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Darmstadt siegt knapp - Geier trifft, Hase entscheidet

Ein lauer Maiabend, 20:15 Uhr, Flutlicht über dem Böllenfalltor. 4226 Zuschauer, viele mit Sonnenbrille und Bier in der Hand, erwarteten am 27. Spieltag der Regionalliga A ein Spiel, das auf dem Papier klar schien - doch Linx war kein leichter Gast. Am Ende setzte sich der SV Darmstadt mit 2:1 gegen den SV Linx durch, ein Ergebnis, das enger war, als es die Statistiken vermuten ließen.

Von Beginn an ließen die Lilien keinen Zweifel daran, wer hier Herr im Haus ist. Schon in der dritten Minute prüfte Innenverteidiger Philip Kunz den Linxer Keeper Oscar Haase mit einem satten Kopfball - ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. In der 12. Minute dann Jubel: Kay Geier, der rechte Flügelflitzer, traf nach feinem Zuspiel von Ryan Prentiss zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehauen, ehrlich gesagt wollte ich flanken", grinste Geier nach der Partie und schob hinterher: "Aber wenn’s reingeht, war’s natürlich so gewollt."

Doch wer dachte, das Spiel würde nun einseitig verlaufen, sah sich getäuscht. Linx antwortete mit bemerkenswerter Kaltschnäuzigkeit. Nur neun Minuten später setzte Wolfgang Seitz den Ball nach Vorarbeit von Mark Fritsch präzise ins Eck - 1:1. "Wir wollten ihnen den Spaß am Kombinieren verderben", erklärte Linx-Trainer Michal Dickschat später. "Hat ja auch fast geklappt - bis dieser Hase wieder anfing, zu springen."

Damit meinte er Wolfgang Hase, Darmstadts Linksaußen, der in der 65. Minute für die Entscheidung sorgte. Nach einer Drangphase der Gäste schnappte sich Hase einen Abpraller an der Strafraumkante und drosch ihn humorlos ins Netz. Der Jubel war groß, das Bier in der Kurve flog. Hase selbst kommentierte trocken: "Ich hab den Ball gesehen und gedacht: Wenn ich jetzt drüberhaue, gibt’s morgen Lauftraining. Also lieber rein damit."

Statistisch war Darmstadt die überlegene Mannschaft: 57 Prozent Ballbesitz, 9:7 Torschüsse, leicht bessere Zweikampfquote. Doch Linx blieb gefährlich. Besonders der junge Christian Stein sorgte in der zweiten Halbzeit mit zwei Distanzschüssen (69. und 71. Minute) für Aufsehen - und für nervöse Gesichter auf der Darmstädter Bank. "Ich hab mich gefragt, ob der Junge heimlich bei Real trainiert", murmelte ein Zuschauer hinter mir, als Stein den Ball nur um Zentimeter am Pfosten vorbeizirkelte.

Ein unrühmlicher Moment ereignete sich in der Schlussphase: Darmstadts linker Verteidiger Janos Zele sah in der 89. Minute Gelb-Rot, nachdem er zuvor schon in der 47. verwarnt worden war. "Ich hab gar nichts gemacht, ehrlich", beteuerte er beim Hinausgehen - ein Satz, der wohl in keiner Mannschaftsgeschichte fehlt. Trainer und Mitspieler winkten ab; das Spiel war ohnehin fast vorbei.

Kurz davor hatte Ryan Prentiss noch Gelb gesehen, wohl aus purer Solidarität. "Man will ja als Team auftreten", witzelte er später in der Mixed Zone. Dass Darmstadt trotz der Unterzahl nichts mehr anbrennen ließ, lag auch an der Routine von Torwart Kai Buettner, der in der Nachspielzeit einen gefährlichen Freistoß entschärfte.

Linx musste zudem früh einen Rückschlag hinnehmen: Innenverteidiger Linus Schmitt verletzte sich in der 47. Minute und wurde durch Karsten Gruber ersetzt. "Das hat uns in der Defensive ein bisschen aus dem Konzept gebracht", gab Coach Dickschat zu. Dennoch kämpften seine Männer bis zum Schlusspfiff, pressten am Ende sogar mit allem, was noch laufen konnte - laut Taktikanalyse mit aggressivem Pressing und vollem Einsatz.

Als Schiedsrichterin Anna Bröckel schließlich abpfiff, atmete Darmstadt kollektiv auf. Die Heimfans sangen, die Spieler klatschten sich ab, und Trainer wie Fans waren sich einig: Kein Galaabend, aber ein Arbeitssieg.

Ein älterer Fan fasste es beim Hinausgehen treffend zusammen: "War nix für Feinschmecker, aber immerhin drei Punkte. Und Geier - der darf wieder flanken."

So bleibt ein Fazit mit einem Augenzwinkern: Darmstadt fliegt nicht, aber sie flattern erfolgreich. Linx dagegen bewies, dass man auch mit Mut, Pressing und einem Schuss Chaos einem Favoriten das Leben schwer machen kann. Ein Spiel, das kaum jemand so schnell vergisst - schon gar nicht Hase, der wohl noch heute lächelt, wenn er den Ball an der Strafraumkante liegen sieht.

17.04.644000 21:55
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