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Braunschweig rettet Remis in wildem Schlagabtausch mit TSV Rothemann

Eintracht Braunschweig und der TSV Rothemann trennten sich am Dienstagabend im Eintracht-Stadion vor 12.500 Zuschauern 2:2 (0:1) - ein Ergebnis, das keiner so recht wollte, aber irgendwie zu diesem Spiel passte. Es war ein Duell mit viel Tempo, zwei wütenden Trainern, vier sehenswerten Toren und einem unerwartet humorvollen Schiedsrichter, der nach der dritten Rudelbildung nur noch trocken meinte: "Leute, wir spielen Fußball, kein Wrestling."

Schon in den ersten Minuten zeigte sich, dass beide Teams heute nicht zum Kaffeekränzchen angetreten waren. Braunschweig mit 53 Prozent Ballbesitz, Rothemann mit gefährlichen Kontern - das versprach Feuer. In der 35. Minute dann der erste Stich: Ake Pettersson, der flinke Schwede auf Rothemanns rechter Seite, zog nach feinem Zuspiel von Mariusz Mencel ab und traf ins lange Eck. 0:1 - und Braunschweigs Keeper Joshua Paul war chancenlos. Trainer Heiko Duwe schüttelte an der Seitenlinie nur den Kopf und murmelte: "So frei darf der nie stehen. Höchstens beim Einlaufen."

Kurz darauf musste Braunschweig den ersten Rückschlag verkraften: Edvard Paulsen verletzte sich in der 37. Minute und wurde durch Berndt Urban ersetzt. Urban, bekannt für seine eher rustikale Spielweise, setzte gleich ein Zeichen - allerdings in Form eines Schusses auf die Tribüne. "Ich wollte zeigen, dass ich da bin", grinste er später.

Mit dem 0:1 ging es in die Pause, und während die Rothemanner Fans schon vom Auswärtssieg träumten, kam Braunschweig wie verwandelt aus der Kabine. Gerade fünf Minuten waren gespielt, da sorgte Eri Hagen für den Ausgleich. Nach einer butterweichen Flanke von Patrik Seitz drosch der 30-Jährige den Ball volley unter die Latte - ein Tor, das man in Braunschweig wohl noch eine Weile besprechen wird. "Endlich hat sich das Training mit der Mülltonne gelohnt", witzelte Hagen nach Abpfiff.

In der 70. Minute drehte Braunschweig die Partie: Der junge Maurice Hartung, gerade einmal 20 Jahre alt, schob nach Vorlage von Antonio Gomes zum 2:1 ein. Das Stadion tobte, Trainer Duwe riss die Arme hoch - und TSV-Coach Saper Lot warf wütend seine Kappe auf den Boden. Doch kaum hatte sich der Torjubel gelegt, schlug Rothemann zurück. Nur eine Minute später zog der eingewechselte Jesus Moll nach Pass von Leandro Lupus ab - 2:2. Ein Doppelschlag, der selbst den Stadionsprecher kurz ins Stolpern brachte.

"Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen sofort antworten. Dass sie mich so wörtlich nehmen, überrascht mich selbst", lachte Lot nach dem Spiel. Seine Mannschaft, ohnehin bekannt für körperbetontes Spiel, blieb ihrer Linie treu: Zwei Gelbe Karten (Mencel, 76. Minute) und eine Menge harter Zweikämpfe zeugten davon. Braunschweig hielt dagegen - Laurens Brill sah bereits in der ersten Hälfte Gelb, Herbert Münch folgte später (83.).

Das Spiel blieb bis zum Schluss offen. Braunschweig drängte auf den Sieg, mit insgesamt 13 Torschüssen gegenüber 11 der Gäste, aber TSV-Keeper Davib Browning hielt, was zu halten war. Besonders in der 86. Minute, als Patrik Seitz aus spitzem Winkel abzog und Browning mit einem Reflex parierte, der selbst die Heimfans zum Staunen brachte. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", gab Hagen zu. "Aber dieser Kerl hat wohl Spinnenarme."

In den Schlussminuten ging es hin und her - beide Teams wollten das Tor, keiner fand es. Ein letzter Versuch von Rothemanns Marcio Hernando in der 91. Minute landete in den Armen von Joshua Paul, der den Ball anschließend demonstrativ an die Brust drückte, als wolle er sagen: "Nicht mit mir."

Nach dem Abpfiff schüttelten sich beide Trainer mit leicht gequältem Lächeln die Hände. "Ein gerechtes Ergebnis", meinte Heiko Duwe, "auch wenn ich lieber ungerecht gewonnen hätte." Lot nickte: "Wir haben Charakter gezeigt - und diesmal nicht nur beim Diskutieren mit dem Schiri."

Während die Zuschauer zufrieden in die Nacht hinausströmten, blieb das Gefühl, ein Spiel gesehen zu haben, das alles bot - nur eben keinen Sieger. Braunschweig hatte mehr vom Spiel, Rothemann mehr Nervenstärke. Und irgendwo zwischen Hagens Traumtor und Molls Antwort lag die Wahrheit dieses 27. Spieltags in der 3. Liga.

Oder, wie ein Braunschweiger Fan beim Rausgehen trocken sagte: "Für den Blutdruck war’s nix - aber fürs Herz perfekt."

17.04.644000 23:42
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