Anpfiff
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Acht Tore, ein Platzverweis und viele Fragezeichen

Wenn man in Bochum jemanden fragt, wie der Samstagabend lief, bekommt man vermutlich ein gequältes Lächeln und den Satz: "Sagen wir so - wir hätten auch einfach grillen können." Blau Weiß Bochum erlebte beim 0:8-Debakel gegen den TSV Hoffenheim einen jener Abende, die man später nur noch mit Galgenhumor erträgt.

4732 Zuschauer sahen im Regionalliga-B-Stadion ein Spiel, das eigentlich schon nach einer Viertelstunde entschieden war. Hoffenheim spielte Fußball, Bochum versuchte, ihn zu verhindern - und scheiterte an beidem. Schon in der 11. Minute klingelte es zum ersten Mal: Rechtsverteidiger Fabian Wilke hatte sich, man glaubt es kaum, aus dem Halbfeld nach vorne geschlichen und traf nach Vorarbeit von Liam Herrmann trocken zum 0:1. Trainer Dennis Simon klatschte an der Seitenlinie, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Nein, das war einfach einstudiert", grinste er nachher, "Fabian hat halt manchmal Langeweile hinten."

Bochum schien kurz geschockt, rappelte sich aber auf. Herold Blood prüfte Hoffenheims Keeper Tommaso Aiello in der 19. Minute, Valeri Kapustin schoss in der 26. - aber der Ball fand nie den Weg ins Netz. Stattdessen tat es auf der anderen Seite wieder weh: In der 39. Minute zog Jan Kozel aus gut 20 Metern ab, und der Ball rauschte wie an der Schnur gezogen ins Eck. 0:2 zur Pause, und das war noch schmeichelhaft.

"Wir wollten ja offensiv spielen", murmelte ein Bochumer Fan in der Halbzeit, "aber das hier ist eher Offenbarungseid." Tatsächlich hatte Trainer Müller - pardon, den Namen des Trainers kennen wir nicht, aber man sah ihm die Verzweiflung an - auf Offensive gesetzt. Doch während Hoffenheim mit 55 Prozent Ballbesitz und 22 Torschüssen glänzte, brachte Bochum es auf sieben harmlose Versuche und einen Platzverweis, der das Elend besiegelte: Linksverteidiger David Menendo sah nach wiederholtem Foulspiel in der 51. Minute Gelb-Rot.

Ab dann wurde es bitter. In der 59. Minute erhöhte Liam Herrmann auf 0:3, nach schöner Vorlage von Javier Beto. Vier Minuten später revanchierte sich Beto und traf selbst - 0:4. Publikum und Spieler waren gleichermaßen konsterniert. "Ich habe kurz gedacht, die Anzeige ist kaputt", sagte Bochums Torwart Christopher Lutz später. "Aber nein, das war schon echt."

Und Hoffenheim hatte noch nicht genug. Gunnar Herlovsen (67.) und Jan Kozel (68.) trafen im Doppelschlag - wer hier wem den Ball zuschob, weiß man gar nicht mehr so genau, die Bochumer Defensive hatte komplett den Überblick verloren. Der junge Norweger Herlovsen grinste in der Mixed Zone: "Ich dachte eigentlich, wir hätten schon sechs, aber dann meinte Jan, ich soll ruhig noch mal versuchen. Nett von ihm."

Dann kam die Stunde eines 20-jährigen Debütanten aus der Ukraine: Tikhon Beresuzki, frisch eingewechselt nach einer Verletzung von Markus Block, erzielte in der 72. und 74. Minute noch zwei blitzsaubere Treffer - eines nach Zuspiel von Lucas Delap, eines über links von Aslaug Dalgaard vorbereitet. 0:8. Das Publikum zählte inzwischen eher die Minuten als die Tore.

"So was tut weh", gab Bochums Kapitän Arne Richter offen zu. "Aber vielleicht hilft’s, damit wir alle mal wieder wissen, dass Fußball auch Demut bedeutet." Sein Trainer - der nach Spielende wortlos in die Kabine verschwand - ließ sich nur durch den Pressesprecher zitieren: "Kein Kommentar außer: Wir trainieren morgen doppelt."

Bei Hoffenheim hingegen war die Laune blendend. Trainer Dennis Simon strahlte: "Die Jungs haben heute Spaß gehabt. Manchmal läuft’s einfach wie von selbst. Und wenn der Gegner freundlicherweise Räume anbietet, dann nimmt man die natürlich."

Statistisch war das Spiel fast schon ein Lehrbuchbeispiel: Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote - Hoffenheim hatte in jeder Kategorie die Nase vorn. Dass sie dabei nie hektisch wirkten, lag auch an ihrer disziplinierten Taktik: "Wir haben gar nicht gepresst", verriet Simon, "wir wollten Bochum einfach kommen lassen. Na ja - sie sind dann halt gekommen. Und gegangen."

Als die Bochumer Fans nach Abpfiff pfiffen, klatschten einige Hoffenheimer Spieler entschuldigend in die Kurve. Ein Akt sportlicher Höflichkeit, den man in Bochum so schnell nicht vergessen wird.

"0:8 - das ist ein Ergebnis, das man zweimal hinschaut", sagte ein älterer Stadionsprecher mit trockenem Humor. "Aber gut, wir haben wenigstens den schönsten Rasen der Liga."

Vielleicht hat er recht. Am nächsten Wochenende wird das Gras wieder wachsen. Und hoffentlich auch das Selbstvertrauen von Blau Weiß Bochum. Bis dahin darf Hoffenheim den Abend genießen - und Bochum? Nun ja, die wissen jetzt zumindest, wie sich Demut buchstabiert: N-U-L-L zu A-C-H-T.

03.06.644000 09:27
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Wer am Samstag nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle, der kann ja am Sonntag noch laufen.
Werner Lorant
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