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+++ Sportzeitung für Wales +++

Wingmakers fliegen - Reds stolpern: Broughton zeigt Gresford die Grenzen auf

Broughton - Wenn 43.972 Zuschauer bei mildem Abendwind im Wingmakers-Stadion aufstehen, dann hat das meist einen Grund. Diesmal waren es gleich drei - und alle innerhalb der ersten 23 Minuten. Mit einem fulminanten 3:1 (3:0) gegen die Gresford Reds feierten die Broughton Wingmakers am 8. Spieltag der 1. Liga Wales einen Sieg, der ebenso klar wie verdient war - auch wenn die Statistik etwas anderes flüstert.

"Wir hatten weniger Ballbesitz, aber mehr Spaß", grinste Heimtrainer Tupac Shakur nach dem Abpfiff. Der Mann mit der Sonnenbrille auf der Trainerbank hatte Grund zur Freude: Sein Team zeigte in der ersten Halbzeit ein Offensivfeuerwerk, das den Gästen die Farbe aus dem Trikot zog.

Schon in der 10. Minute klingelte es das erste Mal. Cesc Quaresma, der flinke Flügelmann, nahm einen Steilpass von Arkadiusz Baluszynski auf, tanzte den verdutzten Verteidiger Willoughby aus und schob eiskalt ins lange Eck - 1:0. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Gästetorwart Lewis Ackland später. Leider irrte er.

Nur sieben Minuten später dasselbe Bild: Ricardo Marin, der linke Mittelfeldmotor, zog einfach mal ab - und wieder zappelte das Netz. Vorlagegeber diesmal: Raul Bernal, der auf der rechten Seite mehr Kilometer machte als ein Paketbote in der Vorweihnachtszeit.

Und als die Reds noch nach der passenden Antwort suchten, legte Marin in der 23. Minute erneut nach. Wieder kam die Vorbereitung über links von Baluszynski. 3:0 - und noch nicht einmal die Halbzeit in Sicht. "Da war das Spiel im Prinzip entschieden", bekannte Gresford-Coach Christian Sonten später ehrlich. "Wir haben den Start komplett verschlafen. Ich hätte am liebsten alle elf gleichzeitig ausgewechselt."

In der Pause war die Stimmung in der Gästekabine angeblich frostiger als die Klimaanlage im Mannschaftsbus. Sonten reagierte taktisch, stellte auf aggressiveres Pressing um - und siehe da: Nach Wiederanpfiff präsentierte sich Gresford wie ausgewechselt.

In der 47. Minute belohnte sich das Team: Nicolaas Winchel, der wendige Linksaußen, verwertete einen präzisen Pass von Ashton Fergusson zum 3:1. Der Anschlusstreffer brachte kurz so etwas wie Hoffnung ins Spiel, aber mehr auch nicht.

Denn während Gresford den Ballbesitz (53,6 %) sammelte wie Briefmarken, waren die Wingmakers schlicht effektiver. 16 Torschüsse gegenüber neun sprechen eine deutliche Sprache. Und auch wenn Broughton mit "nur" 46 % Ballbesitz auskam, wirkte jede Aktion gefährlicher.

"Das war kontrolliertes Chaos", lachte Shakur nach dem Spiel. "Wir wussten, dass sie viel Ballkontakt wollen - wir wollten Tore. Mission erfüllt."

Die Reds versuchten es mit langen Bällen, flankten und kämpften, aber immer wieder scheiterten sie an der robusten Innenverteidigung um Gerard Brinkerhoff und am sicheren Keeper Harrison Anderson. Als dann auch noch Rechtsverteidiger Riley Willoughby in der 79. Minute Gelb sah, war endgültig klar: Der Abend gehörte Broughton.

Ein paar Schrecksekunden gab es dennoch. In der 59. Minute sah Wingmakers-Verteidiger Mattias Kristinsson Gelb, nachdem er Winchel rustikal stoppte - "Ball gespielt!", rief er empört, während der Ball gut drei Meter entfernt lag. Trainer Shakur nahm es mit Humor: "Er wollte sicherstellen, dass der Rasen gleichmäßig abgenutzt wird."

In den Schlussminuten feierte das Publikum dann noch die Einwechslung der drei Jungspunde Buzajew, Duff und Nicksay, die jeweils in der 90. Minute ihr Debüt gaben. "Ich hab gezittert wie ein Chihuahua", gestand der 20-jährige Buzajew später. "Aber Coach Shakur sagte: ’Junge, geh raus und tu so, als wär’s Training.’ Ich glaube, das war das lauteste Training meines Lebens."

Die Wingmakers spielten den Sieg souverän über die Zeit, auch wenn Gresford in der Nachspielzeit noch zwei harmlose Abschlüsse verzeichnete. Der Schlusspfiff ging im Jubel unter - und während Shakur die Fäuste ballte, schlich Sonten wortlos vom Feld.

"Wir müssen das abhaken", sagte der Gresford-Coach später mit müdem Lächeln. "In der zweiten Halbzeit haben wir Moral gezeigt. Nur leider zählt die nicht auf der Anzeigetafel."

Ein Satz, den man sich bei den Wingmakers vermutlich einrahmen wird - gleich neben die Anzeigetafel, auf der noch immer das 3:1 prangt.

Am Ende bleibt ein Spiel, das in der ersten Hälfte entschieden und in der zweiten verwaltet wurde. Broughton bleibt oben dran, Gresford bleibt ratlos. Oder wie ein Fan beim Verlassen des Stadions lakonisch meinte: "Wenn du in 23 Minuten drei Tore kassierst, brauchst du keinen Wetterbericht - du weißt, dass’s stürmt."

Und tatsächlich: Über Broughton tobt ein Sturm - ein Sturm in Rot und Weiß, der derzeit kaum zu stoppen ist.

08.01.644003 12:50
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