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Eidelstedt schießt, Düsseldorf trifft - ein Abend voller vergeblicher Chancen

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob das Runde vielleicht doch lieber eckig wäre - zumindest für den SV Eidelstedt. 20 Torschüsse, ein Treffer, dazu 52 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote, die auf dem Papier wie ein Sieg aussieht. Auf dem Spielberichtsbogen stand am Ende aber: 1:2 gegen TuS Düsseldorf. Effektivität schlägt Fleiß - und das mit einem Augenzwinkern, das man auf der Düsseldorfer Bank noch bis spät in die Nacht sehen konnte.

Von Beginn an legten die Eidelstedter los, als wollten sie den Ball persönlich in den Winkel tragen. Tomas Freitag prüfte nach gerade einmal 60 Sekunden den Düsseldorfer Keeper Simon Metzger - ein erster Warnschuss, der aber eher freundlich als furchteinflößend wirkte. "Da dachte ich: Wenn die so weitermachen, wird das ein langer Abend", grinste Metzger später.

Und sie machten so weiter. Oscar Caviness, Hanns Bayer, Justin Gebhardt - sie alle reihten sich in die Eidelstedter Schützenliste ein, doch das Tor schien wie vernagelt. Düsseldorf hingegen benötigte ganze sechs Abschlüsse, um zweimal zu treffen. Lehrbuchmäßig, möchte man sagen - oder schlicht gemein.

In der 36. Minute dann der erste Nadelstich: Massimiliano Pentone, gerade einmal 19 Jahre jung, traf nach Vorlage von Pablo Diaz zum 0:1. Ein Schuss, so trocken wie ein Mathetest am Montagmorgen. Trainer Jonte Stricker ballte die Faust, als hätte er gerade ein Lottofeld richtig angekreuzt. "Wir haben gesagt: Jungs, geduldig bleiben. Und dann macht der Massi das Ding rein. Wahnsinn", jubelte Stricker später mit glänzenden Augen.

Doch Eidelstedt ließ sich nicht entmutigen. Nur fünf Minuten später brach Jubel aus, als Minos Ardizoglou - der erfahrene Spielgestalter mit dem Hang zur Dramatik - nach feiner Vorarbeit von Tiburtius Bengtsson den Ball ins Netz drosch. 1:1, verdient, laut, kathartisch. Ardizoglou rannte zur Eckfahne und brüllte: "Jetzt geht’s los!" - und man glaubte es ihm.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Eidelstedt im Vorwärtsgang, Düsseldorf im Überlebensmodus. Caviness kassierte in der 55. Minute Gelb, vermutlich auch, weil der Schiedsrichter sich an seiner Dauerpräsenz im Mittelfeld störte. Nur zwei Minuten später folgte der Genickschlag: Düsseldorfs Rechtsverteidiger Mike Bach, eigentlich mehr für die rustikale Variante des Spiels zuständig, zog einfach mal ab - und traf. Vorlage von Henrik Ohlson, 57. Minute, 1:2. Der Eidelstedter Torwart Vedran Olic schaute dem Ball hinterher, als würde er ihn zum letzten Mal sehen.

"Ich dachte, der schießt den in den Fangzaun", murmelte Olic später mit einem bitteren Lächeln. "Aber nein, heute war wohl jeder Schuss ein Treffer - nur nicht unserer."

Was folgte, war ein Sturmlauf in Eidelstedter Blau. Ernst Betz, der unermüdliche Stürmer, hatte Chancen im Minutentakt - zwischen der 70. und der 90. Minute feuerten die Gastgeber gleich siebenmal aufs Tor. Doch das Netz blieb unberührt. Einmal rettete der Pfosten, einmal die Schulter von Keeper Metzger, einmal schlicht das Pech.

Am Spielfeldrand ließ Trainer Stricker seine Jungs nach dem Schlusspfiff kurz ausatmen, dann rief er: "So spielt man auswärts!" - was in Düsseldorf vermutlich zur nächsten Motivationsgrafik auf Social Media führt.

Eidelstedts Coach - der namentlich nicht überlieferte Mann an der Seitenlinie - wirkte dagegen eher stoisch. "Wir haben alles richtig gemacht, außer Tore geschossen", sagte er mit einem Schulterzucken, das zwischen Resignation und Galgenhumor pendelte. Ardizoglou hingegen nahm’s sportlich: "Manchmal bist du der Hammer, manchmal der Nagel. Heute waren wir eindeutig das Brett."

3784 Zuschauer hatten sich an diesem Dienstagabend in Eidelstedt eingefunden, und sie sahen ein Spiel, das in fast jeder Statistik dem Heimteam gehörte - außer in der wichtigsten.

Im Rückblick wird man wohl sagen: Düsseldorf war clever, Eidelstedt war bemüht. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn Schönheit Tore schießen würde, hätten wir 5:1 gewonnen."

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Fußball eben kein Schönheitswettbewerb ist - sonst hätte Eidelstedt die Jury einstimmig überzeugt. Aber auf der Anzeigetafel stand 1:2, und das war, wie immer, das letzte Wort.

08.07.644000 03:33
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