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Alessandria zerlegt Albinoleffe - ein Fußballabend voller Ironie und jugendlicher Unbekümmertheit

Wenn ein 33-jähriger Stürmer und ein 17-jähriger Nachwuchsflitzer gemeinsam ein Feuerwerk abbrennen, dann hat das etwas von einer Generationen-Staffel - und genau das erlebten die 2523 Zuschauer im Stadio Moccagatta an diesem lauen Maiabend. Alessandria besiegte den AC Albinoleffe im Liga-Pokal (4. Liga Italien / 3. Div) mit 4:0, und ehrlich gesagt: es hätte schlimmer kommen können. Für die Gäste.

Es dauerte keine Viertelstunde, da klingelte es schon im Kasten der Bergamaschi. Riccardo Zumpano, der 33-jährige Dauerbrenner im rechten Sturm, traf - natürlich nach Vorlage des quirlig-unkonventionellen Federico Cariati. "Ich dachte, ich sei schon im Abseits, aber der Linienrichter hatte wohl Mitleid", grinste Zumpano später.

Nur sieben Minuten später legte Gerhard Richter nach. Nein, nicht der Maler, sondern Alessandrias linker Flügelmann. Nach einem feinen Zuspiel des 17-jährigen Bradley Harte schob er trocken ein. Und als Harte dann selbst in der 23. Minute traf, diesmal nach Vorarbeit von Emil Musiala (nein, nicht der Münchner, aber fast so elegant), rieb sich auch Trainer Bob Belcher verwundert die Augen: "Ich habe den Jungs gesagt, spielt einfach Fußball. Dass sie es so wörtlich nehmen, überrascht mich jedes Mal."

Zumpano machte in der 29. Minute das 4:0 - und damit den Deckel auf ein Spiel, das im Grunde nach einer halben Stunde entschieden war. Vier Tore in 15 Minuten: das war kein Fußballspiel, das war eine PowerPoint-Präsentation mit dem Titel "Wie man eine Abwehr auseinanderzieht".

Albinoleffe wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Team, das noch auf den Bus wartet. Trainer Emiliano Dicetutto gestikulierte wild an der Seitenlinie, rief Anweisungen, die irgendwo zwischen Verzweiflung und Gebet lagen. "Wir wollten offensiv spielen", sagte er später. "Aber irgendwann war klar: offensiv bedeutet bei uns nur, dass wir den Ball schneller verlieren."

Die Statistik spricht Bände: 17 Torschüsse Alessandrias gegenüber vier kümmerlichen Versuchen der Gäste. Ballbesitz? Ausgeglichen - 53,5 zu 46,5 Prozent. Doch wer die Partie sah, wusste: der Ballbesitz von Albinoleffe bestand hauptsächlich aus Rückpässen zum Torwart.

In der zweiten Halbzeit schonten die Hausherren ihre Kräfte, wechselten munter durch. Der 17-jährige Kian Rushton und sein gleichaltriger Kollege Miroslav Kezman kamen in der 57. Minute aufs Feld - und spielten, als würden sie gerade auf dem Schulhof die letzte Pause genießen. Kezman probierte es in der 85. Minute sogar per Dropkick aus 25 Metern, der Ball landete irgendwo in der Nähe der Würstchenbude. "Wenigstens habe ich gezielt", lachte er später.

Die Gäste versuchten es mit drei Wechseln, doch weder Michel Benayoun noch der junge Michael Yilmaz brachten Stabilität. Ganz im Gegenteil: Je länger das Spiel dauerte, desto mehr wirkte Albinoleffe wie eine Mannschaft, die auf die Erlösung durch den Schlusspfiff hofft.

Einziger Trost: Niemand flog vom Platz. Zwar sahen Edoardo Gasparini (10.) und Alessandrias Diego Palmieri (87.) sowie Federico Cariati (92.) Gelb, doch das änderte nichts an der einseitigen Geschichte dieses Abends.

Interessanterweise blieb Alessandrias Taktik trotz der frühen Führung erstaunlich stabil. "Wir wollten nicht zu defensiv werden", erklärte Trainer Belcher. "Wenn du anfängst, den Ball hin und her zu schieben, fangen die Jungs an, über das Abendessen zu reden." Also blieb man bei der aggressiven, ausgewogenen Spielweise - und Albinoleffe durfte weiterhin hinterherlaufen.

Die 2523 Zuschauer hatten jedenfalls ihren Spaß. Einer brüllte nach dem vierten Tor: "Gebt ihnen den Ball, sie tun mir leid!" - worauf ein anderer trocken antwortete: "Die wissen gar nicht, was sie damit anfangen sollen."

Zum Schluss fasste es Zumpano, der Held des Abends mit zwei Treffern, vielleicht am besten zusammen: "Manchmal läuft’s einfach. Heute war so ein Tag - und ehrlich gesagt, ich hätte noch ein drittes machen können. Aber ich wollte den Jungs auch noch was übrig lassen."

Fazit: Alessandria präsentierte sich als selbstbewusste, spielfreudige Truppe, in der jugendlicher Elan und routinierte Cleverness perfekt harmonierten. Albinoleffe dagegen muss sich fragen, ob "offensive Ausrichtung" wirklich eine gute Idee ist, wenn man nach 30 Minuten vier Gegentore kassiert.

Oder, um es mit Bob Belcher zu sagen: "Wir haben gut gespielt, keine Frage. Aber das Beste war, dass ich 90 Minuten lang keinen Grund hatte, laut zu werden - das ist mir in dieser Liga noch nie passiert."

Ein Abend, an dem Alessandria glänzte, Albinoleffe litt - und der Fußball, ja, der lachte sich ins Fäustchen.

21.11.644002 21:25
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Was soll ich mit den Spielern reden, ich bin doch kein Pfarrer.
Werner Lorant
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