// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
1897 Zuschauer erlebten am Dienstagabend im Northeimer Gustav-Wegner-Stadion ein Halbfinal-Hinspiel, das keinem Herzpatienten zu empfehlen war. Eintracht Northeim besiegte den favorisierten Jahn Regensburg mit 2:1 - und das mit einer Mischung aus jugendlichem Übermut, taktischer Frechheit und einer Prise Glück, die man in Pokalnächten eben braucht. Die Partie begann mit einem Sturmlauf der Gäste. Schon in der vierten Minute prüfte Stephan Fröhlich den Northeimer Keeper Justin Schultz, der mit einer Flugeinlage Marke "Superheld im Feierabendverkehr" rettete. Zwei Minuten später zog Aaron Longfellow ab - wieder Schultz. Man ahnte: Der Mann hatte seinen Kaffee doppelt stark getrunken. Doch Northeim, von Trainer Tim Picke mutig auf Offensive über die Flügel eingestellt, schüttelte die Anfangsnervosität schnell ab. Der 17-jährige Swen Franz, blutjung und frech wie ein Pausenclown, rannte die Linie rauf und runter, als wolle er beweisen, dass Biologie-Lehrer falsch liegen, wenn sie sagen: "Energie kann nicht unendlich sein." In der 22. Minute dann der erste große Jubel: Moritz Alex schickte Lionel Ronaldo - ja, so heißt er wirklich - steil. Der 20-Jährige blieb eiskalt und schob überlegt ins rechte Eck ein. 1:0 Northeim, und das Stadion klang plötzlich nach Champions League. "Ich dachte kurz, ich träume", grinste Trainer Picke später, "aber der Linienrichter stand tatsächlich noch auf meiner Seite." Bis zur Pause schnupperten die Hausherren mehrfach am zweiten Treffer, vor allem Franz und Bartsch prüften den Regensburger Torwart Carl Falk, der seine Vorderleute mit einem "Hört ihr mich überhaupt?!" zusammenstauchte. 17 Torschüsse der Northeimer am Ende - da darf ein Keeper schon mal die Stimmbänder strapazieren. Nach dem Seitenwechsel kam Jahn Regensburg entschlossener aus der Kabine, aber mitten in ihre Drangphase hinein schlug wieder Lionel Ronaldo zu. 52. Minute, ein Abpraller im Strafraum, Reflex, Schuss - 2:0! Der Jubel kannte keine Grenzen. "Wenn der Junge so weitermacht, müssen wir bald Eintritt für seine Trainingseinheiten verlangen", witzelte Picke. Doch Regensburg gab sich nicht geschlagen. Trainer Andreas Falk, der erstaunlicherweise auch einen Namensvetter auf dem rechten Flügel in der Startelf hatte, gestikulierte wild, stellte auf noch offensiver - und tatsächlich: In der 71. Minute servierte besagter Andreas Falk seinem linken Kollegen Daniele Arena einen Ball, den dieser trocken ins Netz hämmerte. Nur noch 2:1. Was folgte, war ein Sturmlauf in Rot-Weiß. Arena prüfte Keeper Schultz gleich mehrfach, Kohl vergab in der Nachspielzeit eine Riesenchance, und selbst Innenverteidiger Scholz tauchte plötzlich im gegnerischen Strafraum auf. Northeim wankte, aber fiel nicht. Die Tackling-Quote sprach Bände: 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Hausherren - manchmal reicht das, wenn man sie im richtigen Moment gewinnt. Nach dem Schlusspfiff fiel Picke seinem Co-Trainer um den Hals, während Regensburgs Falk mit verschränkten Armen in die Nacht starrte. "Wir waren die bessere Mannschaft, aber Fußball ist eben kein Schönheitswettbewerb", knurrte er. Arena ergänzte sarkastisch: "Vielleicht zählen sie in Northeim bald auch Eckbälle als Tore." In der Kabine der Eintracht hingegen herrschte ausgelassene Stimmung. Der junge Swen Franz soll laut Ohrenzeugen gesungen haben - sehr falsch, aber sehr laut - während Lionel Ronaldo still auf der Bank saß, ein Handtuch über dem Kopf, und sagte: "Zwei Tore schön und gut, aber in Regensburg wird’s brennen." Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe: 49 Prozent Ballbesitz für Northeim, 51 für Regensburg. Doch während die Gäste oft in Schönheit starben, trafen die Gastgeber ins Herz des Gegners. Die taktischen Vorgaben verrieten den Unterschied: Regensburg spielte "offensiv, ausgewogen, ohne Pressing", Northeim dagegen "offensiv, stark aggressiv, über die Flügel" - und genau dort fiel die Entscheidung. Ob dieses 2:1 reicht, wird das Rückspiel zeigen. Aber eines steht schon jetzt fest: Diese Eintracht hat mehr Feuer als so mancher Regionalligist. Und wenn Lionel Ronaldo weiter so trifft, wird der Name in Northeim bald Legendenstatus genießen - zumindest bis zum nächsten Mathematiktest von Swen Franz. Man darf gespannt sein, ob Picke seinen Jungs im Rückspiel wieder Flügel verleiht. Oder ob sie dann, typisch Northeim, lieber wieder in Unterzahl glänzen, nur um den Fans ein paar Nerven zu rauben. Fußball, wie er im Pokal eben sein muss: wild, ehrlich, und mit einem Tor mehr für die Mutigen. 17.04.644000 19:13 |
Sprücheklopfer
Der Dieter Hoeneß hat die Glatze noch ganz nass gehabt. Da geht es um 30 bis 35 Millionen. Das ist Monopoly original.
Rainer Calmund zur großen Bedeutung der Partie zwischen Hertha und Leverkusen in der Saison 2000/2001