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Lindner-Show in Rohrbach: Hansa Rostock erlebt einen bitteren Abend

Der SV Rohrbach bleibt die Mannschaft der Stunde. Mit einem furiosen 4:1 gegen Hansa Rostock feierte das Team von Trainer Maik Kuntz am 13. Spieltag der 1. Liga Deutschland einen weiteren Heimsieg - und das vor 41.481 begeisterten Zuschauern, die am Montagabend kaum wussten, ob sie ihren Augen oder der Stadionanzeige trauen sollten.

Held des Abends: Georg Lindner, der mit einem lupenreinen Dreierpack (39., 69., 87. Minute) zum Albtraum der Rostocker Abwehr wurde. "Ich wollte eigentlich schon in der 20. treffen, aber der Ball hatte wohl andere Pläne", grinste Lindner später, noch halb in Schweiß getränkt, halb in Euphorie gebadet.

Dabei fing alles so an, wie es bei Rohrbach oft anfängt: wild, stürmisch, mit der Eleganz eines Presslufthammers. Schon nach zwei Minuten prüfte Linksverteidiger Tom Berndt den Rostocker Keeper Marko Pivaljevic mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe. Danach rollte Angriff um Angriff auf das Gästetor - Johansson, Kremer, Hoffmann - alle durften mal. Nur das Netz wollte sich zunächst nicht bemühen.

Erst in der 39. Minute fiel der Bann: Edvard Ali, flink wie ein Wiesel über die linke Seite, flankte scharf in den Strafraum, wo Lindner sich zwischen zwei Verteidigern schob und eiskalt vollstreckte. 1:0! Der Jubel war ohrenbetäubend, das Bier floss, und Trainer Kuntz ballte an der Seitenlinie die Faust. "Das war einstudiert", behauptete er später mit einem verschmitzten Lächeln, "na ja, zumindest fast."

In der zweiten Halbzeit ging es weiter wie im Rausch. Kurz nach Wiederanpfiff (49.) revanchierte sich Ali bei seinem Vorlagengeber: Diesmal war er selbst der Torschütze, bedient von Carl Rodriguez, der mit einem butterweichen Pass die gesamte Rostocker Abwehr aushebelte. 2:0 - und das Stadion vibrierte.

Doch Rostock gab sich nicht sofort geschlagen. In der 55. Minute sorgte Linksverteidiger Benjamin Begin mit einem platzierten Schuss ins lange Eck für den Anschlusstreffer. Kurz flackerte Hoffnung auf, und Gästecoach Marko Maniurka gestikulierte wild: "Da war wieder Leben in der Bude!", sollte er später sagen. "Leider nur für fünf Minuten."

Denn Rohrbach blieb unbeeindruckt. Der Ballbesitz sprach zwar knapp für die Gäste (51,8 Prozent), aber die Qualität der Chancen lag eindeutig auf Seiten der Hausherren. 22 Torschüsse zu 4 - das sagt alles. Und so kam, was kommen musste: In der 69. Minute zimmerte Lindner nach feinem Zuspiel von Johansson den Ball unter die Latte, als wollte er das Tor mit ins Netz reißen. 3:1, und die Fans sangen schon vom Europapokal.

Hansa Rostock wirkte nun müde, fast resigniert. Die Abwehr wackelte, der Sturm blieb blass, und Torwart Pivaljevic hatte alle Hände voll zu tun. Der letzte Stich saß in der 87. Minute - wieder Lindner, wieder Johansson mit der Vorlage. Ein Doppel, so eingespielt, dass man meinen konnte, sie hätten sich telepathisch verabredet. 4:1, Deckel drauf.

Zwischendurch gab’s noch reichlich Farbe: Gelb für Noack (13.), Seifert (84.) und Behrendt (92.) auf Rohrbacher Seite - die Verteidiger hatten offenbar Lust, sich ins Notizbuch des Schiedsrichters einzutragen. Rostocks Brysgalow tat es ihnen in der 70. gleich. Trainer Kuntz kommentierte trocken: "Wenn du dreimal Gelb siehst und trotzdem 4:1 gewinnst, war’s wohl kein schlechter Abend."

Die Statistik untermauert das Bild: Rohrbach kämpferisch (Tacklingquote 56%), Hansa bemüht, aber zahnlos. Und das, obwohl die Gäste laut Taktiktafel "ausgewogen" agierten, während Rohrbachs Offensive konsequent in den roten Bereich drehte - aggressiv, konterstark, fast schon rücksichtslos.

Nach dem Abpfiff standen die Spieler des SVR Arm in Arm vor der Kurve, während Lindner mit dem Spielball unterm Arm lächelnd in die Kabine verschwand. "Er schläft heute wohl mit dem Ball", witzelte Edvard Ali, der selbst ein starkes Spiel zeigte.

Für Hansa Rostock bleibt die Erkenntnis eines bitteren Abends: Wer mit 4:1 verliert und nur viermal aufs Tor schießt, hat mehr Probleme als Pech. Maniurka fasste es nüchtern zusammen: "Wir waren nett, Rohrbach war gnadenlos."

Ein Fazit, das man unterschreiben kann. Rohrbach stürmt weiter nach oben - und wenn Georg Lindner seine Form hält, dürfte sich bald die halbe Liga fragen, wie man diesen Mann eigentlich stoppen soll.

Oder, wie ein Fan nach dem Spiel rief: "Nur der SVR - und Georg für den Ballon d’Or!"

Na ja, ein bisschen Größenwahn darf nach so einem Abend schon sein.

27.10.643999 14:49
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