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Es war einer dieser Abende im Ruhrstadion, an denen man sich fragt, ob das Tor vielleicht heimlich zugezogen wurde. 4856 Zuschauer sahen am Freitag das seltene Kunststück, dass eine Mannschaft 18 Mal aufs Tor schießt und trotzdem keinen Treffer erzielt. Bochum dominierte, Frohnlach überlebte - und das mit einem 0:0, das sich für die Gäste anfühlte wie ein Lottogewinn. Von Beginn an machte Bochum Druck. Schon in der 9. Minute prüfte Fabian Wirtz den Frohnlacher Keeper Michael Latham mit einem strammen Linksschuss. Der hielt - und sollte an diesem Abend noch einiges halten. Thorsten Peter, der Bochumer Coach, stand an der Seitenlinie und gestikulierte wild: "So oft kann man das Ding nicht vorbeischießen!", schrie er in Minute 20, nachdem William McLeod den Ball aus drei Metern über die Latte jagte. Die Gäste aus Frohnlach hatten derweil eine Strategie: überleben. Ihr einziger Torschuss des gesamten Abends kam in der 6. Minute von Asier Hernan - ein harmloser Roller, der das Netz höchstens hinter dem Torwart touchierte. Danach war Defensive angesagt. Trainer Ben Hübner gestand später mit einem verschmitzten Lächeln: "Wir hatten heute 42 Prozent Ballbesitz - gefühlt waren es 4,2." Bochums Mittelfeld um die jungen Wilden Adam Ackland und Adam Reacock dominierte das Zentrum, kombinierte gefällig, nur das letzte bisschen Zielwasser fehlte. Ackland probierte es zwischen der 16. und 26. Minute gleich dreimal - jedes Mal knapp daneben oder auf den Torwart. "Ich dachte irgendwann, ich hab die falschen Schuhe an", grinste er später in der Mixed Zone, "vielleicht waren’s Golfschuhe." In der 33. Minute trat Eri Scholz, gerade mal 17 Jahre alt, mit einem satten Schuss aus 20 Metern an. Wieder Latham. "Der Typ hat heute eine magnetische Aura gehabt", murmelte ein Zuschauer auf der Tribüne, während er seine Bratwurst in Senf tunkte. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: Bochum rannte an, Frohnlach stand tief. Wirtz, McLeod, Foerster - eine Schussstatistik, die jedem Offensivtrainer Kopfschmerzen bereitet. 18:1 lautete das Endverhältnis der Torschüsse, 57 Prozent Ballbesitz für Bochum, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und trotzdem kein Tor. In der 55. Minute noch einmal Wirtz, in der 57. erneut McLeod - beide Male rettete Latham mit Glanzparaden, die in Frohnlach vermutlich noch in der Vereinschronik auftauchen werden. Hübner kommentierte trocken: "Ich wusste gar nicht, dass Michael so lange Arme hat." Thorsten Peter hingegen war nach dem Schlusspfiff sichtlich bedient. "Wenn du so spielst und nichts triffst, willst du am liebsten die Latte einsägen", knurrte er, bevor er dann doch ein Rest-Lächeln fand. "Aber hey, wenigstens hat keiner verloren." Der Schiedsrichter pfiff nach 90 Minuten ab, und während die Frohnlacher Spieler jubelten, als hätten sie gerade den Aufstieg klargemacht, standen die Bochumer ratlos auf dem Rasen. Der Ballbesitz war da, die Chancen waren da, nur das Glück hatte wohl Karten für ein anderes Spiel. Fabian Wirtz, der auffälligste Bochumer, fasste es zusammen: "Manchmal will der Ball einfach nicht rein. Heute war so ein Tag, da hättest du auch mit einer Kanone schießen können - der wäre trotzdem drübergegangen." Und so endete ein einseitiges Spiel mit einem Ergebnis, das keiner so richtig glauben wollte. Bochum bleibt zwar ungeschlagen, doch mit solchen Chancenverhältnissen fühlt sich dieses Remis fast wie eine Niederlage an. Frohnlach dagegen nimmt den Punkt mit einem breiten Grinsen mit nach Hause - und vermutlich auch mit ein paar blauen Flecken vom Dauerdruck. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Fußball ist manchmal grausam ehrlich. Wer das Tor nicht trifft, gewinnt nicht. Oder, wie ein sarkastischer Fan auf dem Weg zum Ausgang murmelte: "Vielleicht war das einfach ein Trainingsspiel für Latham - und Bochum wusste’s nur nicht." Ein torloser Abend, der trotzdem Geschichten schrieb - und eine Lektion hinterließ: Chancen sind wie Busse. Wenn man 18 verpasst, sollte man vielleicht einfach zu Fuß gehen. 08.01.644003 11:20 |
Sprücheklopfer
Ich werde nie Golf spielen. Erstens ist das für mich kein Sport, und zweitens habe ich noch regelmäßig Sex.
Mehmet Scholl