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Wer den Liga-Pokal der italienischen Zweitliga-Teams bisher für eine ruhige Angelegenheit hielt, wurde am Montagabend in Ivrea eines Besseren belehrt. Vor 15.782 Zuschauern verwandelten Canavese und Atletico Roma das Stadion in eine Bühne für Leidenschaft, Nervenstärke und ein bisschen Größenwahn. Am Ende stand ein 2:3 (2:1) - eine Partie, die man am liebsten auf VHS bannen würde, nur um sie sich bei jedem Sonntagsfrühstück wieder anzuschauen. Dabei hatte für Canavese alles begonnen wie aus dem Fußballmärchenbuch. Der junge Cristian Cedro, erst 22 und schon mit der Selbstsicherheit eines gestandenen Torjägers, traf in der 18. Minute nach einem butterweichen Zuspiel von Giacomo Floris zum 1:0. Drei Minuten später war Cedro erneut zur Stelle - diesmal nach Vorarbeit von Dario Lago. Zwei Schüsse, zwei Treffer, zwei Mal Jubel, der den Rasen zum Beben brachte. "In dem Moment dachte ich, es wird einer dieser Abende, an denen alles gelingt", grinste Cedro später, während er sein Trikot mit Grasflecken musterte. Doch wie so oft, wenn man denkt, man habe den Fußball verstanden, zeigt das runde Leder seine Launen. Atletico Roma, zunächst fahrig, dann wütend, schüttelte sich kurz - und schlug zurück. In der 42. Minute bediente der 19-jährige Jozef Skrtel den zentralen Mittelfeldmotor Diego Custodio, der das 2:1 markierte. Es war der Auftakt zu einer Aufholjagd, die selbst die Tifosi im Gästeblock kurz verstummen ließ, bevor sie umso lauter explodierten. "Ich habe in der Pause gesagt: Wenn wir schon nach Rom zurückfahren müssen, dann wenigstens nicht mit hängenden Köpfen", verriet Trainer Hans Neumann später mit einem schelmischen Grinsen. Offenbar hatte er die richtigen Worte gefunden. Denn seine Mannschaft kam mit einem ganz anderen Gesicht aus der Kabine. Mehr Aggressivität, mehr Tempo - und ein Yannik Gadocha, der plötzlich tat, als sei er der Alleinunterhalter im Ballhaus Roma. In der 76. Minute zirkelte Gadocha nach Zuspiel von Custodio den Ball ins lange Eck - 2:2. Nur vier Minuten später traf er erneut, diesmal nach Vorarbeit von Fabrizio Cenadi. Ein Doppelschlag, der Canavese den Boden unter den Füßen wegzog. Während Gadocha sich feiern ließ, schüttelte Canaveses Torhüter George Edwards nur den Kopf. "Ich schwöre, ich hab den Ball kommen sehen - aber der Typ hat ihn so gedreht, als hätte er Fernsteuerung", sagte er später, halb lachend, halb verzweifelt. Statistisch gesehen hätte Canavese das Spiel gar nicht verlieren dürfen. 52,8 Prozent Ballbesitz, acht Torschüsse, eine ordentliche Passquote - all das liest sich gut. Doch Atletico Roma hatte den längeren Atem, zwölf Torschüsse, etwas mehr Zweikampfhärte (51 Prozent Erfolgsquote) und, seien wir ehrlich, das Glück, das man braucht, wenn man italienische Pokalspiele gewinnen will. Die letzten Minuten waren ein Ritt auf der Rasierklinge. Canaveses Innenverteidiger Domingo Coelho versuchte es in der 72. Minute mit einem Kopfball, der knapp über die Latte strich. Auf der anderen Seite prüfte Cenadi den Keeper gleich mehrfach - zuletzt in der 89. Minute, als Edwards mit einer Flugeinlage den vierten Gegentreffer verhinderte. Gelbe Karten gab es zur Genüge: Lazaros Nafpliotis sah sie in der 34. Minute, Yannik Gadocha gleich danach in der 43. - beide Male wegen "übermotivierter" Zweikampfführung. Oder, wie Neumann es trocken formulierte: "Wenn man in Italien keinen Dreck an den Stutzen hat, war man nicht dabei." Taktisch blieb Canavese seiner ausgeglichenen Linie treu - kein Pressing, keine wilden Konter, einfach solider Fußball. Roma dagegen zog im Laufe der Partie das Tempo an, stellte auf volles Pressing um und zeigte, dass Offensive manchmal doch die beste Verteidigung ist. Nach dem Schlusspfiff stand Cedro mit leerem Blick auf dem Rasen. "Zwei Tore und trotzdem verloren - das fühlt sich an wie Pizza ohne Belag", murmelte er. Trainer Neumann hingegen gönnte sich auf der Pressekonferenz einen Espresso und den letzten Seitenhieb: "Ich liebe Spiele, bei denen man in der Halbzeit schon totgesagt wird. Das macht den Kaffee danach einfach besser." Und so endete ein Abend, der alles hatte: Tempo, Drama, jugendliche Unvernunft und das gute, alte Fußballchaos. Atletico Roma nimmt die drei Punkte mit nach Hause - Canavese bleibt nur die Erkenntnis, dass 2:0 eben kein sicheres Ergebnis ist. Oder, um es mit den Worten eines alten Stadionbesuchers zu sagen: "So ist Fußball, mein Junge - und genau darum lieben wir ihn." 27.10.643999 04:06 |
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