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Der SV Eidelstedt hatte sich den Montagabend in der Regionalliga C sicher anders vorgestellt. 20:15 Uhr, Flutlicht an, 4090 Zuschauer, gute Laune - und dann kam Borussia Emsdetten. Nach 90 Minuten hieß es 0:4 (0:3), und das war sogar noch schmeichelhaft. Schon nach acht Minuten lag der Ball im Netz von Eidelstedts Keeper Vedran Olic. Davib Elliot, der quirlige Mittelfeldmotor der Gäste, nutzte eine Unachtsamkeit in der Abwehr eiskalt. "Ich hab einfach draufgehalten, weil sonst keiner wollte", grinste der 21-Jährige später, während sein Trainer Nico Wolf daneben schmunzelte: "Das war so nicht abgesprochen, aber wenn’s drin ist, beschwer ich mich nicht." Eidelstedt wirkte in der Anfangsphase wie ein Team, das den Anpfiff verpasst hatte. Während Trainer Wolf mit verschränkten Armen ruhig blieb, gestikulierte sein Gegenüber an der Seitenlinie verzweifelt, als würde er ein Taxi heranwinken. Doch es half nichts: In der 23. Minute erhöhte Vicente Jorge nach feiner Vorarbeit von Humberto Futre auf 0:2. Vier Minuten später traf Xabi Panero per Distanzschuss zum 0:3 - und das Spiel war im Grunde schon entschieden. "Wir wollten offensiv beginnen", murmelte ein sichtlich frustrierter Eidelstedter Spieler nach dem Spiel, "aber irgendwie war der Ball ständig bei denen." Die Statistik gibt ihm recht: 58 Prozent Ballbesitz für Emsdetten, 21 Torschüsse - gegen einen einzigen Versuch der Hausherren. Dieser eine, ein halbherziger Schuss von Burhan Akagündüz in der 35. Minute, wurde vom Gästekeeper Humberto Pauleta (ja, der heißt wirklich so) mühelos gefangen. Die Gäste spielten dagegen mit einer Selbstverständlichkeit, die fast unverschämt wirkte. Emsdetten in einer defensiven Grundordnung, aber so abgeklärt, dass es wie Zauberei aussah: hinten sicher, im Mittelfeld passsicher, vorne eiskalt. "Wir spielen nicht schön, wir spielen effizient", sagte Wolf nach der Partie - und man glaubte ihm aufs Wort. Zur Pause wechselte Emsdetten sogar dreimal - Luxusprobleme deluxe. Sven Schramm, gerade mal 18, kam rein und wirkte, als spiele er sein 100. Spiel. Ricardo Quintana wirbelte über rechts, und Damiano Paola, frisch von der Bank, bereitete später sogar das vierte Tor vor. Dieses fiel in der 85. Minute, als Vicente Jorge erneut zuschlug. Nach einem präzisen Pass von Paola vollendete der junge Stürmer mit der Ruhe eines erfahrenen Torjägers. "Ich hab nur kurz rübergeguckt - und dann war der Ball drin", erzählte Jorge, sichtlich zufrieden. Eidelstedts Torwart Olic dagegen hatte einen Abend, den er wohl am liebsten löschen würde. Immerhin bewahrte er seine Mannschaft mit einigen Paraden vor einem Debakel zweistelliger Dimension. Als ihn ein Fan nach dem Spiel fragte, ob er die Handschuhe behalten wolle, lachte er bitter: "Ich überleg’s mir. Vielleicht rahm ich sie als Mahnung ein." Auch wenn das Publikum nach dem dritten Tor merklich leiser wurde, blieb die Atmosphäre erstaunlich fair. Einige Emsdetten-Fans stimmten ironisch "Auswärtssieg!" an, woraufhin ein Eidelstedter Anhänger trocken zurückrief: "Sagt bloß!" - einer dieser Momente, die zeigen, dass Humor manchmal das letzte Mittel der Verteidigung ist. Die Gelben Karten für Vincent Arnaud (48.) und Damiano Paola (73.) störten den Spielfluss der Gäste kaum. Emsdetten blieb cool, spielte die Partie routiniert zu Ende und ließ Eidelstedt laufen - und laufen - und laufen. Nach dem Abpfiff fasste Trainer Nico Wolf das Geschehen gewohnt nüchtern zusammen: "Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Früh Druck, dann Kontrolle, dann Spaß." Auf die Frage, ob Emsdetten nun Aufstiegsfavorit sei, grinste er nur: "Wir sind Tabellenführer der Herzen - und der Tore." Für Eidelstedt bleibt die Erkenntnis: Mut allein reicht nicht, wenn der Gegner Fußball spielt wie ein Uhrwerk. Ein Heimspiel, das als Chance begann, endete als Lehrstunde. Und so leuchtete über dem Stadion kurz vor 22 Uhr die Anzeigetafel: 0:4. Kein technischer Fehler, kein Traum, kein Aprilscherz. Nur harte Realität - und der stille Wunsch, dass bald wieder ein anderer Gegner kommt. Denn eines ist sicher: So ein Montagabend fühlt sich für Eidelstedt an wie Dienstagmorgen mit Zahnarzttermin. 23.11.644002 00:07 |
Sprücheklopfer
Vielleicht sollten wir mal einen saufen gehen und uns gegenseitig auf die Fresse hauen.
Mario Basler nach einer Niederlagenserie