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Es war ein lauer Maiabend im Ländle, an dem die 20.000 Zuschauer im Stadion Altach alles bekamen, was ein Pokal-Viertelfinale braucht: frühes Zittern, schnelle Wende, gelbe Karte, hitzige Trainer und zwei Tore, die man vermutlich noch beim Frühschoppen am Sonntag diskutieren wird. Der FC Altach setzte sich im Rückspiel des Liga-Pokals (2. Liga Österreich) mit 2:1 gegen den FC Pinzgau durch - und das trotz weniger Ballbesitz (47:53) und eines Gegners, der sich offensiv fast selbst überholte. Schon nach einer Viertelstunde dachten viele, das Spiel laufe in die falsche Richtung. Dieter Singer, Pinzgaus quirliger Mittelfeldmotor, zog aus gut 20 Metern ab, nachdem Riley Robertson ihm das Leder butterweich in den Lauf gespielt hatte. Der Ball zischte, Altachs Torhüter Janek Sidorczuk streckte sich - vergeblich. 0:1. Trainerin Maria Meier raufte sich die Haare und rief über den Platz: "Jungs, das war kein Sightseeing-Ticket fürs eigene Strafraumgebiet!" Doch Altach ist ein Team, das lieber nach Rückschlägen funktioniert - wie ein alter Diesel, der erst nach ein paar Fehlzündungen warm wird. Ab der 30. Minute übernahmen die Hausherren das Kommando, angeführt von Ansgar Carlsen, der auf der rechten Seite unermüdlich rackerte und den Ball öfter am Fuß hatte, als Pinzgaus Ersatzkeeper die Trinkflasche. In der 44. Minute kam dann der Ausgleich. Carlsen flankte flach von rechts, Thomas Geiger, gerade 19 und mit einer Abgeklärtheit, die mancher Routinier gerne hätte, schob eiskalt ein. "Ich hab nur gehofft, dass keiner pfeift, weil Carlsen so schief stand", grinste Geiger später. Kaum war der Jubel verhallt, legte Altach nach - und wie! Eine Minute später, kurz vor der Pause, setzte sich Andrew Jean-Pierre auf links durch, flankte in den Rückraum, und Domingo Herreros drosch das Leder unter die Latte. 2:1, Stadion-Explosion, Trainerin Meier streckte beide Fäuste in die Luft. "Das war pure Emotion", sagte sie nach dem Spiel. "Ich hab kurz überlegt, ob ich mich bei den Fans einreihe. Aber jemand musste ja noch die zweite Halbzeit coachen." Pinzgau, unter Trainer Andy Clock gewohnt offensiv unterwegs, rannte im zweiten Durchgang an - und lief sich immer wieder fest. Evan Pienaar hatte gleich drei gute Chancen (41., 78., 83.), doch Altachs neu eingewechselter Torwart Vaclav Fryda - der kurioserweise zur Pause kam, obwohl Sidorczuk gar nicht verletzt schien - hielt, als wollte er sich für den nächsten Vertrag empfehlen. Dazwischen gab’s noch eine gelbe Karte für Carlsen (51.), der zu einem rustikalen Zweikampf ansetzte. "Ich hab nur den Ball gesehen", verteidigte er sich später, "leider stand der Gegner dazwischen." Die letzten zehn Minuten wurden zum Nervenkrimi. Pinzgau drückte, Altach konterte - und zwar mit dem Mut der Verzweiflung. Die Statistik zeigte am Ende 11:8 Torschüsse für die Hausherren, was bei ihrer Spielweise ungefähr so überraschend kam wie ein Stau auf der Inntalautobahn. Ein kleines Kuriosum am Rande: Gleich drei Altacher wurden zur Halbzeit ausgewechselt - offenbar taktischer Natur, denn Trainerin Meier meinte trocken: "Wir wollten frische Beine und einen Torhüter, der keine kalten Hände mehr hat." Als der Schlusspfiff ertönte, fiel die Last sichtbar von den Altachern ab. Herreros sank auf die Knie, Geiger wurde von den Fans gefeiert, und Carlsen schüttelte lachend den Kopf: "Ich glaub, ich hab noch nie so viel gerannt. Mein GPS-Tracker hat aufgegeben." Pinzgaus Trainer Clock hingegen suchte nach Worten. "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle - aber das ist wie beim Tanzen: Wenn man den Takt verliert, stolpert man." So endet ein Pokalabend, der alles hatte: Tempo, Drama, Witz und ein bisschen Chaos. Altach steht im Halbfinale, Pinzgau fährt heim mit der Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Tore schießt. Und die Fans? Die fragen sich wohl, ob man Eintrittskarten auch für den Blutdruck beim Mitfiebern bekommt. Oder, wie es ein Zuschauer beim Rausgehen formulierte: "Wenn das die zweite Liga ist, will ich gar nicht wissen, wie aufregend die erste ist." 02.03.644000 15:07 |
Sprücheklopfer
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