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Der Frühling meinte es gut mit den 3000 Zuschauern im Östringer Stadion, aber nicht mit dem FC Östringen selbst. Im Liga-Pokal der Oberliga D unterlag die Mannschaft von Trainer Müller (der laut eigener Aussage "eigentlich gar nichts falsch gemacht" hatte) dem OSC Bremerhaven mit 1:2 - und das, obwohl die Gastgeber mehr Ballbesitz hatten, schöner kombinierten und in den ersten Minuten aussahen, als wollten sie das Spiel schon in der Anfangsviertelstunde entscheiden. Bereits nach vier Minuten prüfte Luka Pan den Bremerhavener Keeper Hartmut Greiner, kurz darauf Timm Müller und Marco Agirre - drei Schüsse in sechs Minuten, aber kein Tor. "Da dachte ich: Wenn das so weitergeht, muss ich mich warm anziehen", grinste Greiner nach dem Spiel. Warm wurde ihm tatsächlich, aber eher vom ständigen Ballfliegen als vom Frösteln - der FC Östringen schoss, traf aber vorerst nur die Luft. Und dann kam Bremerhaven. Eiskalt, nordisch, effizient. In der 14. Minute spielte Horst Schade einen Pass, der so präzise war, dass man ihn am liebsten einrahmen möchte - Rhys Innes stand goldrichtig und schob zum 0:1 ein. "Ich hab den Ball nur weitergeleitet", sagte Schade später bescheiden, um dann mit einem Zwinkern hinzuzufügen: "Aber ohne mich wäre er wohl auch nicht reingegangen." Östringen wirkte kurz geschockt, rappelte sich aber wieder auf. Doch Bremerhaven hatte jetzt Blut geleckt - oder besser gesagt: Seeluft geschnuppert. Die Gäste spielten mit einer offensiven Ausrichtung, wie sie Trainer Rafael Benitez kaum ruhiger hätte anordnen können. In der 42. Minute dann der nächste Schlag: Wieder war Horst Schade im Mittelpunkt, diesmal als Vollstrecker. Nach einem schnellen Doppelpass mit Innes zog er ab - 0:2. Der Jubel der rund zwei Dutzend mitgereisten Fans klang wie ein Sturm über der Nordsee. "Wir haben die erste Halbzeit einfach verschlafen", knurrte Östringens Kapitän Ralph Stark später in der Kabine. "Wenn du gegen so eine abgezockte Truppe wie Bremerhaven zwei Dinger kassierst, ist der Berg hoch." Nach dem Seitenwechsel zeigte der FC Östringen Wirkung. Trainer Müller hatte offenbar in der Pause die richtigen Worte gefunden - vermutlich eine Mischung aus Motivationsrede und sanfter Drohung. Das Spiel kippte leicht in Richtung der Gastgeber, die nun mehr investierten, während Bremerhaven sich auf Konter verlegte. In der 72. Minute endlich der verdiente Anschluss: Lucas Thackeray spielte quer, Elias Lindemann rauschte von hinten heran und drosch den Ball mit rechts ins Eck - 1:2! Das Stadion bebte, und selbst der Stadionsprecher verhaspelte sich vor Begeisterung. "Ich wollte eigentlich nur ruhig bleiben", erklärte Lindemann später, "aber dann hab ich gesehen, dass der Ball so schön lag - da musste ich einfach." Was folgte, war eine halbe Stunde wilder Östringer Angriffsbemühungen, viel Ballbesitz (am Ende 53 Prozent) und noch mehr Nervenarbeit bei den Fans. Doch die Bremerhavener Abwehr, angeführt vom robusten Gustav Carlsson, hielt stand. "Wir haben das einfach nordisch gemacht - nicht schön, aber effektiv", sagte Trainer Benitez nach der Partie mit einem zufriedenen Lächeln. Statistisch gesehen war der Sieg für Bremerhaven nicht unverdient: 10 zu 6 Torschüsse und eine Zweikampfquote von 53 Prozent sprechen eine klare Sprache. Östringen hingegen wird sich fragen, warum man aus der spielerischen Überlegenheit so wenig machte. Vielleicht, weil man zu oft quer spielte, wo ein Schuss nötig war. Vielleicht, weil das Glück an diesem Samstagabend lieber eine steife Brise vom Meer genießen wollte. Am Ende blieb es beim 1:2 - ein Ergebnis, das den Gästen den Weg Richtung Viertelfinale offenhält, während Östringen nun zittern muss. Auf die Frage, was er seiner Mannschaft mit auf den Weg gebe, meinte Trainer Müller trocken: "Vielleicht mal weniger schön spielen und mehr treffen. Oder einfach nach Bremerhaven ziehen." Das Publikum verabschiedete sich mit höflichem Applaus, die Sonne verschwand hinter der Haupttribüne, und irgendwo in der Kabine des OSC soll Rhys Innes gesungen haben - angeblich etwas über den Wind und das Meer. Man kann es ihm nicht verdenken: Wer auswärts in Östringen gewinnt, darf ruhig ein wenig Seemannslieder summen. 09.04.643994 17:50 |
Sprücheklopfer
In der Schlußphase war der Pfosten der Einzige, auf den wir uns 100prozentig verlassen konnten.
Christoph Daum