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Leverkusen taumelt, siegt aber trotzdem: 3:2 gegen wackere Eschborner

Es war ein lauer Sommerabend in der BayArena, 45.453 Zuschauer, Bier in der Hand, Vorfreude im Gesicht - und ehe der Stadionsprecher das Wort "Anstoß" zu Ende gebracht hatte, zappelte der Ball schon im Netz. Miroslav Ljuboja, der bullige Mittelstürmer des SVB Leverkusen, brauchte genau eine Minute, um den 1. FC Eschborn aus dem Konzept zu bringen. "Ich dachte, ich träume", grinste Leverkusens Trainer Meister Leverkusen nach dem Spiel. "Da war der erste Schweiß noch gar nicht getrocknet."

Nur drei Minuten später legte Emil Musiala nach - diesmal nach feinem Zuspiel von Alex Collantes. 2:0 nach vier Minuten, das roch nach einem Spaziergang. Der Eschborner Trainer Yas Sin raufte sich die Haare und soll seinen Verteidigern zugerufen haben: "Das ist keine Trainingseinheit, Jungs!" Doch es half wenig - Leverkusen spielte wie entfesselt, zumindest bis zur Halbzeit.

Die Statistik sprach Bände: 51 Prozent Ballbesitz, 11 Torschüsse, und das Gefühl, alles im Griff zu haben. Das Publikum wogte zwischen Begeisterung und entspannter Gewissheit, dass dieser Abend keine bösen Überraschungen bereithalten würde.

Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn nicht auch ein 2:0 nach vier Minuten noch spannend werden könnte. Nach dem Seitenwechsel schien Leverkusen zunächst alles klarzumachen: In der 49. Minute schlenzte Collantes den Ball, nach feinem Doppelpass mit Musiala, unhaltbar ins Eck - 3:0. "Da dachte ich ehrlich, das war’s", gab Eschborns Bernt Geier später zu. "Aber dann hat uns irgendwas gepackt. Vielleicht der Stolz, vielleicht der Zorn - wahrscheinlich beides."

Und tatsächlich: Eschborn, bis dato harmlos wie ein Streichelzoo, erwachte plötzlich zum Leben. Arnau Sa Pint, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, spielte in der 71. Minute einen butterweichen Pass auf Geier, der trocken zum 3:1 einschoss. Trainer Yas Sin ballte die Faust, während Meister Leverkusen am Spielfeldrand wild gestikulierte. "Ich wollte, dass sie wieder aufwachen. Stattdessen haben sie mich nur angeschaut, als hätte ich ihnen Mathe erklärt", knurrte der Leverkusener Coach später mit einem Augenzwinkern.

Eschborn drückte weiter. In der 86. Minute war es dann ausgerechnet ein Namensvetter des Leverkusener Torschützen, der für erneute Spannung sorgte: Emil Musiala, diesmal im Trikot der Gäste, traf nach Vorarbeit von Geier zum 3:2. Die letzten Minuten wurden zur Zitterpartie. Eschborn warf alles nach vorn - selbst Innenverteidiger Sa Pint tauchte plötzlich im Strafraum auf - und Leverkusen verteidigte mit dem Mut der Verzweiflung.

Als Schiedsrichterin Kathrin Noll endlich abpfiff, fiel bei den Gastgebern eine Mischung aus Erleichterung und Ratlosigkeit auf die Gesichter. 3:2, aber irgendwie fühlte es sich an wie eine knappe Niederlage gegen den eigenen Leichtsinn.

"Wir haben die ersten 45 Minuten dominiert und die zweiten 45 verschlafen", resümierte Leverkusens Kapitän John Hartshorn ehrlich. "Aber drei Punkte sind drei Punkte - und dafür kriegt keiner Punkte für Schönheit."

Eschborn hingegen konnte erhobenen Hauptes vom Platz gehen. "Wir haben Moral gezeigt, und das gegen ein Team, das eigentlich über uns steht", lobte Trainer Yas Sin seine Spieler. "Wenn wir so weiterkämpfen, holen wir bald mehr als nur Komplimente."

Statistisch gesehen war’s ein Duell auf Augenhöhe: 11:8 Torschüsse, 51 zu 49 Prozent Ballbesitz, eine Tacklingquote knapp über 52 Prozent für Leverkusen. Doch die nackten Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. Sie verschweigen Ljubojas jubelnden Sprint über den Rasen, Collantes’ breites Grinsen nach seinem Treffer, oder den Moment, als Eschborns Torwart Catalin Bükössy nach einer Glanzparade lachend in den Rasen biss.

Im Presseraum nach dem Spiel herrschte dann beinahe Kabarettstimmung. Ein Reporter fragte Trainer Leverkusen, ob er nach der 3:0-Führung schon an die Meisterschaft gedacht habe. "Ich denke nie an die Meisterschaft", antwortete der Coach trocken. "Ich denke an meinen Blutdruck."

So blieb ein Abend, der alles hatte: Tempo, Tore, Taktik - und ein bisschen Chaos. SVB Leverkusen siegt 3:2, Eschborn verliert mit Würde, und die Zuschauer gehen heim mit dem Gefühl, dass Fußball doch immer wieder für ein gutes Drama gut ist.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Früher war mehr Lametta - aber so ein 3:2 ist auch nicht schlecht."

22.06.2026 21:42
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Ich werde nicht akzeptieren, dass gesagt wird: Die Mannschaft ist ein Scheißhaufen. So einfach ist es nicht. Logisch sind wir ein Scheißhaufen. Aber das ist nicht der einzige Punkt.
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