Anpfiff
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Borussia Emsdetten zerlegt Bochum - ein 6:0 mit Ansage und Augenzwinkern

Wenn ein Spiel von Beginn an nur eine Richtung kennt, dann war es dieses: Borussia Emsdetten schickte den Nachwuchs aus Bochum mit einem satten 6:0 auf die Heimreise - und das, obwohl Trainer Nico Wolf vor dem Anpfiff noch bescheiden meinte: "Wir wollen nur sauber verteidigen und sehen, was nach vorne geht." Was nach vorne ging, war dann allerdings alles.

Vor 3878 Zuschauern im Emsdettener Stadion entwickelte sich von Beginn an ein einseitiges Schauspiel. Bochum, mit einer blutjungen Elf gespickt, versuchte tapfer, über die Flügel zu kontern. Nach sieben Minuten setzte der 17-jährige Andrea Lattarico tatsächlich den ersten und einzigen Torschuss der Gäste - ein Ereignis, das man später fast mit dem Fernglas suchen musste. Danach übernahm Emsdetten komplett die Regie.

Bereits in der 17. Minute platzte der Knoten: Ricardo Quintana, der flinke rechte Mittelfeldmann, zog nach Vorlage von Vincent Arnaud ab - trocken, flach, unhaltbar. 1:0, und das Publikum ahnte: Das wird ein langer Abend für Bochum. "Da hat’s Klick gemacht", grinste Quintana später. "Ich hab einfach draufgehauen, und plötzlich war alles leicht."

Neun Minuten später erhöhte Vicente Jorge, der bullige Mittelstürmer, auf 2:0. Er nutzte eine Unordnung in der Bochumer Defensive, schob locker ein und drehte jubelnd ab, als wolle er sagen: Das war nur der Anfang. In der 41. Minute dann das 3:0 durch Davib Elliot - nach schöner Vorarbeit von Quintana. Der junge Mittelfeldmotor tat, was er den ganzen Abend tat: Ball erobern, Kopf hoch, steil spielen. Bochums Trainer Thorsten Peter stand da schon mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte in Richtung seines Co-Trainers: "Die Jungs lernen heute was fürs Leben."

Zur Pause stand es 3:0, und der Ballbesitz sprach Bände - 61 Prozent für Emsdetten, aber es fühlte sich eher nach 80 an. Bochum hatte in der ersten Hälfte kaum Entlastung, zu brav, zu zögerlich, zu grün. Die zweite Hälfte begann, wie die erste geendet hatte: mit Emsdettener Angriffswellen.

In der 59. Minute war es wieder Quintana, diesmal nach Vorlage von Emil Musiala, der das 4:0 markierte. Ein Schuss wie aus dem Lehrbuch: kontrolliert, präzise, unbarmherzig. "Ich wollte eigentlich flanken", scherzte Musiala später. "Aber Ricardo hat wohl ’ne Antenne für meine Fehlpässe."

Dann kam die Schlussphase, die Bochum wohl noch lange in Erinnerung behalten wird. Vicente Jorge, der Torjäger mit der Unschuldsmiene, schnürte binnen zwei Minuten ein Doppelpack (83. und 84. Minute). Erst setzte ihn Musiala glänzend in Szene, dann kam ein butterweicher Pass von Humberto Futre - zweimal verwandelte Jorge eiskalt. 6:0, und das Stadion tobte.

"Ich hatte Mitleid mit ihrem Keeper", meinte Emsdettens Torwart Humberto Pauleta später mit schelmischem Grinsen. "Der hat echt alles versucht, aber was willst du machen, wenn vorn die Jungs so treffen?" Tatsächlich konnte Bochums junger Schlussmann Florian Frei einem leidtun - 25 Torschüsse musste er über sich ergehen lassen, ein einziger gelang seinem Team.

Die Statistik liest sich wie ein Lehrbuchbeispiel für Dominanz: 61 Prozent Ballbesitz, fast dreimal so viele gewonnene Zweikämpfe, und jeder Angriff roch nach Gefahr. Selbst die taktischen Notizen verrieten, wie überfordert Bochum war - während Emsdetten mit defensiver Grundordnung und ruhigem Passspiel glänzte, blieb Bochum in einem auf Konter angelegten, aber wirkungslosen Flügelspiel hängen.

Nach Abpfiff sagte Trainer Nico Wolf gewohnt trocken: "Wir wollten kompakt stehen und die Räume nutzen - dass es dann gleich sechs Mal klingelt, nehme ich aber gerne mit." Und Thorsten Peter? Der blieb erstaunlich gefasst: "Unsere Jungs sind 17, 18 Jahre alt. Wenn du gegen solche Maschinen antrittst, lernst du Demut. Und vielleicht auch, dass man den Ball nicht immer in der eigenen Hälfte streicheln sollte."

Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen, während sich die Gäste still auf die Busfahrt vorbereiteten. Man hörte einen Bochumer Fan leise sagen: "Ey, wenigstens war das Wetter schön."

So bleibt ein Abend, der für Emsdetten perfekt und für Bochum lehrreich war. Und wenn man ganz ehrlich ist: Wer 6:0 gewinnt, darf auch mal übermütig sein. Oder, wie Quintana beim Rausgehen flüsterte: "Heute hätten wir wahrscheinlich auch mit verbundenen Augen getroffen."

Ein Satz, der vermutlich noch auf so manchem Stammtisch in Emsdetten zitiert werden wird - und in Bochum nur ein müdes Seufzen auslöst.

22.02.644003 14:09
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