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Es war einer dieser Abende im Sportpark Husterhöhe, an denen der Fußball nicht schön, aber ehrlich war. 3640 Zuschauer sahen, wie der FK Pirmasens gegen den BV Cloppenburg mit 1:0 gewann - und das nach 76 Minuten, in denen das Publikum eher vom Duft der Bratwurst als vom Offensivfeuerwerk wachgehalten wurde. Doch dann kam Alex Coviello. "Ich dachte schon, das wird so ein 0:0, bei dem keiner mehr den Ball ins Tor bekommt", grinste Trainerin Gudrun Schweitzer nach dem Abpfiff. "Aber Alex hat einen Riecher für solche Momente." Der 30-jährige Mittelstürmer bewies diesen Riecher, als er in der 76. Minute nach einem kurzen Durcheinander im Cloppenburger Strafraum am schnellsten schaltete und den Ball wuchtig ins rechte Eck drosch. Der Jubel war laut, ehrlich und ein bisschen ungläubig - man hatte fast vergessen, dass man Tore tatsächlich erzielen darf. Dabei war das Spiel keineswegs arm an Aktionen. Schon früh zeigte Cloppenburg, dass man sich nicht verstecken wollte. In der dritten Minute prüfte der rechte Verteidiger Elmo Bushnell mit einem kernigen Distanzschuss FK-Keeper Lucas Grantham - der junge Torhüter war hellwach und lenkte den Ball über die Latte. Danach entwickelte sich ein Spiel, das sich vor allem im Mittelfeld festbiss: Pirmasens mit leidenschaftlichem Einsatz (Tacklingquote 52 Prozent), Cloppenburg mit etwas mehr Ballbesitz (53 Prozent), aber zu wenig Durchschlagskraft. In der 25. Minute hatte Archie MacAlister zwei gute Gelegenheiten hintereinander, doch entweder stand ein Abwehrbein im Weg oder Cloppenburgs Torwart Paul Ebert fing ab. "Ich hab ihn zweimal fast identisch getroffen - also leider auch zweimal zu zentral", fluchte MacAlister später halb lachend, halb genervt. Die zweite Halbzeit begann mit einem kleinen Paukenschlag auf der Bank: Schweitzer brachte den erfahrenen Coviello für den müden Alexander Satchmore - ein Wechsel, der sich noch als goldrichtig herausstellen sollte. Pirmasens blieb kämpferisch - und manchmal etwas übermotiviert. Der junge Linksverteidiger George Duncan sah in der 57. Minute Gelb, nachdem er meinte, den Ball und gleich das halbe Schienbein seines Gegners treffen zu müssen. "Er hat Herz", kommentierte Schweitzer trocken, "aber manchmal auch zu viel davon." Cloppenburg ließ den Ball laufen, kombinierte gefällig, doch in der Spitze fehlte der letzte Mut. Rene Diarra scheiterte mehrfach - in der 37., 39. und später sogar in der 86. Minute. Jedes Mal rauschte der Ball knapp vorbei, und jedes Mal war Trainer Robin Seifert an der Seitenlinie kurz davor, in den Rasen zu beißen. "Wir hätten noch ’ne Stunde spielen können, der Ball wär trotzdem nicht reingegangen", seufzte er nach der Partie. Dann kam die 76. Minute: Ecke von rechts, halb geklärt, Bernier schiebt den Ball zurück in den Strafraum - und Coviello, gerade einmal 31 Minuten auf dem Platz, reagiert schneller als alle anderen. Ein Tritt, ein Knall, ein Tor. 1:0. Pirmasens tobte. Die Schlussphase gehörte den Gästen, die alles nach vorne warfen. Xavi Quiles prüfte Grantham in der 83. Minute, doch der Keeper blieb unüberwindbar. In der 93. Minute zückte der Schiedsrichter noch Gelb für Cloppenburgs Abwehrchef Timo Wolf, der einem Pirmasenser Konter nur noch per taktischem Foul begegnen konnte. Danach war Schluss - und die Erleichterung im Stadion fast greifbar. "Das war kein Leckerbissen, aber drei Punkte schmecken immer", sagte Schweitzer, während sie mit verschränkten Armen in die Kurve blickte. Und Coviello, der Mann des Abends, grinste: "Ich kam rein, hab gedacht: Na gut, dann machste halt den Unterschied. Hat geklappt." Faktisch war es ein Spiel, das weniger durch Glanz als durch Beharrlichkeit entschieden wurde. 14 Torschüsse der Gastgeber, 9 der Gäste - ein Spiegelbild des Abends. Beide Teams neutralisierten sich lange, bis einer die Geduld verlor und der andere das Glück fand. Vielleicht war das nicht der Fußball, den man auf Postern sieht, aber einer, der in der Regionalliga B eben dazugehört: ehrlicher Kampf, wenig Glitzer, viel Gras zwischen den Zähnen. Und am Ende ein Coviello, der die Pirmasenser in die Nacht schickt - mit dem guten Gefühl, dass Arbeit manchmal wirklich belohnt wird. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "War kein Samba, aber wenigstens haben wir diesmal den Takt angegeben." 23.02.644003 14:16 |
Sprücheklopfer
Schach ist für mich neben Fußball der schönste Sport, weil es aufgrund der Figuren auch ein Mannschaftssport ist.
Felix Magath