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Wenn 40.416 Zuschauer an einem lauen Aprilabend ins Stadion von Zemun Belgrad strömen, dann ahnt man: Es wird kein gemütlicher Spaziergang. Und tatsächlich - dieser 27. Spieltag der 1. Liga Serbien hatte alles, was einen ordentlichen Fußballkrimi ausmacht: frühe Rückstände, hitzige Duelle, einen Platzverweis und ein spätes Happy End - zumindest für die Gastgeber. Bereits in der 13. Minute riss Dorde Trkulja die Anhänger von FK Lazarevac von den Sitzen. Nach feinem Zuspiel von Dusan Durisic schob der flinke Rechtsaußen den Ball trocken ins Netz. 0:1. Zemun-Trainer Torsten Hoppe schlug die Hände über dem Kopf zusammen und brüllte etwas, das vermutlich nicht jugendfrei war. "Wir haben uns kurz gefühlt wie in einem schlechten Film", gab er später mit einem Grinsen zu. Doch Zemun Belgrad zeigte, warum man sie zu Hause nie abschreiben darf. Nur zwölf Minuten später schlug Marko Manojlovic zurück - nach Zuspiel von Mateja Divic wuchtete er das Leder aus spitzem Winkel unter die Latte. "Ich habe einfach draufgehauen", sagte Manojlovic nach dem Spiel, "wenn man zu lange nachdenkt, ist der Moment vorbei." Drei Minuten später drehte Nevio Pacos mit einem platzierten Fernschuss das Spiel komplett. 2:1, und der Lärmpegel im Stadion schoss durch die Decke. Die Partie blieb auch danach so wild wie ein serbischer Straßenmarkt kurz vor Feierabend. Lazarevac suchte die Lücke, fand aber meist nur die Beine der robusten Abwehr um den jungen Javier Moreno - der sich in der 69. Minute prompt eine Gelbe Karte abholte, nachdem er Goran Melunovic etwas zu leidenschaftlich vom Ball getrennt hatte. Kurz darauf kippte das Spiel endgültig zugunsten der Gastgeber: Lazarevacs Linksverteidiger Branko Mladenovic sah in der 67. Minute Rot nach einem rustikalen Einsteigen, das eher an Ringen als an Fußball erinnerte. Trainer Klaus Bock schüttelte fassungslos den Kopf. "Das war kein Foul, das war Kunst", schimpfte er ironisch und stapfte in seiner Coachingzone auf und ab. Trotz Unterzahl gaben sich die Gäste nicht auf. Und wer, wenn nicht der 17-jährige Melunovic, sollte sie wieder ins Spiel bringen? In der 79. Minute verwandelte der Youngster nach Vorlage von Karolos Sisinis eiskalt - 2:2. Für einen Moment schien es, als könne Lazarevac das Wunder schaffen. Der Teenager jubelte mit ausgestreckten Armen, während sein Trainer ihm zurief: "Du bist verrückt, aber auf die gute Art!" Doch Fußball kann grausam sein. In der Nachspielzeit, als alles schon nach einem Punkt aussah, schlug erneut Manojlovic zu. Nach Vorlage des flinken Owen Simpson drückte er den Ball in der 93. Minute über die Linie - 3:2! Das Stadion bebte, Hoppe stürmte die Seitenlinie entlang, und selbst der Stadionsprecher klang heiser. "Ich wusste, dass wir noch einen drin haben", keuchte Manojlovic später. "Vielleicht zwei, aber gut, der eine hat gereicht." Statistisch war das Duell fast ausgeglichen: 51,7 Prozent Ballbesitz für Zemun, 48,3 für Lazarevac, 15 zu 12 Torschüsse. Doch die entscheidenden Momente gehörten den Gastgebern. "Wir haben heute mit Herz gewonnen", bilanzierte Hoppe, der sichtlich stolz auf seine Mannschaft war. "Und mit ein bisschen Glück - aber das nehmen wir mit." Lazarevac-Coach Bock hingegen suchte Trost im Sarkasmus: "Wenn man in Unterzahl noch den Ausgleich macht und dann in der 93. verliert, kann man wenigstens sagen: Wir haben die Dramaturgie verstanden." Am Ende feierten die Fans von Zemun Belgrad ihr Team, als hätte es gerade den Titel geholt. Die Spieler tanzten im Mittelkreis, während die letzten Funken der Stadionbeleuchtung auf die nassen Rasenflecken fielen. Ein Spiel, das keiner so schnell vergessen wird - schon gar nicht Marko Manojlovic, der mit seinem Doppelpack zum Helden des Abends wurde. Oder den 17-jährigen Melunovic, der trotz Niederlage bewies, dass er ein Versprechen für die Zukunft ist. Vielleicht hat Torsten Hoppe es am besten zusammengefasst, als er kurz vor dem Verlassen des Rasens sagte: "Das war kein schönes Spiel - aber ein wunderschöner Sieg." Und schöner kann Fußball kaum sein. 26.11.643996 12:25 |
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