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Es war einer dieser Abende in Texas, an denen die Luft nach Grillrauch, Hoffnung und leichtem Größenwahn roch. 34.603 Zuschauer im "Longhorn Dome" sahen beim 15. Spieltag der 1. Liga USA ein Spiel, das alles bot - zumindest für jene, die keine Nerven mehr haben. Am Ende setzten sich die Dallas Bulls mit 2:1 gegen die Cincinnati Royals durch, doch der Weg dahin war so kurvig wie die Parkplätze rund ums Stadion. Schon nach 13 Minuten herrschte betretenes Schweigen unter den heimischen Fans: Der 17-jährige Henry Bail, kaum alt genug für den Mietwagen, aber offenbar alt genug für den großen Auftritt, drosch den Ball ins Netz - 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten, ich dachte, der Torwart steht woanders", grinste der Teenager später, als würde er über ein Schulprojekt sprechen. Die Bulls, kurz geschockt, taten, was Bullen eben tun, wenn man sie reizt: Sie trampelten los. Jack Lithgow prüfte den jungen Royals-Keeper Ryan Ashton im Minutentakt, Miralem Stepanov flankte, als wolle er Flugmeilen sammeln, und vorne lauerte Sorin Miriuta wie eine Katze vor dem Milchnapf. In der 21. Minute wurde er belohnt: Nach einem schnellen Doppelpass über links netzte der 29-Jährige trocken ein - 1:1. Die Tribünen bebten, die Grillstände auch. Vier Minuten später die Szene des Abends: Harry Wiltshire, 22 Jahre jung, zentraler Mittelfeldspieler und offenbar mit einem GPS im Fuß gesegnet, nahm einen Abpraller von Salvador Gelmirez elegant mit und schlenzte den Ball aus 18 Metern in den Winkel. 2:1 - und diesmal jubelte das ganze Stadion, sogar der Typ mit dem Megafon in Reihe 12, der sonst nur über Schiedsrichter schimpft. "Ich hab den Ball kaum gesehen, aber gespürt, dass er reingeht", sagte Wiltshire danach. Man nahm ihm die Poesie ab. Trainer Hugo "Der Geist" von den Royals wirkte an der Seitenlinie, als wolle er jeden Moment durch die Coaching-Zone schweben. Seine Mannschaft spielte brav, technisch fein, aber so harmlos wie eine Teestunde. "Wir passen gut, aber wir schießen selten", murmelte er in der Pressekonferenz - eine treffende Zusammenfassung. Nur sechs Schüsse aufs Tor brachte Cincinnati zustande, gegenüber 16 der Bulls. Die zweite Halbzeit begann mit einem leichten Déjà-vu: Dallas kontrollierte, Cincinnati kombinierte - allerdings vor allem quer. Die Texaner, taktisch wie immer "balanced" (also alles und nichts zugleich), ließen den Ball laufen, während die Royals es mit kurzen Pässen und höflichem Pressing versuchten. Das Ergebnis? Viel Mittelfeld, wenig Spektakel. In der 57. Minute hatte Ernesto Ramos den Ausgleich auf dem Fuß, doch Bulls-Keeper Sean Hennessy fischte den Ball aus dem Eck, als wollte er beweisen, dass Torhüter auch mal die Helden sein dürfen. Kurz darauf bekam Jake Bostwick Gelb - der 17-Jährige war wohl kurzzeitig der Meinung, er spiele Football. "Wir hätten in der zweiten Halbzeit mehr schießen müssen", sagte Hennessy später mit einem süffisanten Lächeln. "Aber ehrlich, ich mag’s, wenn’s spannend bleibt. Sonst schläft man ja ein." Die letzten zwanzig Minuten waren ein Lehrstück in texanischer Ruhe. Statt hektischer Konter gab’s kontrolliertes Verwalten, Ballbesitz 52 zu 48 Prozent - fast eine Gleichung in Schönschrift. Ricardo Viana prüfte Ashton noch einmal in der 70. Minute, doch der Royals-Keeper hielt spektakulär. Danach verwaltete Dallas das Ergebnis mit stoischer Gelassenheit. Als der Schlusspfiff ertönte, rissen die Bulls die Arme hoch, als hätten sie gerade eine Meisterschaft gewonnen. Vielleicht war es auch einfach Erleichterung. Zwei frühe Tore, ein paar nervöse Momente - und ein verdienter Sieg. "Ich sag’s euch ehrlich", meinte Bulls-Veteran Viana später mit einem Augenzwinkern, "nach dem 0:1 hab ich kurz gedacht, wir machen heute wieder Werbung fürs Rugby. Zum Glück hat Harry das anders gesehen." Vielleicht war’s kein Fußball-Feuerwerk, aber es war ehrlicher, bodenständiger Liga-Alltag, wie ihn die Fans lieben: jung, wild, manchmal unkoordiniert - aber mit Herz. Und ein bisschen Herzblut reicht in Dallas eben meistens für drei Punkte. Oder wie ein Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "War kein Picasso, aber hängt trotzdem gern an der Wand." 02.05.643994 10:37 |
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