Fréttablaðið
+++ Sportzeitung für Island +++

Wiltshire wirbelt - Akranes schießt sich zum 4:2-Sieg gegen Fjölnir Reykjavik

Wenn der Abendhimmel über Akranes in ein fahles Orange getaucht ist und der Wind vom Atlantik her das Stadion erzittern lässt, dann weiß man: Hier wird nicht nur Fußball gespielt, hier wird gearbeitet. Und wie! IA Akranes besiegte am Dienstagabend Fjölnir Reykjavik mit 4:2 - ein Ergebnis, das so torreich wie kurios war. 13.404 Zuschauer sahen ein Spiel, das mehr Wendungen hatte als ein Krimi von Jo Nesbø.

Schon in der 13. Minute begann das Spektakel: Connor Wiltshire, der Mann mit dem eingebauten Radar für gegnerische Strafräume, brachte Akranes nach Zuspiel von Innenverteidiger Abbas Scharanski in Führung. "Ich hab’ einfach gedacht, ich lauf mal los - und dann lag der Ball da, wo er hingehört", grinste Wiltshire später. Doch die Freude währte kurz. Nur eine Minute später glich Lewis Lamont für die Gäste aus. Der Mittelfeldmotor aus Reykjavik traf aus gut 20 Metern - ein Schuss wie ein nordischer Blitz.

Was dann folgte, war ein wilder Schlagabtausch. In der 15. Minute wieder Wiltshire, diesmal nach Vorlage von Thomas Le Tallec, der offenbar dachte, er sei heute Spielmacher. 2:1 für Akranes - und die Fans tobten. Doch Fjölnir ließ sich nicht beirren: In der 34. Minute traf erneut Lamont, diesmal nach feinem Pass von Noe Glowacki. Der Ausgleich war verdient, denn Reykjavik hatte zu diesem Zeitpunkt leicht mehr Ballbesitz (50,2 Prozent) und spielte unerschrocken nach vorne.

Aber Akranes wäre nicht Akranes, wenn sie nicht sofort zurückschlagen würden. Nur zwei Minuten später, in der 36., haute Jordi Simao den Ball nach erneuter Vorarbeit von Scharanski unter die Latte - 3:2! Trainer Benno Showmann sprang an der Seitenlinie wie ein Gummiball. "Ich hab’ den Jungs gesagt: Wenn ihr schon so wild spielt, dann wenigstens mit Stil", lachte der Trainer nach Abpfiff.

In der zweiten Halbzeit beruhigte sich das Spiel kaum. Akranes blieb offensiv, Fjölnir suchte den schnellen Konter. Doch dann kam wieder Wiltshire. 48. Minute, wieder ein Pass von Scharanski, wieder Tor. Hattrick! Und das, bevor Fjölnir überhaupt richtig aus der Kabine gekommen war. Der Engländer, 29 Jahre jung, war an diesem Abend schlicht nicht zu stoppen. "Vielleicht lag’s am neuen Haarschnitt", meinte er augenzwinkernd, "oder daran, dass mir der Wind diesmal in die richtige Richtung geweht hat."

Doch der Held des Abends wurde kurz darauf zum Sünder. In der 63. Minute sah Abbas Scharanski glatt Rot nach einem rüden Einsteigen - der zweite Akt seines Abends endete früher als geplant. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte er später mit einem Schulterzucken, während Trainer Showmann ihm ein "nächstes Mal bitte mit mehr Auge" hinterherrief.

Fjölnir nutzte die Überzahl nicht. Zwar kamen sie durch Wirtz (46.) und Lamont (82.) noch zu gefährlichen Abschlüssen, aber Torhüter Vincenzo Lattarico hielt, was zu halten war. "Der Ball hat mich getroffen, nicht umgekehrt", sagte der Keeper mit trockenem Humor.

Statistisch gesehen war Akranes das aktivere Team: 19 Torschüsse gegenüber 6 von Fjölnir, dazu eine Zweikampfquote von über 55 Prozent. Besonders auffällig: Trotz fast ausgeglichenem Ballbesitz spielte Akranes deutlich zielstrebiger - jeder Angriff roch nach Gefahr.

Fjölnir-Trainer Michael Wright war nach dem Spiel sichtlich bedient. "Wir haben zu naiv verteidigt. Wiltshire hatte zu viel Platz - und wenn man ihm den lässt, dann bedankt er sich eben dreimal." Trotz des Ergebnisses lobte er seine Mannschaft: "Zwei Tore auswärts, das ist in Ordnung. Aber gegen so ein Feuerwerk wie heute hilft manchmal nur ein Regenschirm."

In den letzten Minuten durfte Akranes dann den Ball laufen lassen, während das Publikum "Connor, Connor!" rief. Der Rest war Jubel, Schulterklopfen und ein bisschen Stolz auf die eigene Chuzpe.

"Wir wollten zeigen, dass wir Tore schießen können - vielleicht haben wir’s etwas übertrieben", sagte Showmann mit einem Grinsen, das verriet: Genau so hatte er sich das vorgestellt.

So bleibt festzuhalten: IA Akranes gewinnt ein packendes Spiel mit 4:2 (3:2), schreibt Tabellenpunkte und Fußballgeschichten, die man nicht vergisst. Und irgendwo in Akranes wird Connor Wiltshire heute Nacht wohl lächelnd einschlafen - mit dem Ball, der ihm diesen Hattrick beschert hat, auf dem Kopfkissen.

04.12.644002 14:12
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Meine Besonderheit ist, dass ich das Gleiche wie alle anderen Männer auch tue mit Frauen, nur 20 Minuten kürzer.
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