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Ein lauer Juniabend, Flutlicht über dem Stadion an der Grevener Straße, 3590 Zuschauer, die noch nicht ahnten, dass sie Zeugen eines kleinen Fußballfestes werden würden: Borussia Emsdetten fegte am 5. Spieltag der Regionalliga C den 1. FC Kaiserslautern mit 3:0 vom Platz - und das mit einer Leichtigkeit, die selbst Trainer Nico Wolf kurz ratlos schmunzeln ließ. "Ich wollte eigentlich defensiv spielen", grinste der Coach später, "aber die Jungs haben mich einfach ignoriert." Schon in den ersten Minuten war klar, dass die Borussen heute mehr Lust auf Ballbesitz hatten als ihre Gäste. Fast 60 Prozent der Zeit klebte das Leder an den Füßen der Hausherren, während Kaiserslautern hinterherlief wie ein Tourist ohne Stadtplan. Die ersten Warnschüsse kamen früh: Vicente Jorge prüfte den Gästekeeper bereits in der 2. Minute, kurz darauf rauschte ein Schuss von Georgi Hubtschew knapp vorbei - der rechte Außenverteidiger, der später verletzt runter musste, hatte offenbar beschlossen, das Spiel mit einem Highlight zu beginnen. In der 14. Minute sah Innenverteidiger Vincent Arnaud Gelb, vermutlich weil er vergessen hatte, dass Grätschen kein olympischer Kampfsport ist. Doch kaum elf Minuten später jubelte ganz Emsdetten: Emil Musiala, der Regisseur im Mittelfeld, zog nach feinem Zuspiel von Aad Van Cortlandt mit links ab - 1:0. "Ich hab gar nicht richtig hingeschaut", gestand Musiala später, "ich hab einfach gemacht, was Aad mir zugerufen hat." Van Cortlandt grinste nur: "Ich hab gar nichts gerufen. Aber lassen wir ihn in dem Glauben." Emsdetten blieb am Drücker, Kaiserslautern wirkte wie ein Team, das seine Taktikzettel im Bus vergessen hatte. Der nächste Treffer fiel in der 33. Minute, als Xabi Panero einen Pass seines Mittelfeldpartners Davib Elliot elegant ins rechte Eck schlenzte. 2:0 - und die Zuschauer sangen bereits Loblieder auf ihre jungen Wilden. Panero selbst sah kurz vor der Pause Gelb, nachdem er offenbar versuchte, dem Schiedsrichter zu erklären, wie Abseits funktioniert. Kurz vor dem Halbzeitpfiff musste Georgi Hubtschew verletzt raus, für ihn kam Damiano Paola, der gleich nach Wiederanpfiff eine neue Dynamik brachte. Und die zweite Hälfte begann, wie die erste endete: Borussia mit Lust am Spiel, Kaiserslautern mit Lust auf den Schlusspfiff. In der 47. Minute war es Ricardo Quintana, der nach Kopfballvorlage des aufgerückten Verteidigers Vincent Arnaud zum 3:0 traf. Der Jubel? Laut, aber auch ein bisschen ungläubig. "Ich wusste gar nicht, dass Vincent so hoch springen kann", witzelte Quintana. Arnaud konterte trocken: "Ich auch nicht." Kaiserslautern versuchte es, ehrlich, tapfer, aber ohne Richtung. Fünf Torschüsse in 90 Minuten - das war eher ein höflicher Beitrag zur Statistik. Martin Frigard hatte in der 53. und 71. Minute noch zwei zaghafte Versuche, doch Torhüter Humberto Pauleta musste sich kaum die Handschuhe schmutzig machen. Trainer Kada Schmide schüttelte nach dem Spiel den Kopf: "Wir haben 40 Prozent Ballbesitz, aber null Prozent Idee. Da hilft auch kein taktisches BALANCED mehr." Emsdetten dagegen spielte weiter befreit auf, auch wenn es beim 3:0 blieb. Musiala scheiterte in der 49. Minute mit einem wuchtigen Schuss, Vicente Jorge ließ in der Nachspielzeit noch zwei Gelegenheiten liegen. Aber das störte niemanden. "Ich hab lieber Spaß am Spiel als ein viertes Tor", sagte Trainer Wolf später, "und ehrlich gesagt war das heute schon fast zu schön, um wahr zu sein." In der Kabine soll es dann kurz laut geworden sein - allerdings vor Lachen. "Sven Schramm wollte Selfies mit allen machen, weil er denkt, er bringt Glück", erzählte Musiala. "Wenn das so weitergeht, stellen wir ihn einfach als Maskottchen auf." Am Ende ein verdienter Sieg, der in seiner Klarheit sogar nüchterne Zahlen zu Poesie macht: 15 Torschüsse zu 5, 59,9 Prozent Ballbesitz, 54,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Borussia Emsdetten spielte nicht nur effizient, sondern mit einer Selbstverständlichkeit, die an große Zeiten glauben lässt - oder zumindest an eine sehr unterhaltsame Saison. Ob es ein Ausrutscher nach oben oder der Beginn einer Serie ist, wird man sehen. Doch an diesem Abend war Emsdetten kurz der Mittelpunkt der Regionalliga, und selbst die Bratwurstverkäuferin am Kiosk soll beim Abpfiff gesagt haben: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald eine größere Fritteuse." Ein Spiel, das zeigte: Auch im Amateurfußball gibt es magische Momente - und manchmal reichen drei Tore, ein bisschen Humor und 3590 glückliche Fans, um den Montag wieder erträglich zu machen. 04.12.644002 14:11 |
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