Anpfiff
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Borussia Emsdetten zerlegt den SV Brake in 45 Minuten

Ein lauer Sommerabend, 5000 Zuschauer im Braker Stadion, und eigentlich hätte alles so schön werden können. Doch was Borussia Emsdetten in den ersten 45 Minuten ablieferte, war weniger Fußballspiel als chirurgische Präzisionsarbeit. Am Ende stand ein 0:4 (0:4) - und der SV Brake wusste nicht so recht, ob er sich über die zweite Halbzeit freuen oder die erste vergessen sollte.

Emsdetten begann, als hätte Trainer Nico Wolf seine Jungs mit Espresso intravenös versorgt. Nach wenigen Minuten wirbelte die Offensive um Vicente Jorge, Emil Musiala und den auffälligen Aad Van Cortlandt durch die Braker Reihen, als seien sie nur Hütchen. Der erste Treffer fiel in der 19. Minute, als Davib Elliot aus 18 Metern Maß nahm - und traf. "Ich hab’ einfach draufgehalten, ehrlich", grinste Elliot später, "der Ball wollte wohl rein."

Nur vier Minuten später jubelte Emsdetten erneut. Emil Musiala - der Name klingt nach Technik, Tempo und Torriecher - schob nach feiner Vorarbeit von Elliot zum 0:2 ein. Kaum hatte der Stadionsprecher den Torschützen genannt, klingelte es schon wieder: Van Cortlandt traf in der 24. Minute zum 0:3. Drei Tore binnen fünf Minuten - die Braker Abwehr wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Kartenhaus im Wind.

"Da war jeder Schuss ein Treffer", murmelte SV-Kapitän Bernd Maier nach dem Spiel, der sich immerhin durch eine Gelbe Karte in der 25. Minute in die Statistik brachte. Und als wäre das alles nicht schon genug, setzte Humberto Futre in der 40. Minute noch einen drauf. Nach einer Ecke von Jon Hästad wuchtete der Portugiese den Ball per Kopf ins Netz - 0:4, und das schon zur Pause.

In der Halbzeitpause soll ein Zuschauer auf der Tribüne gewitzelt haben: "Wenn’s so weitergeht, macht Emsdetten zweistellig - aber Brake kriegt wenigstens mal den Anstoß." Zum Glück für Brake trat das Gegenteil ein: Emsdetten ließ es in der zweiten Hälfte ruhiger angehen. Ballbesitz hin oder her - 61 zu 39 Prozent zugunsten der Gäste - das Spiel war längst entschieden.

SV Brake mühte sich, kam immerhin zu drei Torschüssen, darunter einer von Elias Ritter in der 33. Minute, der zumindest kurz Hoffnung auf flackernde Lebenszeichen machte. Doch Emsdettens Torhüter Humberto Pauleta erlebte einen dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Keeper überhaupt gewaschen war - so sauber blieb seine Weste.

Emsdetten dagegen hätte locker noch erhöhen können: Vicente Jorge prüfte den Braker Keeper gleich mehrfach (8., 14., 39., 61., 63. und 77. Minute), Musiala schoss sich regelrecht warm, und selbst Innenverteidiger Vincent Arnaud versuchte sich mit Offensivdrang. "Wir wollten eigentlich defensiv stehen", lachte Trainer Wolf hinterher, "aber die Jungs haben wohl ’defensiv’ mit ’dominant’ verwechselt."

Bei Brake dagegen griff das Wort "ausgewogen" nur noch auf dem Taktikzettel. Trainer - dessen Name in der Statistik merkwürdigerweise fehlte - soll in der Kabine laut geworden sein. Jedenfalls sah man in der zweiten Hälfte mehr Einsatz, was sich in drei weiteren Gelben Karten ausdrückte (Heise 47., Kraft 76., Janczyk 79.). Als Heise in der 87. Minute verletzt ausschied, war das sinnbildlich für einen gebrauchten Abend: erst Gelb, dann Schmerzen, dann Auswechslung.

"Wir haben in der ersten Halbzeit kollektiv geschlafen", sagte Ersatz-Rechtsverteidiger Nael Goncalves nach seiner späten Einwechslung. "Aber hey, wenigstens bin ich ohne Gegentor eingewechselt worden." Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht.

Statistisch war das Ganze eine klare Sache: 21 zu 3 Torschüsse, 56,9 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Emsdetten - und ein SV Brake, der sich spätestens nach dem dritten Gegentreffer in den Ergebnis-Schutzmodus zurückzog. Die Gäste spielten das souverän herunter, ohne ihr Pressing auch nur einmal aktivieren zu müssen.

Emsdettens Trainer Wolf fasste das Ganze trocken zusammen: "Das war die erste Halbzeit meines Lebens, in der ich mich gelangweilt habe, obwohl wir vier Tore gemacht haben." Sein Gegenüber - nennen wir ihn stellvertretend Trainer X - erwiderte: "Ich hätte mich auch gelangweilt, wenn ich so viel Ballbesitz gehabt hätte."

Als der Schiedsrichter schließlich abpfiff, applaudierten die 5000 Zuschauer fair - vielleicht auch erleichtert. Denn schlimmer hätte es kaum kommen können, besser aber sicher.

Und so bleibt das Fazit dieses Abends: Borussia Emsdetten spielt Regionalliga-Fußball wie aus einem Guss - und der SV Brake? Der sucht noch nach dem Rezept. Vielleicht hilft ein Espresso vor dem nächsten Spiel.

18.03.644003 23:41
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Toni Polster
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