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Ein Flutlichtabend, wie ihn die Regionalliga B liebt: ehrlicher Kampf, zwei Teams mit offenem Visier und ein Spielverlauf, der selbst eingefleischten Statistikern das Rechnen erschwerte. Am 16. Spieltag setzte sich der FK Pirmasens in einem turbulenten Krimi mit 3:2 (2:2) gegen den BV Cloppenburg durch - dank eines Last-Minute-Treffers von Jungspund Noah Specht in der Nachspielzeit. "Ich hab’ einfach draufgehalten. Vielleicht war’s Glück, vielleicht war’s Schicksal - Hauptsache drin", grinste Specht nach Abpfiff, noch immer leicht ungläubig. Und tatsächlich: Der 22-Jährige, bis dahin eher auffällig durch unermüdliches Anlaufen, schoss in der 91. Minute die 3421 Zuschauer im Stadion Husterhöhe in kollektive Ekstase. Dabei hatte das Spiel schon früh Fahrt aufgenommen. Kaum waren die Zuschauer mit Wurst und Bier versorgt, da zappelte der Ball auch schon im Netz. In der 6. Minute zog David Bernier aus der zweiten Reihe ab - ein Schuss wie ein Strich - und FK Pirmasens führte. "Archie hat mir den Ball perfekt in den Lauf gelegt", erklärte Bernier später mit einem Zwinkern. "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Doch Cloppenburg antwortete postwendend. Sechs Minuten später hämmerte der erfahrene Timo Lang die Kugel nach Vorarbeit von Innenverteidiger Timo Wolf in die Maschen. 1:1 - und das Spiel war wieder offen. Lang, 34 Jahre alt, zeigte an diesem Abend, dass Routine manchmal mehr wert ist als jugendlicher Übermut. In der 19. Minute dann Déjà-vu für die Gäste: Wieder Bernier, wieder aus zentraler Position, diesmal nach Zuspiel von Alexander Satchmore - und wieder drin. 2:1 für Pirmasens! Die Blau-Weißen spielten nun befreit auf, kombinierten kurz und präzise, ganz nach dem Geschmack von Trainerin Gudrun Schweitzer. "Wir wollten mutig sein und das Zentrum überladen", erklärte sie später. "Dass David dann gleich doppelt trifft, war natürlich nicht im Drehbuch - aber ich beschwer mich nicht." Doch Cloppenburg wäre nicht Cloppenburg, wenn sie sich einfach ergeben hätten. In der 36. Minute schlug erneut Timo Lang zu, diesmal nach feinem Zuspiel von Meik Weise. Der Oldie unter den Stürmern nickte den Ball wuchtig ins Eck - 2:2, und die Halbzeit war noch nicht einmal erreicht. Die zweite Hälfte gehörte dann den Torhütern - und den Nerven. FK-Keeper Lucas Grantham parierte mehrfach glänzend gegen Lang und Weise, während auf der anderen Seite Tom Wegener einen Schuss nach dem anderen entschärfte. Insgesamt 15 Torschüsse für Pirmasens, 12 für Cloppenburg - die Statistik sprach für Offensivgeist auf beiden Seiten, aber auch für leicht strapazierte Abwehrreihen. Ab der 70. Minute kippte die Stimmung. Pirmasens drückte, Cloppenburg konterte - und auf der Trainerbank der Gastgeber wurden die Nägel kürzer. Als BV-Verteidiger Andre Schiller in der 83. Minute verletzt vom Platz musste und durch den jungen Elmo Bushnell ersetzt wurde, schien das Momentum endgültig auf Seiten der Pfälzer. "Wir haben dann nochmal auf volle Offensive gestellt", verriet Schweitzer. Und wie! Noah Specht hatte in der 88. Minute bereits eine Riesenchance vergeben. "Da wollte ich’s zu schön machen", gestand er. Doch er bekam seine zweite Chance - und nutzte sie eiskalt. In der 91. Minute tankte sich Rechtsverteidiger Ulf Eriksen über die Außenlinie, flankte halbhoch in den Strafraum, Specht nahm den Ball mit der Brust an und drosch ihn volley ins rechte Eck. 3:2 - und das Stadion bebte. Der Schlusspunkt war zugleich die Krönung eines Spiels, das keiner so schnell vergessen wird. Cloppenburgs Trainer - der Name blieb an diesem Abend ungenannt, vielleicht aus Selbstschutz - stapfte wortlos in die Kabine. Nur Lang stellte sich noch den Fragen: "Wir haben alles reingeworfen. Aber wenn du in der 91. so einen kassierst, dann weißt du: Der Fußballgott hat heute eine Pirmasenser Dauerkarte." Kurz darauf sah Eriksen noch Gelb, vermutlich aus Übermotivation nach seiner Vorlage, ehe er in der 94. Minute ausgewechselt wurde - unter tosendem Applaus. Schweitzer nahm ihn in den Arm, flüsterte ihm etwas zu. Was sie sagte? "Ich hab’ nur gemeint: Gute Flanke, jetzt geh duschen", lachte sie später. Pirmasens klettert mit diesem Sieg weiter nach oben, während Cloppenburg mit hängenden Köpfen gen Norden reist. Am Ende blieb das Gefühl, dass beide Mannschaften mehr verdient hätten - die eine den Sieg, die andere wenigstens ein Bier auf Mannschaftskosten. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions seufzte: "So was siehst du nicht mal in der Bundesliga." Und er hatte recht. Regionalliga - da, wo der Fußball noch Geschichten schreibt. 30.11.643999 23:35 |
Sprücheklopfer
Ein Lothar Matthäus spricht kein Französisch.
Lothar Matthäus