Noticiero VeneVision
+++ Sportzeitung für Venezuela +++

Zamora rettet spät - Barros trifft und bewahrt die Ehre

Ein lauer Abend in Venezuela, 31. März 2026, 20 Uhr Ortszeit. 31.795 Zuschauer im Estadio de Zamora, die Hälfte mit Trommeln, die andere Hälfte mit Nerven aus Drahtseilen. Als Schiedsrichter Mercado das Spiel zwischen AD Zamora und Estella Roha anpfeift, ahnt noch niemand, dass es ein 1:1 werden würde - ein Ergebnis, das so gerecht wie unbefriedigend war.

Die erste Halbzeit war ein Lehrstück in gepflegter Mittelfeldneutralisierung. Beide Teams offensiv ausgerichtet, beide mit "voller Einsatzbereitschaft", wie die Taktikcharts verraten, aber die Zuschauer sahen eher gepflegtes Ballgeschiebe statt Feuerwerk. "Wir wollten sie müde spielen", erklärte Zamoras Trainer Markus Kühl nach der Partie. "Hat fast geklappt - nur dass wir selbst irgendwann eingeschlafen sind."

Estella Roha begann druckvoll, angetrieben von den flinken Flügelspielern Cesar Antunes und Fabio Antonio, die schon in der Anfangsphase mehrere Male Richtung Tor feuerten. Torhüter Ansgar Kraft bei Zamora musste früh zupacken, besonders in Minute 10, als Antunes aus spitzem Winkel abzog. Kraft fischte den Ball aus der Ecke und grinste anschließend in Richtung der Gästefans: "Nicht heute, Jungs."

Kurz vor der Pause wurde es ruppig. Lubos Baranek sah in der 39. Minute Gelb, nachdem er mehr den Gegner als den Ball getroffen hatte. "Er hat einfach zu laut geatmet", witzelte der Gefoulte später - die Szene passte zu einer ersten Hälfte, die Kampf statt Kunst bot.

Nach dem Seitenwechsel ging es dann Schlag auf Schlag - endlich. In der 51. Minute spielte Felix Sorglos (der Name war an diesem Abend Programm) einen feinen Pass in die Gasse, und John Clancy stand da, wo ein Stürmer stehen muss. Eiskalt schob er zum 0:1 für Estella Roha ein. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Clancy im Interview. "War ja auch mal Zeit, dass einer reingeht."

Zamora wirkte kurz geschockt, rannte dann aber unermüdlich an. Die Statistik zeigt es deutlich: zehn Torschüsse, etliche davon zwischen der 65. und 75. Minute. Kühl reagierte, brachte in der 66. Minute Philip Gorgon für Mateusz Kazmierczak - ein Wechsel, der zunächst niemanden elektrisierte, dann aber den linken Flügel stabilisierte.

Der Ausgleich fiel schließlich in der 74. Minute. Jürgen Kolb, bisher eher als unauffälliger Ballverteiler bekannt, schickte Ramon Barros mit einem Pass, der so präzise war, dass man beinahe den Zirkel hörte. Barros nahm den Ball volley - und der zischte unhaltbar ins rechte Eck. 1:1! Das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehauen", grinste Barros, "und gehofft, dass der Ball keine eigene Meinung hat."

Danach wurde es wild. Gelb für Lucas Hathaway (62.) hatte das Spiel schon gewarnt, und in der 90. Minute sah auch Christiano Couto noch Gelb, nachdem er einen gegnerischen Flügelspieler auf Höhe der Eckfahne fachgerecht umarmt hatte. Auf der anderen Seite kassierte Estellas David Pelayo (86.) ebenfalls den gelben Karton - ein kleiner Trost für die gereizten Heimfans.

Estella Roha blieb gefährlich. Clancy, der Torschütze, prüfte Kraft in der 81. und 92. Minute noch zweimal - doch der Keeper von Zamora war an diesem Abend der Fels in der Brandung. "Ich wollte meinen Fehler aus dem Training wieder gutmachen", sagte Kraft mit einem Augenzwinkern, "da hab ich letzte Woche einen Medizinball durchgelassen."

Die letzten Minuten waren ein offener Schlagabtausch, beide Teams spielten mit offenem Visier. Estella Roha behielt leicht mehr Ballbesitz (51 Prozent) und hatte mit 13 Torschüssen das aktivere Offensivspiel. Doch Zamora kämpfte sich mit Leidenschaft zurück, angefeuert von einem Publikum, das bei jedem Angriff die Trommeln lauter schlug, als hinge das Schicksal des Landes davon ab.

Nach 94 Minuten war Schluss. Beide Trainer gaben sich betont sachlich. "Ein gerechtes Ergebnis", meinte Estella-Coach Christian Jonack, "aber wir hätten das zweite Tor machen müssen." Kühl konterte trocken: "Wenn er das sagt, hat er wohl das gleiche Spiel gesehen wie ich - nur in anderen Farben."

So bleibt ein Remis, das keiner richtig wollte, aber beide verdient haben. Ein Spiel, in dem Taktik und Temperament sich umarmten - manchmal etwas zu innig. Und während die Fans von Zamora noch immer Barros’ Volley feiern, denkt man in Estella Roha wohl schon an die Revanche.

Wie sagte ein Zuschauer beim Hinausgehen süffisant: "Wenn jedes 1:1 so spannend wäre, würde ich mir sogar ein Unentschieden-Abo holen." Ein Gedanke, den man sich in Zamora vielleicht für die nächste Saison merken sollte.

03.05.643994 23:47
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