Anpfiff
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Alemannia Aachen dreht das Spiel - jung, wild und gnadenlos effizient

Wenn man 5083 Zuschauer an einem lauen Maiabend ins Tivoli locken will, braucht es entweder Freibier oder Spektakel. Alemannia Aachen entschied sich am 31. Mai 2026 für Letzteres - und wie! Nach einem 1:2-Halbzeitrückstand drehte das Team von Trainer Kölsche Alemanne in der zweiten Hälfte mächtig auf und schickte den VfB Speldorf mit 4:2 nach Hause. Es war ein Abend, an dem Jugend und Mut den Unterschied machten.

Von Beginn an zeigte sich Aachen offensiv eingestellt, wie es der Taktikzettel verriet: "Offensive Ausrichtung, aggressiv, jederzeit schussbereit" - und genau das setzten die schwarz-gelben Youngster um. Schon in der 16. Minute klingelte es: Der 19-jährige Bruno Ximenes traf nach Vorarbeit seines Sturmpartners Bohus Herman zur Führung. Der Jubel war kurz, die Freude flüchtig - denn Speldorf hatte ebenfalls keine Lust auf defensive Langeweile.

Innerhalb von zwei Minuten (38. und 39.) drehten die Gäste das Spiel: Erst traf Linksverteidiger Marnix Winchel nach einem Freistoß-Chaos, dann legte der 31-jährige Routinier Jesus Urban nach - zweimal kam die Vorlage von Rechtsaußen Jannick Heise. Aachen wackelte, ließ aber nicht fallen. "In der Kabine war’s laut", gab Trainer Alemanne später zu. "Ich habe den Jungs gesagt, dass sie entweder Geschichte schreiben oder sich die Wiederholungen im Fernsehen mit gesenktem Kopf ansehen."

Die Worte zeigten Wirkung. Nur zwölf Minuten nach Wiederanpfiff traf der auffällige Bohus Herman selbst - ausgerechnet nach Zuspiel des quirligen Iban Antonio. 2:2, und die Alemannia marschierte weiter. Man hatte den Eindruck, das Team würde jetzt auf einem anderen Motor laufen. Der Ballbesitz sprach immer noch leicht für Speldorf (50,8 Prozent), aber die Torschussbilanz (20 zu 10) erzählte die wahre Geschichte des Abends.

In der 67. Minute belohnte sich Bruno Ximenes erneut, diesmal nach einem flachen Pass von - na klar - Bohus Herman. 3:2, der Tivoli bebte. "Bohus hat einfach ein Radar für mich", grinste Ximenes nach dem Abpfiff. "Ich weiß nicht, ob er mich sieht oder nur riecht, aber der Ball landet immer irgendwie bei mir."

Spätestens als Daniel Washington in der 78. Minute mit einem satten Schuss aus 18 Metern das 4:2 markierte, war der Aachener Abend perfekt. Wieder hatte Iban Antonio die Vorarbeit geleistet - der junge Flügelspieler, erst 21, war an zwei Toren beteiligt und dürfte spätestens jetzt auf dem Notizzettel der größeren Klubs stehen.

Speldorf hingegen ging die Luft aus. Trainer Jakob Meier stand nach dem Spiel mit eingefrorenem Lächeln am Spielfeldrand. "Wir haben 45 Minuten lang gezeigt, was wir können", sagte er, "und danach 45 Minuten lang, was wir noch lernen müssen." Seine Mannschaft, taktisch solide und diszipliniert, fand in der zweiten Hälfte kaum mehr Wege durch Aachens Pressing und verlor zunehmend die Kontrolle über das Zentrum.

Aachen dagegen blieb bissig - manchmal zu sehr: Drei Gelbe für Assis, Bremer und Espinosa zeugten von hohem Einsatz. "Wir sind halt keine Ballettgruppe", kommentierte Alemanne trocken.

Im Publikum jubelte die Mischung aus Hoffnung und Nostalgie. Manch älterer Fan klopfte dem Nachbarn auf die Schulter und murmelte: "So haben wir früher auch gespielt - nur langsamer."

Statistisch war’s ein beinahe ausgeglichenes Spiel: Speldorf mit minimal mehr Ballbesitz, Aachen mit der besseren Zweikampfquote (54 Prozent) und deutlich mehr Zug zum Tor. Doch die nackten Zahlen erklären nicht die Energie, die über dem Tivoli lag. Es war der Abend der jungen Wilden - Ximenes, Herman, Antonio - die mit Tempo und Mut das Publikum verzauberten.

"Wenn du mit 19 Jahren so spielst, dann musst du aufpassen, dass du morgen überhaupt noch zur Schule gehst", witzelte ein Reporter in der Mixed Zone. Ximenes lachte: "Keine Sorge, ich hab morgen frei."

Am Ende verabschiedete sich der VfB Speldorf mit gesenkten Köpfen, während Aachens Fans die Mannschaft feierten, als hätte sie gerade den Aufstieg klargemacht. Vielleicht war dieses 4:2 ja tatsächlich mehr als nur drei Punkte - vielleicht der Beginn einer kleinen Euphorie.

Trainer Alemanne fasste es so zusammen: "Wir wollten zeigen, dass wir Leidenschaft können. Und wenn’s sein muss, auch ein bisschen Chaos."

Chaos, Leidenschaft, vier Tore - das reicht für einen Abend, der auf dem Tivoli noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.

03.09.644000 23:48
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