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Ein lauer Maiabend, 18:45 Uhr, knapp über 1200 Zuschauer im ehrwürdigen Jahnstadion. Man hätte meinen können, es stünde ein Pokalkrimi an - und so kam es auch, zumindest phasenweise. Jahn Regensburg und Eintracht Northeim lieferten sich in der Gruppenrunde des Liga-Pokals (Verbandsliga D) ein Duell, das irgendwo zwischen Taktikseminar und Slapstick schwankte. Am Ende stand ein 1:1 - leistungsgerecht, aber mit reichlich Gesprächsstoff. Von Beginn an zeigten die Gäste aus Northeim, dass sie keine Lust auf eine Sightseeingtour in der Oberpfalz hatten. Offensiv ausgerichtet, über die Flügel kommend, legte Eintracht los wie die Feuerwehr. Bereits in der 5. Minute prüfte Bernd Bader den jungen Jahn-Keeper Phillip Dietz mit einem satten Distanzschuss. "Ich dachte, der fliegt mir durch die Handschuhe", grinste Dietz später, der den Ball aber sicher entschärfte. Regensburg brauchte gut 15 Minuten, um überhaupt in den Tritt zu kommen - vielleicht lag es am Biergartenwetter oder an der frühen Gelben Karte für Innenverteidiger Yannick Rudolph. "Ich wollte nur grüßen, aber der Schiri hat’s als Foul gesehen", kommentierte Rudolph trocken. Dann kam die Phase, in der Northeim das Spiel zu übernehmen schien. In der 38. Minute war es schließlich so weit: Der 37-jährige Louis Wilhelm - ja, der Mann läuft wirklich noch - verwertete eine punktgenaue Flanke von Jay Burton zum 0:1. Ein Treffer aus der Fußballschule für Fortgeschrittene: technisch sauber, eiskalt abgeschlossen. "Ich hab’ den Jungen nur laufen sehen, da wusste ich, den mach ich", sagte Wilhelm später mit einem Grinsen, während er sich die Schweißperlen von der Stirn wischte. Doch der Jubel der Gäste hielt keine fünf Minuten. Regensburgs Antwort kam prompt und war fast eine Kopie des Gegentreffers: Stephan Rieger tankte sich auf der rechten Seite durch und bediente Volker Moll, der den Ball aus kurzer Distanz in der 43. Minute über die Linie drückte. Die Kurve tobte, und Trainer Tim Picke von Northeim brüllte an der Seitenlinie etwas, das klang wie "Das war doch abseits!", aber der Linienrichter blieb standhaft. Die zweite Halbzeit war dann ein Abnutzungskampf. Regensburg hatte mit 53 Prozent Ballbesitz etwas mehr vom Spiel, Northeim mit 12 Torschüssen aber die klareren Gelegenheiten. Besonders Jay Burton und der unermüdliche Wilhelm tauchten mehrfach gefährlich vor Dietz auf, doch entweder fehlte die Präzision oder der Jahn-Keeper hatte wieder seine Spiderman-Handschuhe an. Auf der anderen Seite sorgte Regensburgs junger Flügelspieler Arne Eckert mit seinen Dribblings immer wieder für Unruhe. In der 70. Minute setzte er einen Schuss knapp über den Querbalken, in der 82. dann an den Außenpfosten. "Wenn der Ball ein bisschen mehr wollte, hätten wir heute gewonnen", murmelte Eckert nach dem Spiel, halb trotzig, halb resigniert. Die Schlussphase hatte dann alles, was einen Verbandsliga-Klassiker ausmacht: Gelbe Karten, lange Bälle, diskutierende Trainer. Und schließlich eine rote Karte in der 89. Minute für Regensburgs Routinier Manfred Bertram, der offenbar vergessen hatte, dass Grätschen von hinten im Jahr 2026 immer noch verboten sind. "Ich hab’ nur den Ball gesehen - dass da noch ein Spieler dranhing, war unglücklich", verteidigte sich Bertram in der Mixed Zone, während Trainer Picke kopfschüttelnd vorbeiging. In den letzten Minuten verteidigte der Jahn mit Mann und Maus - oder besser gesagt mit neun Feldspielern und einer Portion Glück. Northeim drängte, aber der Lucky Punch blieb aus. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel die Anspannung von allen ab. Ein 1:1, das keiner so richtig einordnen konnte: zu wenig für Northeim, zu zäh für Regensburg, aber immerhin ein Punkt. "Wenn du so viele Chancen hast und am Ende nur einen Punkt mitnimmst, fühlst du dich wie nach einer Diät ohne Dessert", sagte Northeims Trainer Picke und traf damit wohl den Nerv. Jahn-Coach (der sich lieber ungenannt ließ) konterte mit bayerischer Gelassenheit: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und wer den Gegner mit 37 Jahren noch rennen sieht, weiß, dass Erfahrung manchmal schneller ist als Beine." So bleibt am Ende ein Spiel, das keinen Sieger, aber viele Geschichten hervorbrachte: von einem Oldie, der trifft, einem Jungspund, der fast doppelt, und einem Verteidiger, der zu spät kam. Der Liga-Pokal hat schon langweiligere Abende gesehen. Und wer weiß - vielleicht sehen wir die beiden Teams bald wieder. Dann hoffentlich mit weniger Karten, aber genauso viel Herz. 12.12.643999 09:50 |
Sprücheklopfer
Man hetzt die Leute auf mit Tatsachen, die nicht der Wahrheit entsprechen.
Toni Polster