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Nullnummer mit roter Würze - Hannover beißt sich in Eschborn die Zähne aus

Ein 0:0 kann langweilig sein. Muss es aber nicht. Der 1. FC Eschborn und Hannover bewiesen am Freitagabend vor 45.084 Zuschauern, dass man 90 Minuten lang alles geben und trotzdem keinen Treffer erzielen kann - und dass selbst eine Rote Karte nicht zwingend Würze, aber immerhin Farbe ins Spiel bringt.

Dabei starteten die Gäste aus Niedersachsen furios. Schon in der vierten Minute prüfte Nikolaj Grigorenko mit einem satten Linksschuss Eschborns Keeper Amaury Alvarez, der den Ball mit einem Reflex über die Latte lenkte. Es war der Auftakt zu einer wahren Ballbesitz-Orgie Hannovers (54 Prozent), die sich fortan zwar in Strafraumnähe breit machte, das Tor aber eher als philosophisches Konzept betrachtete. "Wir wollten den Ball kontrollieren", erklärte Hannovers Trainer Daniel Dietrich nach dem Spiel. "Leider haben wir ihn ein bisschen zu sehr kontrolliert - vor allem, was das Tor angeht."

Henrich Hlinka, der unermüdliche Linksaußen, probierte es gleich sechs Mal zwischen der 32. und der 71. Minute, doch immer war ein Bein, ein Pfosten oder Alvarez im Weg. "Ich dachte irgendwann, das Tor sei verflucht", grinste der Slowake nach Schlusspfiff. "Vielleicht hätte ich beim Warmmachen Weihwasser nehmen sollen."

Eschborns Coach Yas Sin stand währenddessen stoisch an der Seitenlinie, die Hände tief in den Manteltaschen, und schien mehr den Gedankengang "Wenn wir schon keinen Ball haben, dann wenigstens keine Fehler" zu verfolgen. Seine Elf lauerte auf Konter - eine Taktik, die so sehr auf Geduld setzte, dass sie in der ersten Stunde fast als Zen-Übung durchgegangen wäre. "Wir wussten, dass Hannover irgendwann nervös wird", sagte Sin hinterher. "Hat ja auch fast geklappt."

Fast - denn viel fehlte nicht. In der 85. Minute tauchte Nevio Dietrich, Eschborns Rechtsaußen, nach einem langen Ball plötzlich frei vor Hannovers Keeper Pauel Westerveldt auf. Der parierte glänzend, und Sekunden später drosch Noah Becker den Nachschuss in den Nachthimmel. "Ich hab den Satelliten gesehen und wollte ihn treffen", scherzte Becker später, während Sin ein gequältes Lächeln zeigte.

Die letzten Minuten boten dann Dramatik light. In der 82. Minute flog Hannovers Joker Viktor Breschnew nach einem übermotivierten Einsteigen vom Platz. "Er wollte zeigen, dass er da ist", kommentierte Dietrich trocken. "Das hat er geschafft." Mit zehn Mann verteidigten die Gäste das 0:0, während Eschborn plötzlich Mut fasste. Leandro Herrero zog in der 93. Minute ab, doch Westerveldt faustete den Ball weg, als wäre es eine lästige Fliege. In der 96. Minute dann die letzte Chance: Becker wieder frei, wieder drüber.

Statistisch war alles klar: 15 Torschüsse Hannover, 6 Eschborn. Mehr Ballbesitz, bessere Zweikampfquote (54 Prozent) und eine Latte an vergebenen Möglichkeiten. Doch am Ende stand eben diese Null. "Manchmal ist Fußball wie ein Roman ohne Ende", philosophierte Dietrich in der Pressekonferenz. "Man liest, hofft, blättert - und dann steht da einfach ’Fortsetzung folgt’."

Yas Sin konterte: "Wenn man gegen so ein Team zu null spielt, ist das für uns wie ein halber Sieg. Außerdem: Wer braucht schon Tore, wenn man Spannung haben kann?"

Die Fans sahen das offenbar ähnlich. Beim Abpfiff gab es Applaus - und erleichtertes Lachen. Ein älterer Herr auf der Tribüne brachte es auf den Punkt: "Ich hab schon schlechtere 0:0 gesehen. Aber auch schönere."

So blieb es beim torlosen Unentschieden, das beiden Teams irgendwie schmeichelte. Hannover wird sich über die verpasste Chance ärgern, Eschborn über den gewonnenen Punkt freuen - und alle anderen dürfen sich auf das nächste Kapitel dieses torarmen Fußballromans freuen.

Oder, wie Alvarez nach seinem dritten gehaltenen Hlinka-Schuss lachte: "Manchmal ist das Netz einfach Deko."

Ein 0:0 - aber eines mit Charakter. Und mit roter Farbe.

07.04.643987 20:13
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