Anpfiff
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Chemnitz feiert früh, Aue wacht zu spät auf - 1:2 im Erzgebirgsduell

Es war ein lauer Frühsommerabend im Erzgebirgsstadion, aber auf dem Rasen brannte es schon in den ersten Minuten. 8.990 Zuschauer wollten sehen, ob Wismut Aue an den ordentlichen Saisonstart anknüpfen kann - und bekamen stattdessen einen Chemnitzer FC, der so früh loslegte, als hätte man ihm den Anpfiff eine Viertelstunde zu spät mitgeteilt. Schon in der 6. Minute klingelte es: Liam Farnsworth traf nach feiner Vorarbeit von Leon Hartshorn zur Führung. Der junge Engländer grinste nach seinem Treffer: "Ich wollte eigentlich flanken, ehrlich! Aber wenn der Ball schon reinfliegt, beschwere ich mich nicht."

Aue, überrascht und sichtlich verwirrt, suchte nach einer Antwort - und fand sie zunächst nicht. Stattdessen legte Chemnitz nach, und zwar mit bemerkenswerter Effizienz. In der 12. Minute zimmerte der 19-jährige Amit Jadin den Ball nach Zuspiel von Jacques Dubois ins lange Eck. 0:2 - und die Heimfans rieben sich verwundert die Augen. Trainer Thomas Freitag schüttelte auf der Bank nur den Kopf und murmelte in Richtung seines Co-Trainers: "Wir wollten eigentlich defensiv sicher stehen. Jetzt stehen wir offen wie ein Scheunentor."

Chemnitz’ Coach Beate Merkel hatte dagegen allen Grund zur Freude. Die Taktik ihres Teams - offensiv, aber ohne wildes Pressing - ging auf. "Wir wollten Aue den Ball lassen, aber die Kontrolle behalten", erklärte sie später. Das klappte prächtig: Zwar hatte Aue am Ende 52 Prozent Ballbesitz, doch Chemnitz schoss dreimal so oft aufs Tor. Zwölf Abschlüsse für die Gäste, vier für die Gastgeber - das sagt alles.

Nach der frühen Doppelführung verwalteten die Himmelblauen das Spiel geschickt. Ihre Defensive stand stabil, auch weil Innenverteidiger Slobodan Zigic alles wegköpfte, was in seine Nähe kam. "Ich habe heute mehr Kopfbälle gewonnen als meine Freundin beim Schere-Stein-Papier", witzelte er nach dem Spiel.

Aue kam erst nach der Pause auf Touren. Vielleicht hatte Trainer Freitag in der Kabine die richtigen Worte gefunden - oder einfach die Lautstärke erhöht. Jedenfalls verkürzte Adam Waldoch in der 52. Minute nach einem schnellen Konter auf 1:2. Der Jubel war ohrenbetäubend, ja fast trotzig. "Da war plötzlich wieder Leben drin", sagte Kapitän Diego Duran, der kurz darauf selbst zweimal gefährlich vor dem Tor auftauchte, aber an Chemnitz-Keeper Kessler scheiterte (54. und 72.).

Doch jede Aufbruchsstimmung wurde kurz vor Schluss jäh gebremst. Santiago Meireles, der schon in der 39. Minute Gelb gesehen hatte, ließ sich in der 86. zu einem übermotivierten Zweikampf hinreißen - Gelb-Rot, Feierabend. "Ich wollte den Ball treffen, ehrlich", beteuerte er später mit schiefem Lächeln. Trainer Freitag sah das anders: "Sagen wir mal so, sein Timing war heute nicht bundesligareif."

Die Schlussphase spielte Chemnitz dann routiniert herunter. Zwar roch es in der Nachspielzeit noch einmal nach Ausgleich, als Lennard Bach in der 91. Minute aus spitzem Winkel abzog, doch Kessler lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Danach war Schluss, und die Gäste jubelten ausgelassen vor der Kurve.

"Wir hätten vielleicht noch ein drittes machen müssen", meinte Torschütze Jadin nach dem Spiel. "Aber manchmal reicht’s auch mit zwei." Ganz Unrecht hatte er nicht. Mit zwölf Torschüssen, starkem Zweikampfverhalten (53 Prozent gewonnene Duelle) und viel Tempo über die Flügel verdiente sich Chemnitz den Sieg redlich.

Für Aue bleibt die Erkenntnis: Gute Ballbesitzwerte gewinnen keine Punkte, wenn der Gegner präziser, wacher und frecher ist. "Wir haben zu spät ins Spiel gefunden", fasste Trainer Freitag nüchtern zusammen. "Aber immerhin haben wir gezeigt, dass wir kämpfen können. Leider war’s da schon fast zu spät."

Das Publikum verabschiedete die Mannschaft dennoch mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Gewohnheit. Und während die Chemnitzer Spieler noch auf dem Rasen tanzten, verließ ein Auer Fan kopfschüttelnd das Stadion und sagte zu seinem Nachbarn: "Na wenigstens war das Bier kalt."

Ein Satz, der das Spiel treffend zusammenfasst.

Endstand: Wismut Aue - Chemnitzer FC 1:2 (0:2)
Tore: 0:1 Farnsworth (6.), 0:2 Jadin (12.), 1:2 Waldoch (52.)
Zuschauer: 8.990

03.09.644000 20:45
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