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Es war einer dieser Abende, an denen 15.493 Zuschauer im Stadion am Wasserfall ahnten: Heute wird’s nichts für schwache Nerven. Der FV Bad Urach gewann sein erstes Gruppenspiel im Liga-Pokal der 2. Liga Deutschland gegen den TuS Hordel mit 2:1 (1:1) - dank eines späten Treffers von Hermann Nowak in der 84. Minute, der das Stadion in ein Tollhaus verwandelte. Dabei hatte das Spiel alles, was man an einem Freitagabend braucht: Tempo, Hektik, Gelbe Karten und einen Trainer Giuseppe Spera, der gefühlt jede Grashalmbewegung an der Seitenlinie kommentierte. "Ich hab’ den Jungs gesagt: Wenn ihr schon lange Bälle spielt, dann wenigstens mit Stil", grinste Spera nach dem Abpfiff - halb erleichtert, halb erschöpft. Doch der Reihe nach. Hordel startete, wie man es von einer Mannschaft mit Offensivdrang erwartet: aggressiv nach vorn, schnelle Konter, viel Risiko. Schon in der 5. Minute prüfte Marwin Rodriguez den Uracher Keeper Jegor Schepelew, der aber sicher zupackte. Kurz darauf scheiterte Tiago Valente gleich zweimal - der Portugiese schien einen Pakt mit dem Pfosten geschlossen zu haben. Dann die 20. Minute: Eduardo Pelegrin, Bad Urachs quirliger Flügelflitzer, fasste sich ein Herz und drosch das Leder aus halbrechter Position unhaltbar ins lange Eck - 1:0! "Ich wollte eigentlich flanken", gab Pelegrin später mit einem Augenzwinkern zu. "Aber wenn’s so reingeht, sag ich’s lieber keinem." Doch Hordel ließ sich nicht beirren. Zehn Minuten später war Fjodor Koroljuk zur Stelle. Nach schöner Vorlage von Tim Pfeiffer drückte der bullige Mittelstürmer den Ball aus kurzer Distanz über die Linie - 1:1. Trainerin Ute Finkeldy klatschte zufrieden, während Spera an der Seitenlinie die Luft anhielt. "Ich hab’ kurz überlegt, ob ich meine Abwehr austausche", witzelte er später, "aber wir hatten ja keine elf Ersatzspieler." Bis zur Pause blieb es beim Remis, auch weil beide Teams zwar mutig nach vorn spielten, aber in der entscheidenden Zone die Nerven flatterten. Insgesamt 27 Torschüsse (10:17 aus Sicht der Gastgeber) zeugen von einem offenen Schlagabtausch. Der Ballbesitz sprach mit 55 zu 45 Prozent leicht für Bad Urach, doch Hordel war das gefährlichere Team - zumindest bis zur Schlussphase. Nach dem Seitenwechsel bot sich das gleiche Bild: Hordel suchte weiter den schnellen Weg nach vorn, spielte lange Bälle, während Urach geduldig blieb. In der 65. Minute kassierte Günther Pfeiffer nach einem rustikalen Einsteigen die Gelbe Karte - "Ich wollte nur den Ball treffen, aber der Ball wollte nicht", erklärte er nach dem Spiel kleinlaut. Je länger die Partie dauerte, desto nervöser wurden die 15.000 Kehlen. Bad Urach drückte, Spera wechselte offensiv, und der Druck zahlte sich aus: In der 84. Minute kombinierte sich Marco Stark durch die Mitte, legte clever auf Hermann Nowak ab - und der 25-Jährige traf mit einem trockenen Schuss ins linke Eck. Jubel, Erleichterung, Bierdusche. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er drin war", erzählte Nowak lachend. "Ich hab nur Marco schreien hören: ’Er ist drin, er ist drin!’ - da hab ich einfach mitgejubelt." In den letzten Minuten warf Hordel noch einmal alles nach vorn, doch Schepelew hielt, was zu halten war. Als der Schlusspfiff ertönte, sank Spera auf die Knie, Finkeldy schüttelte den Kopf - und die Fans sangen sich heiser. Statistisch gesehen hätte Hordel mindestens ein Unentschieden verdient gehabt: 17 Schüsse, viele gute Szenen, aber keine Fortune im Abschluss. Bad Urach hingegen nutzte seine wenigen Chancen eiskalt - so, wie man es im Pokal eben tun muss. "Das war kein Schönheitspreis heute, aber drei Punkte sind schöner als jeder Pokal für Ästhetik", resümierte Spera. Ute Finkeldy blieb gefasst: "Wir haben viel investiert, aber wir müssen lernen, unsere Chancen zu nutzen. Und vielleicht das Timing beim Pressing etwas besser abstimmen - oder den Schiedsrichter bestechen, aber das darf man ja nicht sagen." Am Ende bleibt ein verdienter, wenn auch glücklicher Sieg für Bad Urach, der Lust auf mehr macht. Die Uracher Fans zogen zufrieden von dannen, während Hordel sich mit hängenden Köpfen verabschiedete - wohlwissend, dass an diesem Abend nur Kleinigkeiten den Unterschied machten. Und irgendwo in der Kabine summte Marco Stark leise vor sich hin, während Spera vom nächsten Gegner sprach. Vielleicht war’s ein Siegeslied - oder einfach nur das Summen eines Mannes, der weiß: Der Pokal hat seine ganz eigenen Gesetze. 24.04.643997 12:55 |
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Mario Basler