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Ein lauer Maiabend, Flutlicht über dem Ruhrstadion, 5266 Zuschauer, die sich zwischen Bratwurstduft und Bierbecher entscheiden müssen - und mittendrin ein Spiel, das mehr versprach, als es am Ende hielt. Bochum und der 1. FC Kleve trennten sich am 16. Spieltag der Regionalliga C mit 1:1. Ein Ergebnis, das beiden irgendwie schmeckt und doch niemanden so richtig satt macht. Die Gäste aus Kleve legten los, als hätten sie sich vorgenommen, die Statistikabteilung zu überfordern. Schon nach drei Minuten prüfte Tom Baer den jungen Bochumer Keeper Olaf Hoffmann - der reagierte blitzschnell und lenkte den Ball an die Latte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber er kam immer wieder zurück!", grinste Hoffmann nach dem Spiel. Dass er noch öfter geprüft werden würde, ahnte er da schon. Denn Kleve, mit Coach Wilfried Kuhse im gewohnt offensiven 4-3-3 unterwegs, drückte von Beginn an aufs Tempo. Leon Colquhoun und der erst 17-jährige Janis Schön wirbelten auf den Flügeln, als wäre das Stadion ihr privater Bolzplatz. In der 23. Minute belohnte sich das Team: Linksverteidiger Julian Feldmann flankte punktgenau, und Michael Zander vollendete trocken ins rechte Eck - 0:1. "Einfach draufgehalten", sagte Zander später lakonisch. "So trainieren wir das - meistens jedenfalls." Bochum brauchte einen Moment, um sich von der Klever Angriffslust zu erholen. Doch Trainer Thorsten Peter blieb gelassen. "Wir wollten sie erst mal kommen lassen", erklärte er mit einem Augenzwinkern, "so wussten wir wenigstens, wo der Ball ist." Und tatsächlich: Kurz vor der Pause kam das Heimteam zurück. In der 42. Minute schnappte sich der quirlige Liam Davonport den Ball auf links, zog an zwei Gegenspielern vorbei und traf aus spitzem Winkel - 1:1! Vorlagegeber Benjamin Kavanagh, gerade einmal 18 Jahre alt, jubelte mit ausgestrecktem Zeigefinger Richtung Haupttribüne, als wolle er sagen: "Ich hab’s doch gesagt!" Nach der Pause wurde es rauer. Kleve blieb die aktivere Mannschaft - ganze 20 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache gegenüber Bochs sieben Versuchen. Doch die Genauigkeit ließ zu wünschen übrig. Baer, der unermüdlich rackerte, scheiterte gleich mehrfach an Hoffmann oder an der eigenen Streuung. "Wenn der Ball nicht will, will er nicht", brummte Trainer Kuhse später. Bochum dagegen verteidigte mit Leidenschaft und einem gewissen Hang zum Chaos. Zentralmann Timm Mayer, zunächst unauffällig, sammelte Gelb in der 77. Minute und verabschiedete sich elf Minuten später mit Gelb-Rot. "Ich hab ihn kaum berührt", beteuerte Mayer nach Abpfiff, während der Schiedsrichter schon die Kabine suchte. Teamkollege Benjamin Kavanagh sah in der Nachspielzeit ebenfalls Gelb - wohl aus Solidarität. Kleve drückte in Überzahl noch einmal, brachte Schmitz, Meissner und Baer in Abschlusspositionen, aber das Bochumer Bollwerk hielt. Die Abwehr um Jörg Beier und Ronald Geissler kämpfte, als ginge es um das Überleben der Nachbarschaft. "Wir haben heute mehr geblockt als Netflix", witzelte Geissler nach dem Spiel - und hatte damit nicht unrecht. Statistisch gesehen hätte Kleve den Sieg verdient: mehr Ballbesitz (53 Prozent), bessere Zweikampfquote (55 Prozent) und ein Chancenverhältnis von fast drei zu eins. Aber Fußball wäre kein Fußball, wenn Zahlen über Herz gingen. Bochum rettete das Remis mit Leidenschaft und einem Torhüter, der sich in die Notizbücher der Fans spielte. Nach dem Abpfiff wirkten beide Trainer erstaunlich zufrieden. Thorsten Peter meinte: "Ein Punkt ist besser als keiner - und mit zehn Mann sowieso ein kleiner Sieg." Kuhse konterte mit trockenem Humor: "Wir hatten Chancen für drei Spiele, aber vielleicht sparen wir sie uns fürs nächste auf." Die 5266 Zuschauer gingen zufrieden nach Hause - die einen, weil ihr Team trotz Unterzahl nicht verlor, die anderen, weil sie ein Spiel gesehen hatten, das zumindest in Sachen Dramatik Regionalliga pur war. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Herr mit Schal und Bier in der Hand: "So spielt man 1:1 - mit Stil." Fazit: Ein Abend, der zeigte, dass Fußball manchmal einfach gerecht ist - oder wenigstens gerecht genug, um beide Teams in der Tabelle nicht ins Grübeln zu bringen. Und wer weiß: Vielleicht trifft man sich ja bald wieder, mit besseren Schuhen, weniger Karten und genauso viel Herzblut. Bis dahin bleibt der Satz des Tages von Keeper Hoffmann: "Wenn du 20 Schüsse abkriegst und nur einer drin ist, hast du wohl deinen Job gemacht." 01.12.643999 07:16 |
Sprücheklopfer
Ich dachte, der Torwart darf im Strafraum die Hände benutzen.
Oliver Kahn nachdem er in Rostock mit beiden Fäusten ein Tor erzielt hatte und dafür vom Platz gestellt worden war