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Es war kein lauer Sommerabend, es war ein Hordeler Feuerwerk. 53.100 Zuschauer, ein Pokalviertelfinale, das kaum begonnen hatte, da war es im Stadion schon zweimal eingeschlagen - und zwar im Tor der Hamburger. Zwei Treffer in nicht einmal zwei Minuten, beide von Ernst Kunkel, dem Mann, der an diesem Dienstagabend buchstäblich alles traf, was sich bewegte - außer vielleicht den Linienrichter, der später lachend meinte: "Ich hab mich lieber geduckt, sicher ist sicher." Das Spiel begann, wie man es aus Hordel kaum kennt: ohne Abtasten, ohne Zögern, dafür mit einem Angriffswirbel, der dem Gast aus Hamburg die Orientierung nahm. In der 6. Minute war es Detlev Foerster, der von rechts eine Flanke mit chirurgischer Präzision an den Fünfmeterraum brachte. Kunkel nahm Maß, drehte sich um die eigene Achse und drosch den Ball humorlos in den Winkel - 1:0. Noch ehe die Hamburger sich sortiert hatten, folgte der zweite Streich: Marwin Rodriguez setzte sich über rechts durch, legte quer, und wieder war Kunkel da. 2:0, Minute 7. Trainerin Ute Finkeldy sprang an der Seitenlinie in die Luft, als hätte sie selbst gerade den Ball versenkt. "Das waren genau die Laufwege, die wir wollten", grinste sie später, "auch wenn ich eher dachte, das kommt erst nach der Pause." Hamburgs Antwort? Eine Mischung aus Schockstarre und jugendlicher Unbekümmertheit. Trainer Bernd Happel hatte auf Konter gesetzt, auf schnelle Flügel und disziplinierte Defensive. Doch seine Elf - das Durchschnittsalter kaum über 20 - wirkte streckenweise wie eine U21-Mannschaft auf Klassenfahrt. Erst in der 30. Minute kam Gerhard Merz zu einem ersten echten Torschuss, und der landete so weit über dem Tor, dass ein Balljunge ihn mit den Worten "Den hol ich nicht mehr!" kommentierte. Statistisch gesehen war das Spiel eine klare Sache: 22 Torschüsse für Hordel, nur drei für die Gäste. Zwar hatte Hamburg mit 46 Prozent Ballbesitz durchaus Phasen, in denen die Kugel ordentlich lief, doch im letzten Drittel fehlte der Mut - und manchmal schlicht die Erfahrung. Happel blieb nach dem Spiel gefasst: "Unsere Jungs lernen. Heute haben sie gelernt, dass Pokalspiele nicht warten, bis man wach ist." Hordel dagegen spielte weiter, als wollte man die Hamburger in Einzelteile zerlegen. Pfeiffer prüfte Torhüter Tonel in der 36. Minute mit einem satten Schuss aus 20 Metern, Fjodor Koroljuk kämpfte sich in jeden Zweikampf, und Sascha Günther zog auf links unermüdlich Sprints, als hinge sein Gehalt davon ab. "Ich hab irgendwann gar nicht mehr auf die Uhr geguckt", grinste Günther. "Wenn du so ein Publikum im Rücken hast, willst du einfach weiterlaufen." Nach der Pause schaltete Hordel einen Gang zurück - man konnte es sich leisten. Die Offensivformation blieb offensiv, aber kontrollierter. Pfeiffer und Koroljuk vergaben weitere Chancen (49., 52., 59.), während Hamburg mit den Einwechslungen von Carl Miguel und Leandro Beto wenigstens etwas Frische brachte. Doch der Anschlusstreffer blieb aus, auch weil Hordels Torhüter Jacob Montgomery an diesem Abend alles hielt, was kam - und das war, zugegeben, nicht viel. In der 91. Minute dann noch ein Schreckmoment: Koroljuk blieb nach einem Zweikampf liegen, musste verletzt raus. Finkeldy reagierte sofort, brachte Fynn Huber. "Er hat sich am Oberschenkel gezwickt, nix Dramatisches", winkte sie später ab, "aber ich hab lieber gewechselt, bevor er mir auf Krücken jubelt." Die letzten Minuten waren Schaulaufen. Valente, Anders, sogar der eingewechselte Huber versuchten sich noch am dritten Treffer, doch das Aluminium hatte etwas gegen ein höheres Ergebnis. Nach dem Abpfiff feierten die Hordeler mit dem Publikum, das längst "Berlin, Berlin" sang - ein bisschen früh vielleicht, aber Optimismus gehört zum Fußball wie der Geruch von Bratwurst. "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur kämpfen, sondern auch Fußball spielen können", resümierte Doppeltorschütze Kunkel, bevor er mit Eisspray und Siegerbier in der Hand in der Kabine verschwand. "Zwei Tore in sieben Minuten - das passiert mir sonst nur auf der Playstation." Hamburgs Trainer Happel dagegen nahm es sportlich: "Wenn du mit 18-Jährigen gegen abgeklärte Routiniers spielst, dann wird’s halt lehrreich. Wir nehmen die Erfahrung mit - und vielleicht auch den Bus früher das nächste Mal." Fazit: TuS Hordel zieht nach einem dominanten 2:0 ins Pokal-Halbfinale ein - mit einer Mischung aus Wucht, Wille und Witz. Und wenn sie diesen Spirit behalten, könnte der Pokal in diesem Sommer tatsächlich ein wenig nach Bratwurst und Ruhrgebiet riechen. 24.06.2026 08:15 |
Sprücheklopfer
Ich habe noch in der 90. Minute ein Kopfball-Duell im eigenen Strafraum gewonnen. Und so ein Mann wird nicht zur WM mitgenommen.
Mario Basler