Anpfiff
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Buchholz trifft spät - Wusterwitz siegt knapp in Davensberg

Ein lauer Frühlingsabend, Flutlicht, 4512 Zuschauer und ein Regionalligaspiel, das so zäh begann wie ein Montagmorgenkaffee ohne Zucker - Davaria Davensberg empfing am 31. Spieltag der Regionalliga B den FC Wusterwitz. Am Ende stand ein 0:1, das nüchtern betrachtet verdient war, emotional aber irgendwo zwischen "ärgerlich" und "typisch Davaria" landete.

Von Beginn an war klar, wer hier mit Rückenwind anreiste. Wusterwitz-Trainer Tom Fritz hatte sein Team offensiv eingestellt, und das sah man: Schon in den ersten fünf Minuten prüften Runge, Roth und Philipp den Heimkeeper Berndt gleich mehrfach. Der Mann im Davaria-Tor wurde früh zum Publikumsliebling - weniger wegen akrobatischer Paraden, mehr, weil er schlicht alles halten musste, was auf ihn zuflog. "Ich dachte kurz, ich hätte Eintritt bezahlt, so oft stand ich im Mittelpunkt", scherzte Berndt später mit einem Schulterzucken.

Davaria dagegen wirkte bemüht, aber harmlos. Tiago Viejo und Peter Will versuchten es in der ersten halben Stunde immerhin mit Schüssen aus der Distanz, doch Wusterwitz-Keeper Steffens griff erst in der 11. Minute ein - und das eher, um sich nicht zu erkälten. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Davaria-Trainer Marc Hauser nach dem Spiel. "Leider waren wir dabei etwas zu ruhig."

Die erste Halbzeit endete torlos, aber nicht ereignislos. Fritz wechselte zur Pause gleich zweimal - Torwartwechsel inklusive. Der junge Phillip Zimmermann durfte nach 45 Minuten ins Wusterwitzer Tor, während Rechtsverteidiger Schindler für den erfahreneren Kern Platz machte. "Nein, das war keine Verletzung", grinste Fritz später, "ich wollte einfach mal sehen, wie’s aussieht, wenn ich zwei auf einmal rausnehme."

Nach Wiederanpfiff blieb das Bild gleich: Wusterwitz mit kurzen Pässen, viel Bewegung, aber wenig Zielwasser. Philipp, Behrendt, Konrad - alle probierten es, keiner traf. Davaria verteidigte, als ginge es um eine Steuerprüfung, und hatte in der 58. Minute durch Viejo eine der wenigen guten Chancen, doch der Ball rauschte neben den Pfosten.

Dann kam die 73. Minute, und plötzlich war das Spiel entschieden. Werner Runge, Motor des Wusterwitzer Mittelfelds, fand mit einem klugen Pass Walther Buchholz, der aus 18 Metern trocken abschloss. 0:1. Der Ball zappelte im Netz, und die Wusterwitzer Bank explodierte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Buchholz hinterher. "Und diesmal war keiner im Weg - ein seltenes Glück."

Davaria warf in der Schlussphase alles nach vorn, was noch Beine hatte. Marcus Scholz versuchte es in der 88. und 91. Minute gleich zweimal, aber Zimmermann parierte beide Male souverän. Man konnte fast den Eindruck gewinnen, Wusterwitz hätte noch ewig weiter verteidigen können, ohne ins Wanken zu geraten. "Wir haben die Null gehalten, das ist mir lieber als ein 3:2 mit offenem Visier", sagte Fritz, der in seiner ruhigen Art an einen Mann erinnert, der auch im Sturm noch den Rasen mäht.

Statistisch war die Sache klar: 19 Torschüsse für die Gäste, nur 7 für Davaria. Der Ballbesitz lag mit 50,4 zu 49,6 Prozent nahezu ausgeglichen, aber die Zweikampfquote sprach mit 54 Prozent ebenfalls für Wusterwitz. Davaria kämpfte, aber ohne Biss. "Wir wollten kontrolliert spielen", erklärte Kapitän Niels Kurz, "aber manchmal kontrolliert man sich selbst zu Tode."

Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierte das Publikum trotzdem - vielleicht aus Gewohnheit, vielleicht aus Mitleid, vielleicht einfach, weil der Imbisswagen noch offen hatte. Wusterwitz jubelte, aber eher verhalten. Man wusste, dass man hier einen Pflichtsieg geholt hatte, nicht mehr, nicht weniger.

Hauser fasste es zusammen: "Wir haben gegen eine Mannschaft verloren, die wusste, was sie wollte. Wir wollten auch was, wussten aber nicht genau, was."

Am Ende blieb ein Abend, der statistisch unspektakulär, taktisch sauber und emotional irgendwo zwischen Frust und Fassung lag. Für Wusterwitz war es ein kleiner Schritt Richtung Tabellenoberhaus, für Davensberg ein weiterer Beweis, dass Ballbesitz allein noch keine Tore schießt.

Und als die letzten Flutlichter erloschen, hörte man einen älteren Fan murmeln: "Früher hätten wir die weggeschossen." Sein Enkel neben ihm antwortete trocken: "Früher war auch das Bier billiger." Man kann ihm kaum widersprechen.

03.06.644000 07:20
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Wer am Samstag nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle, der kann ja am Sonntag noch laufen.
Werner Lorant
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