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Ein lauer Frühsommerabend, 4025 Zuschauer im Düsseldorfer Stadtstadion, die Bratwürste dampften, das Bier perlte - nur der Fußball, der wollte aus Sicht der TuS Düsseldorf einfach nicht perlen. Am Ende stand ein ernüchterndes 0:3 gegen Borussia Emsdetten auf der Anzeigetafel. "Ich hatte nach 60 Minuten das Gefühl, wir könnten auch bis Mitternacht spielen und würden keinen Treffer erzielen", seufzte TuS-Trainer Jonte Stricker hinterher. Dabei begann alles gar nicht so trostlos. Düsseldorf stand kompakt, Emsdetten suchte über den quirligen Vicente Jorge immer wieder den Weg nach vorne, fand aber zunächst in Keeper Dario Erceg seinen Meister. Drei harmlose Düsseldorfer Torschüsse reichten immerhin, um im Statistikbogen aufzutauchen - allerdings nicht, um Gästetorwart Humberto Pauleta (der Name verpflichtet!) ins Schwitzen zu bringen. Die Partie kippte in der 47. Minute. Michael Kurz, Innenverteidiger mit rustikaler Ader, hatte bereits Gelb gesehen - und packte dann zu beherzt zu. Gelb-Rot, raus, und TuS Düsseldorf spielte fortan zu zehnt. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", verteidigte sich Kurz später mit einem bitteren Grinsen. Trainer Stricker kommentierte trocken: "Das hat er eindrucksvoll geschafft." Mit einem Mann mehr witterte Emsdetten Morgenluft. Schon in der 52. Minute klingelte es: Vicente Jorge, bis dahin eher als emsiger Dauerläufer aufgefallen, verwandelte eine Vorlage von Davib Elliot eiskalt. 1:0 für die Gäste - und der Damm war gebrochen. "Ich hab einfach nicht nachgedacht, nur getroffen", grinste Jorge später, als hätte er gerade die Welt gerettet. TuS Düsseldorf taumelte. Ballbesitz hin oder her (42 Prozent laut Statistik), die Borussen kontrollierten jetzt das Geschehen. In der 67. Minute folgte das 0:2: Ricardo Quintana vollendete nach Vorarbeit von Humberto Futre - technisch fein, lässig, fast provozierend ruhig. Emsdettens Coach Nico Wolf ballte die Faust und rief seinen Jungs zu: "Weiter, weiter, das ist noch nicht genug!" Emsdetten hatte ohnehin schon den Schussdrang eines Silvesterabends - 22 Torschüsse insgesamt, während Düsseldorf eher das Sparprogramm abspulte. Und als Vicente Jorge in der Nachspielzeit (90.) noch einmal frei vor Erceg auftauchte, hätte man fast Mitleid mit der Düsseldorfer Defensive haben können. Jorge blieb cool, bedankte sich mit einem kurzen Nicken bei Ricardo Quintana, der den Pass gespielt hatte, und schob zum 0:3 ein. Abpfiff. "Das war ein Arbeitssieg, aber auch ein Spaßsieg", meinte Emsdettens Trainer Wolf später. "In der ersten Halbzeit haben wir das Spiel kontrolliert, aber uns selbst kontrolliert - das war fast zu brav. Nach der Pause haben wir uns erlaubt, Fußball zu spielen." TuS Düsseldorf hingegen wirkte wie ein Team, das seine Strategie irgendwo zwischen "ausgewogen" und "hoffnungsvoll" verloren hatte. Kein Pressing, keine Wucht, kein Glück. "Wir wollten eigentlich ruhig aufbauen", erklärte Stricker. "Aber dann fiel uns auf, dass der Ball ständig beim Gegner war." Die Zuschauer quittierten die Leistung mit einer Mischung aus Mitleid und Galgenhumor. Ein älterer Fan auf der Haupttribüne rief in der 80. Minute laut: "Jungs, wenigstens ein Torschuss für die Statistik!" - und wurde prompt erhört, als Kai Witte den Ball aus 25 Metern Richtung Oberrang drosch. Am Ende war die Partie ein Musterbeispiel für Effektivität und Cleverness der Gäste. Emsdetten verteidigte diszipliniert, spielte schnörkellos nach vorne und nutzte die Räume, die Düsseldorf in Unterzahl großzügig anbot. Vicente Jorge avancierte mit seinen beiden Toren zum Mann des Abends, während Ricardo Quintana und Humberto Futre die Flügel beherrschten. Für Düsseldorf bleibt die Erkenntnis: Mit drei Torschüssen und einem Platzverweis lässt sich in der Regionalliga C kein Blumentopf gewinnen. Oder, wie Kapitän Mike Bach es formulierte: "Wir haben gespielt, als ob wir die Punkte schon vorher per Post abgeschickt hätten." Borussia Emsdetten hingegen darf sich über den dritten Auswärtssieg in Folge freuen - und über eine Leistung, die Trainer Wolf mit einem Augenzwinkern so kommentierte: "Wenn wir so weiterspielen, ruft vielleicht bald die zweite Liga an. Aber wahrscheinlich nur, um uns zu gratulieren." Ein Abend, der für die TuS zum Albtraum und für Emsdetten zum kleinen Fußballfest wurde. Und während die Heimfans enttäuscht das Stadion verließen, klatschte Vicente Jorge noch lange Beifall in die Kurve - vielleicht, weil er wusste: Solche Spiele sind die, wegen derer man Fußball liebt. Oder hasst. Je nachdem, welches Trikot man trägt. 08.01.644003 07:35 |
Sprücheklopfer
Eng.
Mehmet Scholl auf die Frage, wie es war, als Bundeskanzler Kohl nach dem EM-Sieg 1996 in die Kabine kam