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Ein lauer Frühsommerabend in Northeim, 18:45 Uhr, 1353 Zuschauer - und am Ende ein Spektakel, das die Gäste aus Rudow wohl so schnell nicht vergessen werden. Eintracht Northeim spielte beim 6:0 (2:0) im Liga-Pokal der Verbandsliga D nicht nur Fußball, sie veranstalteten ein kleines Offensiv-Festival. TSV Rudow dagegen wirkte, als hätte man versehentlich eine Wandergruppe aus Brandenburg zum Spiel geschickt. Von Beginn an war klar, wer hier das Drehbuch schreibt. Schon in der dritten Minute prüfte Liam Krause den Rudower Keeper Jesper Pederson mit einem satten Schuss - Vorwarnung Nummer eins. Northeim spielte mit offenem Visier, offensiv eingestellt, aggressiv in den Zweikämpfen, und mit der klaren Devise: Ball nach vorn, Flügel auf, Flanke rein. Rudow dagegen hielt sich an das Motto "bloß kein Pressing" - laut Taktikdaten tatsächlich auf "NO" gesetzt. Es war, als stünde auf ihrer Tafel: "Bitte nicht stören." Nach einer halben Stunde hatte Northeim bereits acht Torschüsse, Rudow einen. Das 1:0 fiel dann folgerichtig in der 40. Minute: Ronald Ott, eigentlich linker Verteidiger, schlich sich nach vorn und drosch den Ball nach feinem Zuspiel von Emil Musiala humorlos ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken, ehrlich!", grinste Ott später. Vier Minuten später legte Lionel Ronaldo nach - ja, der Junge heißt wirklich so - und verwandelte nach Pass von Musiala eiskalt zum 2:0. "Ich hab nur gedacht: Musiala, bitte sieh mich! Und er hat mich gesehen", sagte Ronaldo nach dem Spiel, noch mit Grasflecken im Gesicht. Zur Halbzeit war die Partie praktisch entschieden, auch wenn TSV Rudow sich einredete, man sei "noch im Spiel". Trainer Tim Picke von der Eintracht jedoch mahnte: "Wir haben schon oft geführt und dann aufgehört zu spielen. Heute nicht!" Seine Mannschaft nahm ihn beim Wort. In der 59. Minute trat Ott wieder auf - diesmal nach einer Ecke, verlängert von Hermann Hausmann, und wieder zappelte das Netz. 3:0. Rudows Innenverteidiger Harvey Mayhew blickte ratlos in den Himmel, als wolle er dort die Antwort finden. Drei Minuten später, so schien es, hatte Rudow genug. Doch Northeim hatte Lust auf mehr. In der 67. Minute durfte dann Musiala selbst ran: Nach Vorarbeit von Maximilian Krueger versenkte er den Ball ins rechte Eck - 4:0. "Wenn du siehst, wie viel Raum ich hatte, denkst du, das war Training", witzelte Musiala. Nur drei Minuten später traf Hausmann, der 19-jährige Innenverteidiger, nach Vorlage von Jay Burton - 5:0. Trainer Picke klatschte an der Seitenlinie begeistert, als sei gerade die Meisterschaft entschieden. Den Schlusspunkt setzte Liam Krause in der 74. Minute. Nach erneutem Zuspiel von Burton zog er trocken ab - 6:0. Das Stadion tobte, die Rudower Fans (es sollen immerhin zwölf gewesen sein) schwiegen betreten. "Das war heute Lehrgeld", gab Rudow-Kapitän Pascal Römer selbstkritisch zu. "Wir hatten drei Torschüsse - wenigstens wissen wir jetzt, wo das Tor steht." Statistisch war alles klar: 18 Torschüsse für Northeim, 3 für Rudow, 56 Prozent Ballbesitz, Zweikampfquote 57 zu 43. Es war kein Lucky Punch, sondern eine Demonstration. Northeim, unter Picke stets offensiv denkend und laufstark, zeigte in jeder Phase, wer das Spiel kontrollierte. Selbst die Verletzung von Rafael Santoyo in der 37. Minute brachte keinen Bruch. Im Gegenteil: Sein Ersatzmann Ronald Ott (der später doppelt traf) war der Spieler des Abends. Nach dem Schlusspfiff wirkte Picke fast verlegen. "So ein Ergebnis ist schön, aber nächste Woche zählt’s wieder bei null", sagte er ins Mikrofon, während im Hintergrund ein Fan rief: "Dann macht doch wieder sechs!" Rudows Trainer - sein Name ging im Trubel unter, vielleicht besser so - murmelte nur: "Das war heute ein Klassenunterschied." Eintracht Northeim setzt mit diesem 6:0 ein Ausrufezeichen in der Gruppenrunde des Liga-Pokals. Die Zuschauer gingen beschwingt nach Hause, einige pfiffen noch die Vereinsmelodie, während auf dem Rasen Liam Krause und Emil Musiala lachend scherzten, wer nun das "schönste Tor" gemacht habe. Und irgendwo in der Rudower Kabine soll einer gesagt haben: "Wenigstens hat keiner sieben geschossen." Eintracht Northeim dürfte es egal sein. Sie haben sechs Gründe zum Lächeln. 07.03.644003 01:13 |
Sprücheklopfer
Ich habe früher auch die großen Philosophen gelesen. Doch dann habe ich gemerkt, dass die von meinem normalen Denken absolut abweichen. Jetzt lese ich nur noch Fußballfachbücher.
Peter Neururer