lodz auf ein Spektakel eingestellt. 29.494 Zuschauer im Stadion rieben sich die Augen, als Widsev Lodz und BKS Gdansk beim 23. Spieltag der 1. Liga Polen ein 2:2 lieferten, das mehr Drama, Tempo und Emotionen bot, als es der nüchterne Spielstand vermuten lässt. Schon nach acht Minuten bebte die Tribüne - allerdings auf der falschen Seite. BKS Gdansk legte los, als wolle man die Partie schon vor dem ersten Bierdeckel entscheiden: Dennis Nawalka, der flinke Linksaußen mit der Dynamik eines Sprinters, schob nach feinem Zuspiel von Wladimir Burkhardt überlegt ein. "Ich hab’s einfach instinktiv gemacht", grinste Nawalka später. "Wenn ich zu viel denke, schieße ich den Ball wahrscheinlich auf den Parkplatz." Doch Widsev wäre nicht Widsev, wenn sie nicht sofort zurückbeißen würden. Nur vier Minuten später stand der erst 18-jährige Krzysztof Majewski im Mittelpunkt. Nach einer butterweichen Flanke von Eflatun Akin nahm der Youngster den Ball volley - und traf ins rechte Eck. 1:1, und das Stadion explodierte. Trainer Mario Bonjek schrie seine Freude direkt in die Nacht: "Das ist Mut, das ist Herz! Der Junge hat’s einfach." Doch Gdansk blieb das aggressivere Team - und das nicht nur im Taktik-Sheet, wo "Aggressivity: STRONG" stand. In Minute 24 schlugen sie erneut zu: Wieder war es Nawalka, wieder nach Vorarbeit von Burkhardt. Der Doppelpack des 27-Jährigen war so präzise wie ein chirurgischer Eingriff. Die Gäste führten 2:1 zur Pause, und Trainer Mike Matt grinste in der Kabine: "Wir hätten auch 4:1 führen können, aber meine Stürmer mögen wohl Spannung." Dem war nicht zu widersprechen. 18 Torschüsse feuerten die Gäste insgesamt ab - mehr als doppelt so viele wie Widsev (7). Doch Ballbesitz (51,6 %) und Geduld sprachen für die Hausherren, die nach der Pause das Zepter übernahmen. Das Spiel wurde hektischer, hitziger, und Avraham Pines-Paz sah in der 49. Minute Gelb, weil er, nun ja, "den Ball etwas zu leidenschaftlich zurückgewinnen wollte", wie er später schmunzelnd zugab. Bonjek blieb gelassen, winkte seinem Team von der Seitenlinie zu - und brachte seine Männer dazu, wieder an sich zu glauben. Der Druck nahm zu, das Publikum roch den Ausgleich. Als in der 74. Minute der Ball nach einem Durcheinander im Strafraum vor die Füße von Mariusz Willimowski fiel, zögerte der 19-Jährige keine Sekunde. Sein Schuss aus 18 Metern schlug unhaltbar ein - 2:2! "Ich hab einfach draufgehalten. Vielleicht war’s Glück, aber das nehm’ ich!", grinste Willimowski später, während seine Teamkollegen ihn fast erdrückten. Ab da war es ein wildes Hin und Her. BKS Gdansk stürmte weiter, als hätte man vergessen, dass auch ein Punkt zählt. Nawalka prüfte Lodz-Keeper Kamil Tobollik gleich mehrfach, doch der 19-Jährige hielt, was zu halten war - und manchmal auch das, was eigentlich nicht zu halten war. "Ich hatte heute einfach große Handschuhe", witzelte er nach Abpfiff. Trainer Bonjek zeigte sich nachdenklich, aber zufrieden: "Wir haben gegen eine physisch starke und gefährlich schnelle Mannschaft Charakter gezeigt. Unsere Jungen wachsen an solchen Spielen." Sein Gegenüber Mike Matt sah das ähnlich, nur etwas salziger: "Zweimal führen und dann so ein Ding kassieren - das fühlt sich an wie kalter Kaffee. Aber wenigstens schmeckt er noch halbwegs." Statistisch blieb das Spiel ein kleines Paradox: Gdansk mit mehr Schüssen, mehr Biss, aber Lodz mit dem längeren Atem und der effizienteren Spielanlage. Die Zuschauer gingen jedenfalls nicht enttäuscht nach Hause - außer vielleicht jene, die in der 85. Minute schon Richtung Straßenbahn gingen und Willimowskis Tor verpassten. So trennen sich Widsev Lodz und BKS Gdansk also 2:2 (1:2) - ein Ergebnis, das keiner Mannschaft so richtig hilft, aber allen schmeichelt. Es war ein Abend, an dem die Jugend traf, die Alten schwitzten und die Statistik am Ende nur eine Fußnote blieb. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen trocken sagte: "Wenn die so weiterspielen, brauch ich bald Herztabletten - aber ich komm trotzdem wieder." Ein gerechtes, wildes Remis - und ein kleiner Beweis, dass Fußball manchmal einfach die bessere Abendunterhaltung ist als jede Netflix-Serie. 02.03.644000 19:05 |
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Vielleicht sollten wir mal einen saufen gehen und uns gegenseitig auf die Fresse hauen.
Mario Basler nach einer Niederlagenserie