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Aurich jubelt: SVG krönt sich mit 2:1 zum Pokalsieger

Manchmal reicht ein Hauch jugendlicher Unbekümmertheit, um Geschichte zu schreiben. Der SVG Aurich hat am Dienstagabend im mit 1911 Zuschauern gut gefüllten Stadion das Finale des Liga-Pokals (Verbandsliga D) mit 2:1 gegen Eintracht Northeim gewonnen - und das mit einer Mischung aus Mut, Spielfreude und einer Prise Chaos, die fast schon zum Markenzeichen dieser jungen Mannschaft geworden ist.

Von der ersten Minute an war klar: Hier will keiner auf Sicherheit spielen. Bereits in der dritten Minute prüfte Dylan Veesaert den gegnerischen Keeper mit einem satten Linksschuss - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Nur sechs Minuten später setzte sich der erst 19-jährige Mecit Caliskan auf der linken Seite gegen zwei Northeimer durch, legte quer, und der 18-jährige Robin Hoppe vollendete trocken zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt. Ich dachte, wenn ich drüberhaue, schimpft der Trainer eh - also lieber rein damit", grinste Hoppe nach dem Spiel.

Doch die Freude währte nur kurz. Northeims Angreifer Jay Burton, ein Spieler mit der Eleganz eines englischen Gentleman und der Entschlossenheit eines Presslufthammers, nutzte in der 28. Minute einen schnellen Konter nach Vorarbeit von Rafael Santoyo zum Ausgleich. "Wir waren zu weit aufgerückt. Das war so ein klassischer ’Das passiert uns nicht’-Moment - und dann passiert’s halt doch", fluchte Aurichs Innenverteidiger Lukas Riedel, der sich kurz darauf gelb abholte, als er den nächsten Konter unsanft stoppte.

Aurich wankte kurz, fiel aber nicht. Im Gegenteil: Noch vor der Pause schlug die Truppe zurück. In der 41. Minute packte David Vladyka, der rechte Flügelflitzer, seinen Turbo aus, zog diagonal in den Strafraum und traf nach Vorlage von Nesim Bekdik zum 2:1. "Ich hab ihn gar nicht richtig gesehen, aber Nesim hat einfach ein Gefühl für den Moment", lobte Vladyka seinen Kollegen.

Trainer Tim Picke von Eintracht Northeim reagierte in der Pause mit mahnenden Worten - zu hören war, dass er in der Kabine lautstark an die "eigene Ordnung" erinnerte. Doch die blieb auch in der zweiten Hälfte nur theoretisch bestehen. Aurich dominierte mit 54 Prozent Ballbesitz und unglaublichen 21 Torschüssen (Northeim kam auf 7). Immer wieder wirbelten Bekdik und Caliskan über die linke Seite, während Sascha Hesse auf rechts mehr Kilometer abspulte als so mancher Linienrichter in einer ganzen Saison.

In der 63. Minute hatte Bekdik das 3:1 auf dem Fuß, scheiterte aber am glänzend reagierenden Northeimer Keeper Justin Schultz. "Ich dachte, der geht rein - ehrlich, ich hab schon zum Jubeln angesetzt", gab Bekdik später zu. Kurz darauf wiederholte sich das Schauspiel: Aurich stürmte, Northeim verteidigte und hoffte auf den einen Lucky Punch, der nie kam.

Als Jay Burton in der 86. Minute noch einmal gefährlich auftauchte, hielt Aurichs Torwart Lars Fischer, 24 Jahre jung und erstaunlich nervenstark, mit einer Parade, die man wohl als "Finalmoment" bezeichnen darf. Fischer selbst blieb gewohnt trocken: "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass er mich trifft."

In den letzten Minuten spielten die Auricher clever die Zeit herunter - keine Spur von Nervosität, eher von jugendlicher Dreistigkeit. Als der Schlusspfiff ertönte, war der Jubel grenzenlos. Die Mannschaft fiel sich in die Arme, während Trainer - dessen Name die Statistik diesmal verschluckte - mit einem Grinsen sagte: "Wenn man so jung ist, hat man offenbar keine Angst, auch mal zu gewinnen."

Eintracht Northeim verabschiedete sich mit erhobenem Kopf. Trainer Tim Picke zeigte sich sportlich: "Aurich war heute einfach kaltschnäuziger. Wir haben viel investiert, aber am Ende fehlte der letzte Pass - und vielleicht auch ein bisschen Glück."

Das Finale des Liga-Pokals endete also mit einem jungen Team aus Ostfriesland, das Fußball wie auf dem Schulhof spielte - mutig, verspielt, aber immer mit Ziel. Die Statistik untermauert das: 54 Prozent Ballbesitz, 21 Abschlüsse, zwei Tore. Das nennt man Effizienz mit Stil.

Oder, wie es Stadionsprecher "Heinzi" nach dem Spiel ins Mikro rief: "Aurich hat heute gezeigt, dass man auch ohne graue Haare Pokale holen kann!"

Ein leicht sarkastisches Schlusswort sei erlaubt: Vielleicht sollte man den SVG Aurich künftig nicht mehr unterschätzen - und stattdessen gleich eine zusätzliche Kiste Sekt bereitstellen. Denn wer so spielt, wird wohl noch öfter Grund zum Feiern haben.

07.07.644000 21:48
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