Anpfiff
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Ein Punkt, zwei Geschichten: Linx und Nidda teilen sich die Bühne

Es gibt Fußballabende, die wirken wie ein gut gemeinter Kompromiss. Der 1:1‑Kampf zwischen dem SV Linx und Viktoria Nidda am 4. Spieltag der Regionalliga A gehörte genau in diese Kategorie. 5 445 Zuschauer erlebten ein Spiel, das mit frühem Jubel begann, zwischendurch zur Geduldsprobe wurde und am Ende mit einem jugendlichen Geniestreich endete.

Kaum hatte Schiedsrichterin Meier um 20.15 Uhr angepfiffen, da legten die Linxer los, als hätten sie das Abendessen auf dem Rasen vergessen. In der 10. Minute scheiterte Kilian Brandt mit einem satten Schuss noch am Gästetorwart André Cartier - eine Minute später machte es Fabian Kopp besser. Nach einer Ecke von Linus Schmitt stand Kopp goldrichtig und drückte den Ball per Volley aus zwölf Metern über die Linie. 1:0, und das Stadion vibrierte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Kopp später, "und gehofft, dass niemand dazwischen springt."

Viktoria Nidda wirkte vom frühen Rückstand wenig beeindruckt. Trainer Guaiano Universum - ja, dieser Name ist echt - gestikulierte wie ein Dirigent, seine Elf spielte fortan im Takt. Christian Paul prüfte Linx‑Keeper Oscar Haase in der 13. Minute, Leon Kopp schoss kurz darauf knapp vorbei, und Matthias Völker versuchte es gleich zweimal hintereinander aus 25 Metern. "Wir wollten zeigen, dass wir auch schießen können", meinte Paul mit einem Augenzwinkern.

Bis zur Pause blieb es beim 1:0, vor allem, weil Linx in entscheidenden Momenten noch den Fuß dazwischen bekam. "Wir haben uns reingekämpft, auch wenn’s nicht schön war", sagte Innenverteidiger Linus Schmitt, der gefühlt jeden zweiten Ball per Kopf klärte.

Nach dem Seitenwechsel brachte Universum frische Beine: Fritzsche kam für Leon Kopp, der junge Ernst Albrecht ersetzte Geissler auf rechts - eine Maßnahme, die Wirkung zeigte. Nidda schnürte die Hausherren immer tiefer in deren Hälfte. 13 Torschüsse insgesamt - fast dreimal so viele wie Linx - sprechen eine deutliche Sprache.

Doch Michal Dickschat, der Linxer Trainer, blieb gelassen. "Wir wollten nicht schön aussehen, wir wollten Punkte. Eins davon hat geklappt." Tatsächlich: Linx verteidigte mit Leidenschaft, auch wenn Wolfgang Seitz in der 58. Minute nach einem taktischen Foul Gelb sah und kurz darauf ausgewechselt wurde. Der eingewechselte Joshua Merz brachte zwar neuen Schwung, doch die Angriffe der Gastgeber verpufften meist im Mittelfeld.

In der 81. Minute dann der Moment, der Nidda rettete. Christian Paul setzte sich über rechts durch, flankte scharf vors Tor - und der 19‑jährige Zoran Jestrovic war zur Stelle. Ein Kontakt, ein Strahl unter die Latte, 1:1. "Ich hab gar nicht nachgedacht", sagte Jestrovic später, "vielleicht war das der Trick." Sein Trainer nickte zufrieden: "Er denkt sonst auch nicht viel - aber schießen kann er."

Die Schlussphase gehörte wieder Linx. Dickschat schob seine Mannschaft nach vorne, ließ Pressing spielen, was das taktische Protokoll später als "aggressiv" und "mit vollem Einsatz" vermerken sollte. Chancen gab es noch: Merz (77.) schoss knapp vorbei, und kurz vor Schluss versuchte es der eingewechselte Christian Stein aus der Distanz. Der Ball flog hoch über das Tor - und in der Kurve rief jemand: "Wenn du den triffst, spendier ich dir ein Bier!" Stein grinste, hob den Daumen - und traf trotzdem nicht.

Viktoria Nidda wechselte in der 89. Minute sogar noch den Torwart: Elias Albers durfte für Cartier ran, vermutlich mehr Zeitspiel als Taktik. "Er hat sich das Debüt verdient", verteidigte Universum die Maßnahme. Albers selbst lachte: "Ich hab den Ball nicht mal berührt, aber sauber zu null gespielt in meiner Minute."

Statistisch betrachtet war Nidda das aktivere Team: 52 Prozent Ballbesitz, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 13 Torschüsse. Linx dagegen kämpfte mit Herz, fünf Abschlüsse, aber der erste saß - und das reichte für einen Punkt.

Am Ende applaudierten die Fans beiden Teams. "War kein Leckerbissen, aber ehrlich", murmelte ein älterer Herr auf der Tribüne, während er seine Stadionwurst zu Ende kaute. Ehrlich - das war wohl das Wort des Abends.

Denn dieser 1:1‑Abend in Linx war kein Spektakel, aber ein Stück ehrlicher Fußballarbeit: ein früher Treffer, ein später Ausgleich, dazwischen viel Ringen, Rutschen und Rufen. Oder, wie Michal Dickschat zum Abschluss sagte: "Manchmal ist ein Punkt eben gerecht - auch wenn’s keiner zugeben will."

Und so trennten sich Linx und Nidda friedlich, jeder mit seiner Geschichte. Die eine von der verlorenen Führung, die andere vom späten Glück - und beide davon, dass Fußball selten gerecht, aber immer erzählenswert ist.

22.11.644002 22:44
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Ich mache immer das, was mir gesagt wird. Das habe ich im Osten gelernt.
Jens Jeremies
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