Anpfiff
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Dotschew sticht zu: FK Pirmasens siegt glücklich in Schwerin

Eintracht Schwerin hatte an diesem Dienstagabend alles - nur kein Glück. 3345 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion an der Ostsee sahen eine Heimelf, die von der ersten bis zur letzten Minute rannte, biss und drückte. Am Ende leuchtete trotzdem ein ernüchterndes 0:1 auf der Anzeigetafel. Gast FK Pirmasens, taktisch diszipliniert und mit der Effizienz eines Uhrwerks aus der Pfalz, entführte drei Punkte, die sich eher nach Diebesgut als nach verdientem Lohn anfühlten.

Schon die Anfangsminuten zeigten, wohin die Reise gehen sollte: Schwerin spielte, Pirmasens traf. Dennis Stefan prüfte in der dritten Minute Gästekeeper Dennis Frei mit einem Distanzschuss — "Ich hab gedacht, der flutscht ihm durch", knurrte Stefan nach dem Spiel -, doch Frei pflückte den Ball seelenruhig weg. Es folgten Chancen im Minutentakt: Rudolph, Hammer, Brinkmann - jeder durfte mal. Nur das Tor wollte sich partout nicht öffnen.

Dann kam Minute 31: ein sauberer Ballgewinn im Mittelfeld, David Bernier mit einem kurzen Pass in die Tiefe, und der 25-jährige Nikolai Dotschew zog von rechts nach innen, als wüsste er genau, dass dies der Moment seines Abends war. Ein trockener Schuss ins lange Eck - 0:1. Schwerins Keeper Nico Seiler streckte sich vergeblich. "Ich hab ihn spät gesehen", gestand der 18-Jährige hinterher, "und dann war er auch schon im Netz."

Danach tat Pirmasens, was Pirmasens am besten kann: verteidigen, verschieben, die Uhr runterspielen, als ginge’s um die letzte Bahn des Tages. Trainerin Gudrun Schweitzer stand an der Seitenlinie, die Arme verschränkt, und rief ab und zu nur ein knappes "Ruhig bleiben!" Richtung ihrer Abwehrkette. Spätestens nach der Pause war klar, dass ihre Mannschaft auf Konter lauerte und ansonsten Beton anrührte.

Schwerin dagegen wirkte wie ein Boxer, der Runde um Runde dominiert, aber nie trifft. 15 Torschüsse, 50,4 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe - alles schön und gut für die Statistik, aber nutzlos für die Tabelle. Dennis Stefan und Luis Ahrens scheiterten in der zweiten Halbzeit mehrfach an Frei, dem Mann des Abends. Der Pirmasenser Schlussmann faustete, hechtete, brüllte und rettete - und hatte am Ende nicht einmal schmutzige Handschuhe.

"Wenn du so viele Chancen liegen lässt, brauchst du dich nicht wundern", seufzte Eintracht-Coach Thomas Krause. "Wir hätten wahrscheinlich noch bis Mitternacht spielen können." Auf die Frage, ob es an mangelnder Kaltschnäuzigkeit oder am Rasen lag, grinste er: "Beides. Der Rasen war heute so holprig wie unsere Abschlüsse."

Pirmasens dagegen zeigte die berühmte Effektivität eines Auswärtsteams, das kaum Offensivgeist, aber jede Menge Nervenstärke mitbringt. Nach dem Seitenwechsel wechselte Schweitzer den ballverliebten Bernier aus und brachte Archie MacAlister - ein Zeichen: jetzt wird verwaltet. Und verwaltet wurde. "Klar, das war kein Leckerbissen", gab Dotschew offen zu, "aber drei Punkte schmecken auch ohne Sahnehäubchen."

In der Schlussphase versuchte Schwerin noch einmal alles: Felix Krebs zog aus der Distanz ab (72.), Nico Rudolph versuchte’s per Volley (80.), doch die Kugel wollte einfach nicht rein. Als der junge Schiedsrichter endlich abpfiff, fiel die halbe Eintracht-Elf erschöpft auf den Rasen. Die Gäste bildeten einen Kreis und sangen leise ihr Siegeslied - das man in Schwerin wohl nur ungern hörte.

Pirmasens nahm damit den fünften Auswärtssieg der Saison mit, während Schwerin weiterhin im Tabellenmittelfeld feststeckt. "Wir müssen uns belohnen", forderte Kapitän Held, der sogar aus der Innenverteidigung heraus zweimal gefährlich abschloss. "Sonst spielen wir schönen Fußball für die Galerie, aber nicht für die Punkte."

Vielleicht ist das das Problem der Eintracht: zu viel Wille, zu wenig Zynismus. Pirmasens zeigte, wie man mit einem einzigen Geistesblitz und 89 Minuten Disziplin ein Spiel gewinnt. Und während in Schwerin die Flutlichtmasten erloschen, stand auf der Anzeigetafel noch immer Dotschews Name - ein kleiner Stich ins Herz der Heimfans.

Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Schöner Fußball, aber leider ohne Tore. Vielleicht sollten sie mal Dotschew fragen, wie das geht."

Eintracht Schwerin 0 - 1 FK Pirmasens (0:1)
Tor: Dotschew (31., Bernier)
Zuschauer: 3345
Schussverhältnis: 15:11, Ballbesitz: 50 % zu 50 %, Tacklingquote: 51 % zu 49 %.

Und irgendwo in Pirmasens wird Trainerin Schweitzer wohl gerade lächeln - leise, zufrieden und mit dem Wissen, dass Glück manchmal einfach eine Frage der Effizienz ist.

17.04.644000 21:58
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