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Wer zu spät kam, verpasste das Spiel - und eigentlich auch schon das Tor. Ganze zwei Minuten dauerte es am Samstagabend, bis der VfB Speldorf in Bochum klarstellte, dass er keine Lust auf Geduld hatte. Giulio Mango de Aquino, der 32-jährige Routinier auf der rechten Außenbahn, zirkelte den Ball nach feiner Vorarbeit von Veljko Ristic humorlos ins Netz. 5264 Zuschauer im Bochumer Stadion rieben sich noch die Augen, da stand es schon 0:1. Und - wie sich später herausstellen sollte - sollte es dabei bleiben. "Ich hab nur kurz geblinzelt, da war der Ball schon drin", gestand Bochums Trainer Thorsten Peter nach dem Spiel mit einem bitteren Lächeln. "Der Kaffee war noch heiß, der Rückstand schon kalt." Danach entwickelte sich ein Spiel, das man wohlwollend als "zäh" bezeichnen könnte. Speldorf, taktisch ausgeglichen, ließ den Ball sicher laufen, während Bochum sich auf konterfreudige Flügelangriffe verlegte - ganz nach dem Lehrbuch: WINGS im System, aber leider ohne Schwingen. Vier Torschüsse insgesamt zeugen vom Bemühen, doch es blieb bei Bemühungen. Die Gäste hingegen feuerten aus allen Lagen. 16 Mal zielten sie auf das Tor von Florian Frei, der sich trotz der Niederlage als bester Bochumer präsentierte. Gleich mehrfach parierte der 19-Jährige spektakulär - unter anderem in der 60. Minute, als Celalettin Sancakli aus 25 Metern abzog und Frei mit vollem Körpereinsatz klärte. "Ich hab den einfach gesehen und gedacht: Den kriegst du nie. Dann hab ich ihn doch gekriegt", grinste Frei später, noch immer mit Rasen im Haar. Bochum kämpfte sich in der zweiten Halbzeit immerhin ein wenig zurück, kam durch Noah Klein (70.) und Alexander Chamberlain (71.) zu zwei Abschlüssen, die aber eher höfliche Rückgaben an Speldorfs Schlussmann Simone Altomonte blieben. Der 33-Jährige musste kaum schwitzen - und wenn, dann wohl nur wegen der Flutlichter. Kurz vor der Pause holte sich Bochums Rechtsverteidiger Ralph Albrecht noch eine Gelbe Karte ab, wohl aus Ärger über das ausbleibende Offensivglück. In der 58. Minute folgte Kollege Noah Klein mit derselben Farbe - die Bochumer sammelten damit immerhin etwas fürs Statistikbuch. Auf der Gegenseite sah Speldorfs Elias Max früh Gelb (22.), was seinen Trainer Jakob Meier jedoch kaltließ: "Elias hat heute so gespielt, wie ich ihn mag - mit Herz und Verstand. Und manchmal ein bisschen zu viel Herz." Nach dem frühen Schocktor wirkte Bochum verunsichert. Passquote und Ballbesitz (47,8 Prozent) blieben solide, aber die zündende Idee fehlte. "Wir wollten sicher nach vorne spielen", erklärte Thorsten Peter, "aber irgendwann war’s so sicher, dass keiner mehr nach vorne ging." Speldorf dagegen verwaltete das 1:0 mit bemerkenswerter Ruhe. Ihre taktische Linie - ausgewogen, kein Pressing, geduldiger Aufbau - machte den Unterschied. Besonders auffällig: Hermann Schenk, der zentrale Mittelfeldmotor, der im Minutentakt die Bälle verteilte und selbst zweimal gefährlich abschloss (41. und 62. Minute). Das Publikum reagierte mit einer Mischung aus Frust und Fassungslosigkeit. "Ich dachte, wir spielen erst ab der 30. Minute", rief ein Fan von der Tribüne, als Bochum endlich den ersten ernsthaften Angriff startete. Humor hilft, wenn Punkte fehlen. In den Schlussminuten drückten die Gastgeber noch einmal, aber Speldorf blieb cool. Jesus Urban (88.) setzte mit einem wuchtigen Schuss über das Tor den Schlusspunkt - fast symbolisch für den Abend: alles versucht, nichts mehr passiert. Am Ende stand ein 0:1, das nüchtern betrachtet verdient war. Speldorf hatte mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Kontrolle - und ein Tor. Bochum hatte den Ball zu selten im gegnerischen Strafraum und zu oft im eigenen Drittel. "Wir müssen lernen, dass Fußball nicht bei Minute 2 endet", resümierte Thorsten Peter mit einem Seufzer. Sein Gegenüber Jakob Meier sah’s gelassener: "Ein frühes Tor, ein langer Abend - ich nehme das gern wieder so." Man könnte also sagen: Wer zu Beginn des Spiels kurz aufs Handy schaute, hat alles Wichtige verpasst. Der Rest war Fleißarbeit, ein bisschen Verzweiflung und eine Prise Regionalliga-Realität. Speldorf jubelt, Bochum grübelt. Und irgendwo im Ruhrgebiet wird wohl gerade ein Trainingsplan umgeschrieben. Schlusswort? Vielleicht dieses: Manchmal reicht ein Tor - wenn man es früh genug macht. 25.03.644000 17:09 |
Sprücheklopfer
Meine Besonderheit ist, dass ich das Gleiche wie alle anderen Männer auch tue mit Frauen, nur 20 Minuten kürzer.
Mehmet Scholl