Anpfiff
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Alemannia Aachen lässt die Falken fliegen - 3:0-Sieg mit jugendlicher Leichtigkeit

Wenn man an einem lauen Frühlingsabend im April ins Aachener Tivoli-Stadion kommt, rechnet man nicht unbedingt mit jugendlicher Unbekümmertheit, die auf dem Rasen in pure Spielfreude umschlägt. Doch genau das bekamen die 3471 Zuschauer beim 3:0 (2:0) der Alemannia gegen Falke Fellbach zu sehen. Ein Spiel, das weniger an Regionalliga C erinnerte, sondern an ein Schaulaufen hungriger Talente, die beschlossen hatten, das Runde mit Stil ins Eckige zu befördern.

Trainer Kölsche Alemanne stand nach dem Schlusspfiff mit einem Grinsen neben der Linie, das irgendwo zwischen Stolz und mildem Erstaunen pendelte. "Ich sag’s mal so: Wenn du zwei 18-Jährige hast, die Fußball spielen, als wären sie schon Champions-League-reif, dann kannst du eigentlich nur die Hände heben und Danke sagen", lachte er.

Gemeint waren Anders Pederson und Juanito Antunes - die beiden jungen Wilden, die Fellbachs Defensive mehrmals aussehen ließen, als stünde sie auf Rollschuhen. Pederson traf gleich doppelt (21. und 36. Minute), jeweils nach klugen Zuspielen seiner Mitspieler Daniel Washington und - natürlich - Antunes selbst. Letzterer setzte in der 62. Minute den Schlusspunkt, als er einen flachen Querpass von Verteidiger Adam Donis mit der Eleganz eines erfahrenen Torjägers über die Linie drückte.

Fellbachs Trainer James Bond - ja, er heißt wirklich so - blieb da nur Galgenhumor: "Wir hatten leider weder Lizenz zum Schießen noch zum Treffen", sagte er mit einem trockenen Lächeln, das selbst Q nicht hätte aufhellen können. Seine Mannschaft kam zwar immerhin auf neun Torschüsse, doch keiner davon brachte den Aachener Keeper Juan Pablo Travassos ernsthaft ins Schwitzen.

Dabei begann das Spiel gar nicht so einseitig, wie das Ergebnis vermuten lässt. Schon in der fünften Minute prüfte Jurek Cyron, Fellbachs erfahrener Rechtsaußen, den Aachener Torwart mit einem satten Schuss. Doch danach schien Aachen das Kommando zu übernehmen - 17 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz, 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe: Zahlen, die das Geschehen bestens zusammenfassen.

"Wir wollten von Anfang an vorne draufgehen", erklärte Pederson nach dem Spiel, während er noch den Applaus der Fans genoss. "Kölsche meinte vor dem Anpfiff, wir sollen einfach Spaß haben. Also haben wir das halt gemacht." Spaß hatte auch das Publikum - besonders, als der 18-Jährige in der 36. Minute einen Querpass von Antunes volley ins lange Eck drosch. Der Ball zischte mit solcher Präzision, dass ein älterer Herr auf der Tribüne rief: "Dat war wie früher, als wir noch Flanke, Kopfball, Tor gespielt haben!"

Fellbach versuchte es mit spielerischer Vernunft, aber ohne Biss. Niclas Schwarz sah schon in der 9. Minute Gelb, Bjarni Henriksson in der 53. - und als ob das nicht reichte, holte sich auch Innenverteidiger Necmettin Köse kurz vor Schluss (85.) den obligatorischen Karton ab. "Das war kein böses Spiel", meinte Schiedsrichterin Lena Kraft nach Abpfiff, "aber Fellbach hat irgendwann mehr nach den Hosen des Gegners gegrätscht als nach dem Ball."

Aachen dagegen blieb trotz jugendlicher Energie erstaunlich kontrolliert. Taktisch offensiv eingestellt, aggressiv im Pressing und mit der klaren Devise "Schießen, wann immer’s geht" - so sah das Spielsystem von Alemanne aus, und es funktionierte glänzend.

In der 68. Minute allerdings hätte es nochmal spannend werden können: Fellbachs Verteidiger Louis Jansen, gerade mal 17 Jahre jung, stieg nach einer Ecke hoch, köpfte wuchtig - aber knapp vorbei. "Wenn der reingeht, haben wir vielleicht nochmal ein Lebenszeichen", meinte Bond später, "aber am Ende war Aachen einfach eine Klasse besser."

Als der Schlusspfiff ertönte, feierten die Aachener Spieler ausgelassen vor der Fankurve. Antunes tanzte, Pederson grinste, und sogar der sonst so nüchterne Donis hob die Faust in Richtung Tribüne. "Das war ein perfekter Abend", sagte Antunes in gebrochenem Deutsch, "wir haben gezeigt, dass jung auch stark sein kann."

Kölsche Alemanne nickte zufrieden und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Wenn die Jungs so weitermachen, muss ich bald Eintritt zahlen, um sie spielen zu sehen."

Falke Fellbach dagegen trat die Heimreise an - mit hängenden Köpfen, aber immerhin ohne Gegentor in den letzten 30 Minuten. James Bond versprach: "Wir kommen wieder. Vielleicht mit einem besseren Drehbuch."

Und so bleibt der Abend in Aachen in Erinnerung - als jener, an dem jugendlicher Übermut und taktische Disziplin eine seltene Liaison eingingen. 3:0, klare Sache, keine Spionage nötig.

Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions zusammenfasste: "Manchmal ist Fußball einfach schön. Vor allem, wenn man auf der richtigen Seite steht."

26.11.643996 10:50
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